An die ersten Entwürfe für die IGA 2027 müssen sich die Bergkamener erst gewöhnen. Sie sehen unter anderem eine große rote Figur statt des Lichtkunstwerks auf der Haldenspitze vor.

Bergkamen

, 07.11.2018, 15:43 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für Manfred Karsch vom Berliner Büro „Landschaft Planen und Bauen“ sind die beiden Teile des sogenannten „Zukunftsgartens Bergkamen-Lünen“ im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027 so etwas wie das chinesische Ying und Yang – zwei Teile, die gegensätzlich sind, aber trotzdem eine Einheit bilden. „Landschaft in Bewegung“ soll das Motto des Zukunftsgartens sein – und das will Karsch in Bergkamen und Lünen unterschiedlich umsetzen.

Der rote Mann grüßt von der Halde Großes Holz

Die Grafik zeigt das Konzept für die IGA: Erholsame Bewegung in Lünen (grün) und aktiver Sport in Bergkamen (rot) mit dem Kanal als Bindeglied. © RVR / Büro Landschaft Planen+Bau

Aktiv und entspannt

Das Motto in Lünen soll lauten „bewegt entspannt“ und in Bergkamen „hoch aktiv“. Um es anders zu formulieren: In Lünen soll mehr die entspannte Erholung im Vordergrund stehen und in Bergkamen die aktiven, zum Teil auch sportlichen Freizeitangebote. Das sollen auch zwei große Figuren symbolisieren, die Karsch auf der Halde Großes Holz in Bergkamen und Victoria in Lünen platzieren will. In Lünen soll sie grün und in Bergkamen rot sein. Sie sollen so groß sein, dass sie schon von Weitem zu sehen sind. „Wer auf der Autobahn vorbeifährt, soll sich fragen, was sie bedeuten und im Internet nachschauen“, sagte Karsch, als er sein Konzept in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses vorstellte.

Für Karsch sollen die große rote Figur nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ei Marketinginstrument sein. Er hält nichts von den Plänen des Regionalverbands Ruhr (RVR), die Besucher vom zahlungspflichtigen IGA-Schwerpunkt „Emscher Nordwärts“ in Dortmund auch noch in den kostenlos zu betrachtenden Zukunftsgarten nach Bergkamen zu locken. Wer nur für einen Tag zur IGA kommt, fahre nicht auch noch nach Lünen und Bergkamen weiter, argumentierte er. „Wir müssen Leute anziehen, die nur nach Bergkamen und Lünen wollen.“

Der rote Mann grüßt von der Halde Großes Holz

Das Lichtkunstwerk „Impuls Bergkamen“ steht auf der Spitze der Halde Großes Holz © Stefan Milk

„Stänglein“ auf der Haldenspitze

Das Lichtkunstwerk der Gebrüder Löbbert „Impuls Bergkamen“, das jetzt auf der Haldenspitze steht, hält der Berliner Planer für nicht geeignet, als Symbol für die IGA zu dienen. Ein wenig despektierlich bezeichnete er es als „dünnes Stänglein“, das bei Tageslicht gar nicht und bei Dunkelheit nicht besonders weit wahrnehmbar sei.

Auch bei weiteren Überlegungen des Planers spielten die Wünsche der Stadt wie die Brücke von der Marina Nord oder ein Bahnanschluss keine so große Rolle, dass er sie erwähnte. Karsch hat stattdessen ganz andere Vorstellungen von Mobilität im Rahmen des IGA-Schwerpunkts Bergkamen-Lünen: Er setzt auf den „autonomen“ Transport zu Wasser und zu Lande: Wassertaxis, die eigenständig über den Kanal fahren und Fahrzeuge, die Besucher selbsttätig an die gewünschten Orte bringen – zum Beispiel auf die Halde.

