Der letzte Förderturm in Oberaden hat nur noch gut ein Jahr bis zum Abriss

dzBergbau

Oberaden verliert in gut einem Jahr sein letztes großes Bergbau-Wahrzeichen, den Förderturm auf Haus Aden. Er bekommt einen Nachfolger und der soll ebenfalls an den Bergbau erinnern.

Bergkamen

, 18.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Tage des letzte Oberadener Förderturms sind gezählt. Die Oberadener haben nur noch ein gutes Jahr etwas von diesem letzten großen Bergbau-Wahrzeichen in ihrem Stadtteil. Die RAG plant den Abriss fast unmittelbar nach dem Ende der Schachtverfüllung, wie RAG-Sprecher Christof Beike auf Anfrage mitteilt. Die Arbeiten am Schacht Haus Aden 2 sollen Ende 2020 beendet sein. Der Abriss des Förderturms soll Ende des 1. Quartals 2021 beginnen, also wahrscheinlich Ende März.

Förderturm muss Platz für neues „technisches Bauwerk“ machen

Die RAG reißt den Förderturm nicht nur ab, weil sie ihn nicht mehr benötigt und die Unterhaltungskosten hoch sind. Er muss auch Platz für ein neues sogenanntes „technisches Bauwerk“ machen. Dieses Bauwerk ist notwendig, um die Tauchpumpen einzuhängen, mit denen die RAG künftig die Wasserhaltung auf der ehemaligen Zeche Haus Aden betreiben will. Die Pumpen sollen durch sogenannte „Hüllrohre“, die in den verfüllten Schacht eingebaut werden, nach unten gelassen werden. Für Wartungs- und Reparaturarbeiten zieht die RAG sie wieder nach oben.

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Das dafür erforderliche Bauwerk soll etwa zwölf Meter hoch werden. Das ist zwar nicht so hoch wie der Förderturm, soll aber immerhin so hoch werden, wie die Querstrebe des Turms unterhalb der Förderräder.

Die Zeche Haus Aden kurz nach der Stilllegung. Noch vor etwa 15 Jahren dominierte sie das Stadtbild von Bergkamen-Oberaden. Links ist der noch vorhandene Förderturm zu sehen.

Die Zeche Haus Aden kurz nach der Stilllegung. Noch vor etwa 15 Jahren dominierte sie das Stadtbild. Links ist der noch vorhandene Förderturm zu sehen. © Milk (Archiv)

RAG muss ab Mitte 2023 wieder pumpen

Bis das Bauwerk fertig sein muss, vergeht noch einige Zeit. Die Tauchpumpen müssen spätestens Mitte 2023 betriebsbereit sein. Die RAG erwartet, dass der Grubenwasserspiegel bis dahin auf 600 Meter unter der Erdoberfläche angestiegen ist. Die RAG hat die Erlaubnis dafür vor einiger Zeit bekommen und pumpt seitdem nicht mehr auf Haus Aden.

Wie teuer das technische Bauwerk wird, konnte Beike noch nicht sagen. „Die Kosten für das reine Funktionsgebäude sind noch nicht abschätzbar, da noch keine Detailplanung vorliegt“, teilte Beike mit. An dieser Planung arbeitet die RAG zurzeit noch.

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Sicher ist allerdings, dass sich die Stadt Bergkamen an der Gestaltung des Bauwerks beteiligen will. Der Schacht befindet sich in der geplanten Wasserstadt Aden. Das neue Bauwerk soll deshalb attraktiv und so gestaltet werden, dass sie an den Bergbau erinnert.

Stadt beantragt Fördermittel zur Gestaltung

Der Stadtentwicklungsausschuss stimmte in seiner letzten Sitzung dafür, Fördermittel aus dem Fördertopf „Nationales Projekt des Städtebaus“ der Bundesregierung zu beantragen. Mithilfe dieser Fördermittel soll die Gestaltung des Bauwerks unter dem Titel „Aus der Tiefe in die Höhe“ finanziert werden.

Die Stadt geht von knapp 2,2 Millionen Euro Kosten aus. Davon würde die Förderung etwa 1,45 Millionen ausmachen. Die Stadt müsste etwa 720.000 Euro aus eigenen Mitteln aufbringen.

Die RAG pumpt über den Schacht 2 auf der ehemaligen Zeche Haus Aden Grubenwasser in die Lippe ab. Zurzeit lässt sie das Grubenwasser von über 1000 Metern Tiefe auf 600 Meter unter der Erdoberfläche steigen. Daran gibt es massive Kritik.

Die RAG pumpt über den Schacht 2 auf der ehemaligen Zeche Haus Aden Grubenwasser in die Lippe ab. Zurzeit lässt sie das Grubenwasser von über 1000 Metern Tiefe auf 600 Meter unter der Erdoberfläche steigen. Daran gibt es massive Kritik. © Archiv

Kritik am Anstieg des Grubenwassers

Der Ausschuss stimmte jedoch nicht einstimmig zu. Die Grünen stimmten zwar zu, den Förderantrag zu stellen. Sie machten aber deutlich, dass sie damit nicht dem Ansteigen des Grubenwasserspiegels zustimmen.

Kritiker befürchten unter anderem, dass das Grubenwasser in Kontakt zum Grundwasser kommen kann und dass Giftstoffe, die unter Tage eingelagert wurde, ausgespült werden könnten.

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Werner Engelhardt von der Fraktion BergAUF stimmte deshalb sogar gegen den Vorschlag der Stadtverwaltung. Er nannte die Grubenwasserhaltung mit Tauchpumpen „Brunnenförderung“ und verlangte, die Grubenwasserhaltung wieder fest unter Tage installierten Pumpen zu betreiben – und den Grubenwasserspiegel nicht weiter ansteigen zu lassen.

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