Der schwierige Weg, ohne Hindernisse in den Bus zu kommen

dzBarrierefreie Haltestellen

Alle 100 Bushaltestellen in Bergkamen sollen bis 2022 barrierefrei sein. Das ist nach Ansicht der Stadt nicht zu schaffen. Sie will nach bestimmten Kriterien eine Prioritätenliste aufstellen.

Bergkamen

, 16.10.2019, 17:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich soll es in Bergkamen bis 2022 für Menschen mit Behinderungen keine Hindernisse mehr geben, wenn sie mit dem Bus fahren wollen. Bis dahin müssen nach dem Personenbeförderungsgesetz alle Bushaltestellen barrierefrei umgebaut sein. Das ist nicht einfach, denn es gibt in Bergkamen rund 100 Haltestellen.

Planungsamtsleiter Thomas Reichling ist deshalb sicher, dass die Stadt diese Forderung nicht bis zum Ende des übernächsten Jahres umsetzen kann.

Um dem Ziel nahe zu kommen, will sie jetzt eine Prioritätenliste aufstellen, die sie dem Ausschuss für Umwelt, Bauen und Verkehr demnächst vorlegen will. Darin ist vorgesehen, dass die wichtigsten Haltestellen mit viel Publikumsverkehr zuerst umgebaut werden. Andere Haltestellen sollen zurückstehen, wahrscheinlich auch über Anfang 2020 hinaus. „Bei einer Taxibus-Haltestelle, die möglicherweise nur zwei Mal am Tag genutzt wird, ist der Bau sicherlich nicht ganz so dringend“, sagt Reichling.

Zahl der Fahrgäste, Seniorenheime und Arztpraxen sind Faktoren

Bei der Prioritätenliste wollen die Planer bestimmte Faktoren berücksichtigen. Dazu gehört, wie viele Menschen die Haltestelle überhaupt nutzen und ob in dem Bereich mit Personengruppen zu rechnen ist, die auf einen barrierefreien Weg in den Bus angewiesen sind. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sich in der Umgebung Kindergärten, Seniorenheime oder Ärztezentren befinden.

Der schwierige Weg, ohne Hindernisse in den Bus zu kommen

An der Bushaltestelle neben der HEM-Tankstelle gibt es noch nicht einmal einen Aufenthaltsbereich für Fahrgäste. Von Barrierefreiheit gibt es bisher keine Spur. © Marcel Drawe

Nur ein Teil der Haltestellen ist schon barrierefrei

Bisher genügt nur ein kleiner Teil der Bergkamener Haltestellen den neuen Anforderungen. Gleichzeitig ist es für die Stadt schwierig, die Haltestellen umzubauen – zum Teil beispielsweise, weil sie auf Fördergelder wartet. Sie hat zum Beispiel eine Förderung für den Umbau der Haltestellen Ebertstraße/Nordberg und für die Haltestelle Ostenhellweg/Bummannsburg beantragt. Die Haltestelle am Nordberg soll nicht nur barrierefrei, sondern auch verlegt werden. Bisher blockierten die haltenden Busse den Verkehr, der aus dem verkehrsberuhigten Bereich der Präsidentenstraße kommt.

Warten auf Fördermittel

Die Stadt hat zwar prinzipiell die Zusage für die Fördermittel bekommen, wartet aber immer noch auf den Förderbescheid. Ein Umbau ohne Förderung komme nicht in Frage, macht Reichling deutlich. „Immerhin haben wie eine 90-prozentige Förderung in Aussicht gestellt bekommen“, sagt er.

Für andere Haltestellen will die Stadt Haushaltsmittel umschichten, um sie umzubauen. Zu den Haltestellen, die große Priorität haben, gehört zum Beispiel die Haltestelle Leibnizstraße am nördlichen Ende der Fußgängerzone am Nordberg.

Der schwierige Weg, ohne Hindernisse in den Bus zu kommen

Auch die Haltestelle „In der Schlenke" ist nicht barrierefrei. Wer in den Bus will, muss eine Stufe hoch. © Marcel Drawe

Stadt will Umbau der Jahnstraße abwarten

Die Stadt will außerdem ohnehin geplante Straßenumbauten nutzen, um dann auch die Haltestellen in dem Bereich neu zu gestalten. Das hat sie an einigen Stellen schon getan, zum Beispiel bei der Straße „Am Römerberg“ in Oberaden, an der vier Haltestellen im Zuge von Straßenbaumaßnahmen neu gestaltet wurden.

In Oberaden steht die Stadt vor dem zusätzlichen Problem, dass die Jahnstraße als Hauptverkehrsachse ohnehin umgestaltet werden soll. Damit muss sie aber warten, bis die L 821n fertig ist. „Es ist nicht sehr sinnvoll, jetzt Bushaltestellen umzubauen, die wir wahrscheinlich erneut umbauen müssen, wenn wir die Straße neu gestalten“, macht Reichling deutlich.

Nicht in allen Bereichen ist übrigens die Stadt zuständig. Außerhalb der Ortslagen muss der zuständige Straßenbaulastträger die Haltestellen umbauen. Das sind oft der Kreis oder der Landesbetrieb Straßen.NRW. Was sich außerhalb der Ortslage befindet ist übrigens nicht vom Ortseingangsschild abhängig.

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