Der Förster macht das Lüttke Holz schön und fit für den Klimawandel

dzAufforstung

Revierförster Oliver Stenzel-Franken gestaltet das Lüttke Holz zum Stadtwald um – und macht den Wald fit für den Klimawandel. Gefragt sind robuste Bäume, die Trockenheit und Stürmen trotzen.

Bergkamen

, 22.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer aufmerksam durch den Wald geht, sieht, dass sich das Lüttke Holz in den kommenden Jahren verändert: Auf einer großen Lichtung neben dem Wander- und Radweg von der Erich-Ollenhauer-Straße in Richtung Pantenweg stehen tausende neue Setzlinge. Wer vorbei kommt, muss allerdings schon etwas näher herangehen, um die dünnen Stengel zu sehen. Ohne Laub fallen sie auf einige Meter Entfernung kaum auf.

RVR pflanzt auch Esskastanien an den Waldrand

Wenn das Frühjahr kommt und die jungen Bäume austreiben, können Pflanzenkundige sehen, was Revierförster Oliver Stenzel-Franken vom Regionalverband Ruhr (RVR) für die Fläche ausgewählt hat: Auf der Fläche sollen Stieleichen und Hainbuchen wachsen, zwei Baumarten, die in Bergkamen und Umgebung auch natürlich vorkommen.

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Hinzu kommen zwei weitere Baumarten, die eher ungewöhnlich sind: Die RVR-Mitarbeiter haben Flatterulmen gepflanzt, die besonders gut auf feuchten Flächen gedeihen, von denen es im Lüttke Holz einige gibt. Außerdem sollen am Rand der Fläche Esskastanien wachsen, übrigens der Baum des Jahres 2018.

Wer will, kann sich einige der Früchte mit nach Hause nehmen und rösten – eine besondere Köstlichkeit im Herbst und Winter.

Auf der Aufforstungsfläche am Wander- und Radweg in der Nähe der Erich-Ollenhauer-Straße, liegt noch der Stamm eines gefällten Baums. Auf der Fläche, auf der vorher Schwarzpappeln standen hat der RVR Setzlinge von unterschiedlichen Baumarten gepflanzt.

Auf der Aufforstungsfläche am Wander- und Radweg in der Nähe der Erich-Ollenhauer-Straße, liegt noch der Stamm eines gefällten Baums. Auf der Fläche, auf der vorher Schwarzpappeln standen hat der RVR Setzlinge von unterschiedlichen Baumarten gepflanzt. © Stefan Milk

Schwarzpappeln und Fichten sind eingegangen

Als der RVR den Wald vor einigen Jahren von der RAG übernommen hat, wuchsen auf der Fläche noch Schwarzpappeln. Die Baumart hat den Nachteil, dass sie nicht sehr alt wird und und auch nicht sehr widerstandsfähig ist. Viele der Bäume, die mittlerweile gefällt sind, waren schon eingegangen. Die früheren Bergbau-Unternehmen haben sie aber gerne in ihren Wäldern gepflanzt, wohl weil sie schnell wächst.

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Bei den rund 2500 Bäumen, die Stenzel-Franken auf der Fläche pflanzen lassen hat, ist das anders. Er hat sie danach ausgewählt, dass sie auch in Zeiten des Klimawandels im Wald gut zurecht kommen – und nach Schönheit. Anders als im Beverseegebiet, das ein Naturschutzgebiet ist, will der Förster dem Betrachter im Lüttke Holz auch etwas bieten. „Das ist ein Stadtwald und da ist das auch zulässig“, sagt er.

Auf der Fläche sollen jetzt Stieleichen, Hainbuchen und Flatterulmen wachsen. Am Rand sollen Esskastanien die Spaziergänger erfreuen.

Auf der Fläche sollen jetzt Stieleichen, Hainbuchen und Flatterulmen wachsen. Am Rand sollen Esskastanien die Spaziergänger erfreuen. © Stefan Milk

Küstentannen für einen „dunklen Forst“

Das zeigt sich auch auf einer anderen Fläche näher an der ehemaligen Zeche Grimberg 3/4 und dem Kleiweg.

Zaun geplant

Rehe sind eine Gefahr für die jungen Bäume

Die jungen Bäume sind in der ersten Zeit noch gefährdet. Die Tiere, die im Wald leben, fressen sie ab. Vor allem der zu hohe Bestand an Schalenwild, wie der Fachbegriff für Rehe ist, macht dem Förster Sorgen. Sie fressen die Setzlinge ab. Erst wenn die jungen Bäume etwa eineinhalb bis zwei Meter hoch sind, werden sie für das Rehwild als Nahrung uninteressant. Um die Küstentannen will der RVR deshalb einen Zaun ziehen, um sie zu schützen, bis sie größer sind.

Dort pflanzt der RVR-Trupp gerade neue Bäume ein. „Dort, wo es hell ist, können wir Eichen pflanzen“, weist der Förster den Vorarbeiter Jan Nasaly an. An anderen Stellen soll es einen dunkleren Forst geben.

Auf einer größeren freien Stelle haben vorher Fichten gestanden. „Der dunkle Forst, das war von der Straße aus ein schöner Anblick“, findet Stenzel-Franken. Die Fichten aber sind Flachwurzler, die das Wasser nicht tief aus der Erde ziehen können. Sie sind im supertrockenen Sommer 2018 fast alle eingegangen – bis auf wenige hartnäckige Exemplare.

Der Förster lässt an ihrer Stelle nordamerikanische Küstentannen pflanzen. „Die haben Pfahlwurzeln, die tief hinabreichen und auch bei Trockenheit noch an Wasser kommen“, erklärt er. Neben den Eichen und den Tannen hat er auch noch Douglasien für die Fläche vorgesehen, ebenfalls ein Nadelbaum, der aus Nordamerika stammt.

Kein Klima mehr für Buchen

Den Buchen, die noch in der Umgebung wachsen, gibt Stenzel-Franken nur noch geringe Überlebenschancen. „Die mögen eigentlich regenreiche Sommer und kalte, schneereiche Winter – und beides haben wie hier kaum noch“, sagt er. Der Baum-Fachmann geht ohnehin davon aus, dass es gilt, von der einen oder anderen mitteleuropäischen Baumart Abschied zu nehmen. Gefragt sind Bäume, die mit dem Klimawandel zurechtkommen. Sie müssen auch Trockenheit überstehen, ohne einzugehen und Stürme, ohne gleich umzufallen.

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