Der rote Mann grüßt von der Halde Großes Holz

Eine Seilbahn und möglicherweise eine Hängebrücke sollen auf der Halde gebaut werden. Besucher können dann über dem Kanalband schweben. © Stefan Milk

Seibahn und Brücke

Dorthin sollen sie Attraktionen locken wie eine Drahtseilbahn, mit der sie über das Gelände schweben können oder eine Hängebrücke. Geplant sind ein Besucherzentrum auf der Halde mit Gastronomie und eine Allee entlang des Kanals, die von der Marina in Rünthe bis zum Preußenhafen in Lünen reichen soll. Auch bei den beiden entgegengesetzten Enden will er seine Rot-Grün-Idee aufgreifen: Es soll grüne und rote Wasserspiele geben.

Karsch mahnte, sich schon Gedanken um die Umsetzung zu machen. Die RAG müsse die Pläne bei den Schüttungen auf der Halde berücksichtigen. „Es bringt nichts, wenn dort eine gleichförmige Landschaft mit Wald entsteht – ohne dass Besucher etwas sehen können“, sagte er.

Horst Fischer, der Projektleiter für die IGA beim RVR benannte auch die Kosten, um das IGA-Konzept umzusetzen. Er geht von etwa elf Millionen Euro für jeden der beiden Standorte in Bergkamen und Lünen aus. Den größten Teil hofft der RVR über Fördermittel des Landes zu finanzieren. Karsch machte eine zusätzliche Rechnung auf: Er sprach von etwa elf Millionen Euro für die „Must-Have“-Elemente für den IGA-Schwerpunkt und etwa 1,3 Millionen Euro für die „Nice-to-Have“-Projekte. Das sind die Elemente, die nicht unbedingt erforderlich sind, aber so etwas wie der Zuckerguss auf der Torte wären.“

Der rote Mann grüßt von der Halde Großes Holz

Die Halde Großes Holz soll ein zentrales Element der IGA in Bergkamen und Lünen werden. Planer Karsch will mehr als nur ein Waldlandschaft. © Stefan Milk

Entwurf als Diskussionsgrundlage

Die Vorstellungen von Planer Manfred Karsch für die Halde werden voraussichtlich noch zu längeren Diskussionen in Bergkamen führen. Ratsmitglied Harald Sparringa (Grüne) fragte bei Karsch vorsichtshalber schon einmal an, ob die Figur auf der Halde tatsächlich besser wahrgenommen werde, als das pulsierende Licht von „Impuls Bergkamen“. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Heinzel erkundigte sich, welche Mitwirkungsmöglichkeiten die Kommunalpolitik hat.

Der Beigeordnete Marc Alexander Ulrich, der den Baudezernenten im Ausschuss vertrat, geht jedenfalls davon aus, dass es sich bei den Entwürfen von Karsch erst einmal um Ideen handelt, deren Umsetzung noch diskutiert werden muss. „Wir müssen prüfen, ob es überhaupt möglich ist, die Lichtkunst auf der Halde zu verändern“, sagte er. Er hält auch Gespräche mit den Brüdern Löbbert für erforderlich, die das Lichtkunstwerk geschaffen haben und die Urheberrechte besitzen. Ob und in welcher Form die Lichtkunst auf der Haldenspitze verändert oder ersetzt wird, müsse der Bergkamener Kulturausschuss entscheiden, erklärte der Beigeordnete, der unter anderem auch Kulturdezernent der Stadt ist. Er habe aus der Sitzung den Prüfauftrag mitgenommen, diese Dinge zu klären, sagte er.

Dazu gehören auch technische Fragen. Es ist beispielsweise nicht einfach, wegen des Untergrunds Fundamente in die Halde einzulassen, die eine große Figur tragen.

Grundsätzlich begrüßte der Beigeordnete, dass Karsch die Diskussion um die IGA in Bergkamen in Gang gebracht hat. Er geht davon aus, dass schon bald die Weichen für viele der IGA-Projekte gestellt werden müssen – unter anderem, indem sie bei weiteren Schüttungen auf der Halde berücksichtigt werden. Außerdem könnten die meisten Projekte nicht erst 2027 zum Beginn der IGA fertiggestellt werden. Bäume müssten zum Beispiel deutlich früher gepflanzt werden.

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