Der Pfarrer predigt nicht, sondern spielt Pop-Songs

dzPop-Andacht

Eigentlich spielt der Gitarrenkreis der Martin-Luther-Gemeinde ja nur deutsche Kirchenlieder. Aber seine Botschaften lassen sich auch mithilfe von Pop-Musik übermitteln.

von Sharin Leitheiser

Rünthe

, 22.10.2018, 11:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit „Sting“, den „Traveling Wilburys“ und „Kansas“ bot Pfarrer Reinhard Chudaska seiner Gemeinde am Wochenende einen Gottesdienst der besonderen Art. Seine zweite Popandacht in der Christuskirche widmete er dem Thema „Vorsicht – zerbrechlich“.

Nach einem letzten Soundcheck mit dem Gitarrenkreis war Chudaska bereit – nur stand er nicht wie sonst im Talar vor den Gemeindemitgliedern, sondern saß im Anzug und mit Gitarre auf dem Schoß auf einer der Kirchenbänke. „Wir sind keine Coverband und normalerweise spielen wir nur deutsche Kirchenlieder. Aber es geht auch nicht um einen perfekten Auftritt, sondern um die Bedeutung der Lieder“, erläuterte der Geistliche vorab. Die Menschen seien nicht immer so stark, wie sie meinen. Diese Aussage liegen allen drei Songs des Abends – „Fragile“, „Handle with Care“ und „Dust in the Wind“ – zu Grunde.

„Ich versuche hier nicht, Lieder fromm zu machen“, stellte Chudaska klar. Stattdessen wolle er sie zusammen mit der Gemeinde singen, übersetzen und verstehen. Eine richtige Predigt hatte Chudaska deshalb auch nicht vorbereitet. Vielmehr streute er kurze Mini-Predigten als Einleitungen zu den Songs in seinen Gottesdienst ein. So sei „Fragile“ von Sting zwar ursprünglich als Nachruf auf die Ermordung eines amerikanischen Ingenieurs komponiert worden. „Aber Gordon Sumner hat dem Song 2016 noch einmal eine ganz neue Dimension verliehen, als er ihn nach den Pariser Anschlägen im ‚Bataclan‘ aufgeführt hat.“ Zeilen wie „Und der Regen wird uns daran erinnern, wie zerbrechlich wir doch sind“, hätten den Menschen Trost gespendet.

Gleiches gelte für den Pop-Klassiker „Handle with Care“, das der ehemalige Beatles-Gitarrist George Harrison im Jahr 1988 für die „Traveling Wilburys“ schrieb. „John Lennon hatte damals einen Shitstorm mit seiner Aussage ausgelöst, er sei berühmter als Gott“, erinnerte Pfarrer Chudaska. Daraufhin habe sich George Harrison komplett zurückgezogen und schließlich diesen Song komponiert.

Auch massentaugliche Lieder aus dem Radio können wichtige Botschaften übermitteln – das bewies Chudaskas Popandacht nur zu gut. Die nächste Auflage des modernen Formats sei bereits geplant, verriet er.

Titelgebend ist beim nächsten Mal „In the Ghetto“ von Elvis. „Im Original heißt es dort ‚As the snow flies on a cold and gray Chicago morning, a poor little baby child is born‘“, so Chudaska. Er wolle anhand dieser Zeilen daran erinnern, „dass in Bethlehem auch ein Kind geboren worden ist.“

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