Der Romberger Wald soll Naturschutzgebiet werden – kann es aber noch nicht

dzKompliziertes Planungsrecht

Eigentlich soll der Romberger Wald zwischen Industriestraße und A1 zum Naturschutzgebiet werden. Das geht noch nicht. Trotzdem achtet der Kreis Unna darauf, dass das Natur-Kleinod erhalten bleibt.

Bergkamen

, 08.06.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als es vor Jahren die Diskussion gab, im Romberger Wald verkehrstechnisch günstig den sogenannten „Dino-Park“ einzurichten, schob der damalige NRW-Umweltminister den Plänen einen Riegel vor. Das Waldgebiet, das zwischen der Industriestraße mit dem Gewerbepark Rünthe, der Autobahn A1 und der Bahnlinie liegt, sei ökologisch so wertvoll, dass es Naturschutzgebiet werden muss, hieß es damals aus Düsseldorf.

Das ist bis heute nicht geschehen – und zwar aus recht komplizierten planungsrechtlichen Gründen, wie Peter Driesch erläutert. Nach Angaben des Fachbereichsleiter „Natur und Umwelt“ im Kreis Unna müsste der Romberger Wald im Landschaftsplan Bergkamen-Werne als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Ohne weiteres geht das nur bei Flächen, die bis zu zehn Hektar groß sind. Der Romberger Wald ist aber größer.

Entlang der Bever konnten sich die Pflanzengesellschaften ungestört entwickeln.

Entlang der Bever konnten sich die Pflanzengesellschaften ungestört entwickeln. © Stefan Milk

Der neue Regionalplan fehlt noch

Bei so großen Flächen ist eine Ausweisung im übergeordneten Regionalplan die Voraussetzung dafür, dass die Fläche im Landschaftsplan werden kann. Da beginnt das Dilemma des Kreises: Es lohnt sich nicht mehr, den alten Regionalplan zu ändern, weil der Regionalverband Ruhr bereits einen neuen aufstellt. Der sollte eigentlich spätestens bis zu den Kommunalwahlen rechtskräftig sein.

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Damit ist der RVR jedoch gescheitert. Das hat sogar RVR-Dezernent Martin Tönnes das Amt gekostet – übrigens ein Verfechter der Naturschutz-Ausweisung. Wann das Ruhrparlament den Plan jetzt endgültig beschließt, lässt sich nicht sagen. Driesch fürchtet, dass eine neue Mehrheit im Ruhr-Parlament das Regionalplanverfahren noch einmal ganz neu aufrollen könnte. Das würde noch mehr Zeitverzug bedeuten.

Regionalverband Ruhr ist seit einiger Zeit Eigentümer

Der Fachbereichsleiter fürchtet aber nicht, dass irgendjemand die lange Zeit nutzen könnte, das Gebiet zu stören oder sogar zu zerstören. „Wir haben einige Instrumente, um das zu verhindern“, versichert Driesch. Er geht aber auch davon aus, dass der derzeitige Eigentümer des Romberger Waldes keinerlei Absichten hat, das angehende Naturschutzgebiet zu zerstören. Es handelt sich um den Regionalverband Ruhr selbst.

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Er ist auch Eigentümer des Naturschutzgebiets Beversee und eines großen Teils der Halde in Bergkamen. Der Verband habe den Romberger Wald allerdings nicht gezielt gekauft, um ihn zu schützen. Er war Teil eines ganzen Pakets von Waldflächen, die der RVR schon vor einiger Zeit von der RAG gekauft hat.

Der Wald wurde vom früheren Eigentümer, der RAG, kaum bewirtschaftet. Deshalb ist er besonders artenreich.

Der Wald wurde vom früheren Eigentümer, der RAG, kaum bewirtschaftet. Deshalb ist er besonders artenreich. © Stefan Milk

Voreigentümer RAG hat den Wald kaum bewirtschaftet

Ausgerechnet der Bergbaugesellschaft ist es übrigens zu verdanken, dass sich der Romberger Wald so entwickelt hat, dass er unter Naturschutz gestellt werden soll. Die RAG als Eigentümerin der Fläche hatte wenig Interesse daran, den Wald zu bewirtschaften, wie Driesch sagt. Das führte dazu, dass er sich in großen Teilen einfach entwickeln konnte, ohne dass Menschen eingriffen.

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Es gibt im Wald zum Beispiel viel Totholz aus abgestorbenen Bäumen, das jetzt Lebensraum für Insekten ist. Am Ufer des Beverbachs, der durch den Wald führt, konnten sich ungestört Pflanzengesellschaften entwickeln, die so nur selten zu finden sind.

Der Wald ist so naturbelassen und abwechslungsreich, dass Driesch kaum den Bedarf sieht, einzugreifen. Denkbar ist allenfalls, die Spaziergänger an der einen oder anderen Stelle so durch den Romberger Wald zu lenken, dass sich die Natur weiter ungestört entwickeln kann.

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