Der wilden Halden-Natur auf der Spur

dzSafari auf der Halde

Die Biologin Erika Frehn zeigt Interessierten die Tiere und Pflanzen, die ausgerechnet auf der Industriebrache einen Rückzugsort gefunden haben. An anderen Stellen kommen sie kaum noch vor.

von Alexandra Prokofev

Bergkamen

, 13.08.2018 / Lesedauer: 3 min

An der wilden Möhre riechen, das Summen der Wespen hören und dabei neue Pflanzen entdecken: Der Regionalverband Ruhr lud zu einer Tour auf der Halde Großes Holz ein.

Während der Wanderung klärt die Biologin Erika Frehn die Besucher über die Pflanzen auf. „Die Karde-Pflanze wurde früher dazu verwendet Wolle auszukämmen“, berichtet sie und zeigt dabei auf die stachelige Pflanze. Auch wilde Tiere, wie Frösche, Bienen und Libellen sind auf dem Weg zu sehen.

„Die Halde ist aus biologischer Sicht etwas ganz besonderes“, erläutert Frehn, „hier ist alles vom Menschen geformt“. Alles was die Menschen „nicht gebrauchen konnten“ wurde früher auf Halden transportiert. Einige wurden bepflanzt, bei anderen hat sich die Natur von alleine ausgebreitet.

Eine bestimmte Route hat die Wander-Gruppe nicht. Nicht die zurückgelegten Kilometer seien entscheidend. „Man schaut einfach was man findet und vor allem wen“, sagt Frehn. Ob gelbblühende Goldrute oder die Pastinake: Frehn will zeigen, wie bunt und lebhaft die Halde ist.

Cara (9) ist eine der begeisterten Wanderer. Das ist nicht ihre erste Natur-Exkursion. „Ich reite gerne und daher liebe ich die Natur“, sagt sie. In einem kleinen Gefäß hat Cara auf dem Weg einen Grashüpfer gefangen. „Das Geräusch, das die Grashüpfer von sich geben entsteht durch eine Reibung der Häkchenreihe“, erzählt Frehn.

Als nächstes bestaunen die Spaziergänger die wilde Rübe. „Die riecht wirklich nach einer Möhre“, staunt eine Wanderin. Auch wenn man viele Pflanzen als Medizin oder zum Kochen verwenden kann, rät die Biologin Frehn ab. „Ich würde dafür keine Pflanzen aus Industriestandorten empfehlen“, sagt sie.

Eine Wanderin erinnert sich an die Zeit, als sie ihre Mittagspausen auf der Halde verbracht hat. „Hier war alles verwüstet, erst später sind die Wege entstanden und die Natur hat sich ihr Gebiet zurückgeholt“, berichtet sie.

Unter der starken Hitze der letzten Tage hat die Natur gelitten. Viele Bäume verlieren ihre Blätter und auch einige Pflanzen sind ausgetrocknet. „Generell haben künstliche Halden wenig Wasservermögen, die Birke zum Beispiel braucht nicht viel Wasser und kommt mit dieser Umgebung klar“, erklärt die Biologin den Besuchern.

Die Führungen des Regionalverbandes finden seit vielen Jahren an unterschiedlichen Standorten statt. Anmelden mussten sich die Naturfreunde nicht. „Wir versuchen den Leuten näher zu bringen, was aus Industriestandorten wird, wenn sie nicht mehr von der Industrie genutzt werden“, sagt Frehn.

Lesen Sie jetzt