Der Weg zur behindertengerechten Stadt ist in Bergkamen noch sehr lang

dzBarrierefreie Stadt

In Bergkamen gibt es viele Hindernisse für Menschen mit Behinderung. Sie zu beseitigen, ist eine Aufgabe, die in kleinen Schritten gelöst werden soll – was eine lange Zeit in Anspruch nimmt.

Bergkamen

, 25.11.2019, 15:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Frank Vehlow, der Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins Kreis Unna vor einigen Wochen mit seinem Taststock die Umgebung des Bergkamener Rathauses erkundete, stieß er auf viele Probleme, sich zurechtzufinden. An vielen Stellen fehlen Markierungen, die Sehbehinderte ertasten können und ihnen zeigen, wo sie zum Rathauseingang abbiegen müssen, wo sich ein Zebrastreifen befindet, oder wo der Gehweg endet und die Fahrbahn beginnt.

Der Weg zur behindertengerechten Stadt ist in Bergkamen noch sehr lang

Wer der Sitzung des Stadtrats folgen will, muss gut genug zu Fuß sein, um die Treppe ins erste Obergeschoss zu bewältigen. Dort befindet sich die Zuschauertribüne. Zu den Toiletten geht es zwei Treppen nach unten in den Keller. © Stefan Milk

Unüberwindliche Hindernisse im Treffpunkt und im Ratstrakt

Auch Geh- oder Hörbehinderte haben oft Probleme, wenn sie sich im öffentlichen Raum bewegen. Im Treffpunkt, Sitz der Bergkamener VHS, sind beispielsweise die Kursräume im Obergeschoss nicht ohne fremde Hilfe zu erreichen. Es gibt nur eine breite Treppe, aber keinen Fahrstuhl. Im Ratstrakt sieht es nicht besser aus, gesteht Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters ein: Die Zuschauertribüne befindet sich im ersten Stock und ist nur über eine Treppe zu erreichen, die Toiletten im Keller ebenfalls.

Der Weg zur behindertengerechten Stadt ist in Bergkamen noch sehr lang

An der Ampel vor dem Deutschen Eck gibt es eine Pflasterung für Sehbehinderte. Die Fläche mit Noppen zeigt, wo es über die Straße geht. Solche Hilfen sollen eingebaut werden, wenn Straßen und Wege ohnehin umgestaltet werden. © Michael Dörlemann

Es wird lange dauern, bis alle Hindernisse beseitigt sind

Sozialdezernentin Christine Busch, die sich federführend darum kümmert, den öffentlichen Raum in Bergkamen barrierefrei zu machen, sind die meisten dieser Probleme bewusst. Trotzdem wird es wohl noch lange dauern, bis sie auch alle beseitigt sind.

In manchen Fällen hat sie noch nicht einmal eine Lösung – zum Beispiel beim Treffpunkt. Die Stadt habe geprüft, wie sie das Gebäude aus den 60er Jahren barrierefrei machen kann, sagt Busch. Das Ergebnis: Es ist zurzeit nichts zu machen.

Jetzt lesen

Barrierefreiheit bei allen Neu- und Umbauten

Zumindest das soll der Stadt bei Neu- oder großen Umbauten nicht mehr passieren. Sie will barrierefreie Mustergebäude erfassen lassen und anhand dieser Erkenntnisse eine Checkliste für Barrierefreiheit erstellen.

Gesetzlich vorgeschrieben
Bushaltestellen sollen bis 2022 barrierefrei sein

Zumindest die meisten Bergkamener Bushaltestellen sollen bis zum Jahr 2022 barrierefrei für Menschen mit Behinderungen sein. Die Stadt folgt damit einer Vorgabe des Personenbeförderungsgesetzes. Es gibt schon eine Prioritätenliste, in welcher Reihenfolge die Haltestellen umgebaut werden sollen. Dabei geht es nach der Häufigkeit, mit der die Haltestellen genutzt werden. Ganz oben auf der Liste steht der Busbahnhof und die Haltestellen Lindenweg in Weddinghofen.

Anhand dieser Checkliste sollen die Entwürfe für neue öffentliche Gebäude geprüft werden – zum Beispiel die geplanten neuen Kindergärten oder der Neubau für die Jahnschule in Oberaden.

Auch die Neubauten für die OGS an der Overberger Grundschule und der Pfalzschule in Weddinghofen werden barrierefrei gestaltet.

Auch Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters erklärt, dass die Stadt Um- und Neubauten an öffentlichen Gebäuden nutzen will, um sie behindertengerecht zu gestalten. Das gilt auch für den öffentlichen Straßenraum. Überall dort, wo Baumaßnahmen anstehen, soll die Barrierefreiheit mit verwirklicht werden. „Ich versuche, das in die Köpfe meine Mitarbeiter zu bekommen: Bei allen Entscheidungen muss die Barrierefreiheit berücksichtigt werden“, sagt der Baudezernent.

Jetzt lesen

Koordination im Rathaus

Busch möchte sogar eine Stelle im Rathaus schaffen, die bei allen Maßnahmen überwacht, dass die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen berücksichtigt werden. Sie kann sich vorstellen, eine solche Stelle im Seniorenbüro anzulegen.

Auch im Gebäudebestand sind Maßnahmen geplant. Die Stadt will zum Beispiel überprüfen, wie sich das Rathaus behindertengerechter gestalten lässt. Beim geplanten Neu- oder Umbau soll es dann ohnehin komplett barrierefrei geplant werden.

Der Weg zur behindertengerechten Stadt ist in Bergkamen noch sehr lang

Im Treffpunkt führt nur eine Treppe zu den Kursräumen der VHS im Obergeschoss. Eine Umgestaltung des Gebäudes ist kaum möglich. © Stefan Milk

Auch der „Treffpunkt“ soll irgendwann barrierefrei sein

Die Dezernentin hat auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich die Situation für Menschen mit Behinderung im Treffpunkt verbessern lässt. Sie hofft, dass das für die Umgebung sehr prägende Gebäude noch einmal neu bewertet werden kann, wenn die Stadt den gesamten Bereich nach dem geplanten Abriss des Hallenbades neu überplant. „Vielleicht lässt sich das Gebäude dann so verändern, dass es doch noch barrierefrei wird“, sagt die Dezernentin.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Frauensalon
Die Wahrheit über Agatha Christie – eine Frau die sich scheiden ließ und vor Hawaii surfte
Hellweger Anzeiger Platanen-Alleen
Baudezernent sieht wenig Spielraum für Diskussion über Bäume in Schönhausen