Vor Kurzem schien in der Sache der geräumten Häuser an der Töddinghauser Straße Harmonie zwischen den Beteiligten zu herrschen. Die ist dahin, Eigentümer-Vertreter und Behörden liegen im Clinch.

Bergkamen

, 25.07.2019, 15:06 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der vergangenen Woche sah es in Sachen der geräumten Häuser an der Töddinghauser Straße noch so aus, als würden alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Inzwischen ist die Harmonie dahin und es zeichnet sich ein Konflikt ab. Dessen Linien verlaufen offenkundig in erster Linie zwischen den Behörden, vor allem der Stadt Bergkamen, und dem Brandschutzgutachter Thomas Albrecht, der im Auftrag der Eigentümer der Wohnungen in den Häusern arbeitet.

Einvernehmen beim Treffen

Unstrittig ist: Am Montag, 15. Juli, gab es ein mehrstündiges Treffen im Bergkamener Rathaus, bei dem Behördenvertreter und Albrecht an einem Tisch saßen. Albrecht kündigte an, ein Gutachten zur Sanierung der Brandschutzmängel in den Gebäuden vorzulegen, damit die Bewohner so bald wie möglich zurückkehren können. Die Behörden sagten zu, es schnell und wohlwollend zu prüfen. In der vergangenen Woche hat Albrecht dann auch einen schriftlichen Entwurf eingereicht. Das bestätigte der Erste Beigeordnete der Stadt Bergkamen, Dr. Hans-Joachim Peters. Allerdings seien die Behörden zu der Ansicht gekommen, dass das Sanierungsgutachten in dieser Form nicht genehmigungsfähig sei, sagte Peters: „Es muss noch nachgebessert werden.“ Das sei nicht nur Einschätzung der Fachleute aus dem städtischen Bauordnungsamt, sondern auch der Brandschutzstelle des Kreises Unna. Deren einziger Mitarbeiter ist zwar wie berichtet, derzeit im Urlaub. Laut Peters hat er aber zuvor noch eine Bewertung zu dem Gutachtenentwurf von Albrecht abgegeben. Diese Information allerdings hatte die Pressestelle des Kreises Unna nicht weitergegeben, als sie am Mittwoch eine Anfrage unserer Redaktion beantwortete.

Geräumte Häuser: Gutachter und Behörden steuern auf Konflikt zu

Gutachter Thomas Albrecht ist der Auffassung, dass sich der Brandschutz mit vergleichsweise geringem Aufwand herstellen lässt. © Michael Dörlemann


Die Stadt Bergkamen ist „Bündelungsbehörde“

Auch wenn die Federführung in dem Verfahren bei der Stadt Bergkamen liegt, hält Peters vor allem das fachliche Urteil der Brandschutzstelle beim Kreis Unna für ausschlaggebend: „Wir sind die Bündelungsbehörde.“

Gutachter Albrecht wiederum hat nicht die Absicht, sein Sanierungsgutachten zu ergänzen. Er argumentiert, dass sich seine Sanierungsvorschläge ausschließlich auf die Brandschutz-Mängel beziehen, die in der ordnungsrechtlichen Verfügung der Stadt vom 15. Mai aufgelistet sind. Sie bildete die juristische Grundlage für die Räumung der Häuser. „Alle Mängel, die nicht in der Verfügung aufgeführt sind, existieren für mich nicht“, sagte Albrecht.

Gutacher sieht vergleichsweise geringen Aufwand

Er vertritt die Ansicht, dass sich ein ausreichender Brandschutz für die Häuser mit vergleichsweise geringem Aufwand herstellen ließe. Zumindest wenn man den Standard von 1973 zugrunde lege, dem Jahr, in dem die Gebäude errichtet wurden. Die Behörden hingegen verlangten dass die Brandschutz-Ansprüche für einen Neubau gelten müssten sagt Albrecht: „Wenn man das als Maßstab nimmt, müsste man ziemlich viele Bestandsbauten räumen.

Geräumte Häuser: Gutachter und Behörden steuern auf Konflikt zu

Die Häuser wurden im Mai geräumt und sind seitdem abgesperrt. © Michael Dörlemann


Angeblich gab es schon einen Ortstermin

Albrecht behauptet, bei dem Treffen am 15. Juli sei sogar schon ein Ortstermin Anfang August festgelegt worden, bei dem die Rückkehr der Bewohner verkündet werden sollte. Peters bestätigte, dass man einen Termin ins Auge gefasst habe. Aber eben nur unter der Voraussetzung, dass ein genehmigungsfähiges Sanierungsgutachten vorliege: „Das ist nicht der Fall.“ Zudem verstricken sich die beiden Männer noch in Nebenkriegsschauplätze. Peters stellt die Qualifikation von Albrecht in Frage, weil der ihm bisher keine Referenzen vorgelegt habe. Albrecht betont, kein staatlich anerkannter Brandschutzsachverständiger zu sein, weil es diese Bezeichnung erst seit dem Jahr 2000 gebe. Im Gegenzug beklagt der Gutachter, dass ihm die Stadt die Akteneinsicht verweigere. Die Anfrage sei erst vor kurzem eingegangen und werde beizeiten beantwortet.

Womöglich müssen Richter entscheiden

Albrechts Strategie, für die er sich in dieser Woche nach eigenen Angaben Rückdeckung bei einer Eigentümer-Versammlung geholt hatte, läuft möglicherweise darauf hinaus, dass die Sache vor Gericht geht. Der Anwalt André Picker aus Witten, der die Anwohner seit der Versammlung vertritt, hatte beklagt, dass der Rechtsvertreter der ehemaligen Hausverwaltung einen fristgerechten Widerspruch gegen die ordnungsrechtliche Verfügung versäumt habe. Albrecht ist offenbar der Auffassung, dass die Verfügung einer Überprüfung durch ein Verwaltungsgericht nicht standhält. Er stützt diese Ansicht auf ein Rechtsgutachten, den „eine namhafte Anwaltskanzlei“ erstellt habe. Den Namen wollte er nicht nennen.

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