Der Rock ´n´ Roll ist weiblich - zumindest für einen Abend

dzGrand Jam

Aller guten Dinge sind manchmal zwei: Bei ihrem zweiten Konzert in Bergkamen bieten die „Silverettes“ einen mitreißenden Abend und zeigen, dass sie mehr können als Rockabilly.

Bergkamen

, 10.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Der erste Auftritt der „Silverettes“ in Bergkamen stand unter keinem guten Stern. Sie traten am 25. Mai 2013 beim Grand-Jam-Open-Air als einer von mehreren Acts auf. Pech, dass sich zum Champions-League-Endspiel an diesem Tag ausgerechnet Borussia Dortmund und Bayern München qualifiziert hatten. Glück mit dem Wetter hatte das Trio ebenfalls nicht. Wegen drohenden Regens wurde das Open Air zum Indoor-Festival, damals noch in der Ökostation in Heil.

Beim zweiten Anlauf war alles besser: Der Parkplatz an der „Taverne Thorheim“ war recht voll, ebenso wie der Saal im ehemaligen Haus Schmülling - und für die Stimmung sorgten die drei Damen mit ihrer dreiköpfigen Begleitband schon vom ersten Takt an selbst.

Vorbild Elvis

Das Trio aus Bielefeld, dass sich Rockabilly und Rock ´n´ Roll verschrieben hat nennt unter anderem Johnny Burnette und Elvis als Vorbilder. Trotzdem beweisen die Sängerinnen, dass ihr Reperoire durchaus größer ist - auch wenn sie sich optisch ganz im Stil der 50er Jahre präsentierten, mit roten Haarbänden, knallrot geschminkten Lippen und dunkelblauen Kleidern mit roten Knöpfen im Stil der 50er. Trotz dieses Outfits erwiesen sich die Silverettes als alles andere als brav. Sie boten schnellen Rock ´n´Roll, bei dem bei viele Zuschauern das Bein zuckte oder bei dem sie den Rhythmus auf dem Tisch mittrommelten und Gitarrenrock mit weiblichem Anteil. Hinzu kamen ungewöhnliche Interpretationen von Rock-Klassikern wie „What About Love“ - ein eigentlich schnelles Stück, das die Sängerinnen in einem fast sakralen Chorgesang vortrugen.

Große Stimmen auch solo

Bei viele Stücken bewiesen die Sängerinnen, dass sie nicht nur als Gruppe mit mehrstimmigem Gesang überzeugen können, sondern auch solo. Nina Kappeler erwies sich bei „Have Love“ als echte Rockröhre. Auch Janina Ruopp überzeugte mit ihrer Stimme. Vor allem bei Irina Langenstein kamen echte Entertainerqualitäten dazu. Sie schaffte es, das Bergkamener Publikum zumindest am Ende des Konzertst von den bequemen Sitzen zu bekommen -inklusive eines Selfies mit dem Trio im Vordergrund und dem Publikum mit erhobenen Händen im Hintergrund. Die Begleitband der Silverettes agierte zwar auch räumlich im Hintergrund der Sängerinnen, schaffte es aber immer wieder sich in den Vordergrund zu spielen. Besonders Andy Bach an der Gitarre übernahm immer wieder einmal das Kommando auf der Bühne, unterstützt von Bernhard Weichinger am Schlagzeug und Christoph Herder am treibenden Bass.

„Schickt die Jungs nach Hause“

Unmittelbar nach der Pause kamen die Sängerinnen für drei Stücke ohne die Begleitband auf die Bühne und spielten selbst Instrumente. „Schickt die Jungs nach Hause“, rief ein Zuschauer spontan aus - was wohl nicht nur als Scherz, sondern auch als Anerkennung für die Qualität der drei Sängerinnen zu verstehen ist. Ohne Fußball war es auf jeden Fall ein mitreißender musikalischer Abend.

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