Der erste Lärmaktionsplan blieb weitgehend wirkungslos – jetzt kommt der zweite

dzVerkehrslärm

Bergkamen bekommt einen neuen Lärmaktionsplan, weil der bisherige schon fast fünf Jahre alt ist. Erfolg hatte er praktisch nicht. Jetzt sollen noch mehr Straßen einbezogen werden.

Bergkamen

, 25.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als der Stadtrat dem Lärmaktionsplan im Mai 2015 beschlossen hat, gehörten neben den Autobahnen A1 und A2 nur wenige Straßen in der Stadt zu den Bereichen, mit denen sich der Plan befasst. Jetzt muss die Stadt einen neuen Plan aufstellen und es sollen noch einige Straßen neu hinzukommen.

In den Lärmaktionsplan werden nur Straßen aufgenommen, auf denen mehr als 8219 Fahrzeuge täglich unterwegs sind. Bisher waren das nur die beiden Autobahnen A1 und A2, die Werner Straße (B 233), die Lünener Straße (L 654), teile des Ostenhellwegs (L 736) und die Jahnstraße (L 821).

Neue Verkehrszählung ergibt neue Belastungszahlen

Mittlerweile, im Jahr 2015, hat es aber eine neue, bundesweite Verkehrszählung gegeben. Die hat ergeben, dass auch zwei weitere Straßenabschnitte über dem Grenzwert von 8219 Fahrzeugen täglich liegen: der Bereich Kampstraße/Schulstraße in Weddinghofen (L 664) und der Westenhellweg in Rünthe ( L 736).Der Entwurf des neuen Lärmaktionsplans steht auch bereits online zur Verfügung. Aus diesem Entwurf geht allerdings hervor, dass die Stadt mit den Maßnehmen, die sie 2015 vorgeschlagen hat, um Verkehrslärm zu reduzieren, wenig Erfolg hatte.

Der erste Lärmaktionsplan blieb weitgehend wirkungslos – jetzt kommt der zweite

Die Stadt hatte vorgeschlagen an der A 1-Auffahrt das Tempo nachts auf 100 km/h zu beschränken. Straßen.NRW sah keinen wesentlichen Effekt zur Lärmreduzierung. © Marcel Drawe

Nirgendwo ein Tempolimit, um Lärm zu reduzieren

Pech für die Stadt: Für alle Straßen, um die es ging, ist sie nicht selbst zuständig, sondern der Landesbetrieb Straßen.NRW als Straßenbaulastträger. Der zeigte wenig bis gar keine Neigung, auf Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen die Maßnahmen zu ergreifen, die von der Stadt vorgeschlagen wurden.

In fast allen Bereichen, zum Beispiel auf der A1 im Bereich der Anschlussstelle Hamm/Bergkamen und der Siedlung Rünthe-Ost, hielt Straßen.NRW eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht für machbar – oder war davon überzeugt, dass sie nur wenig Effekt hat. Die stereotype Antwort bei allen Anfragen: Geschwindigkeitsbegrenzungen aus Lärmschutzgründen hätten wenig Aussicht auf Erfolg.

Der erste Lärmaktionsplan blieb weitgehend wirkungslos – jetzt kommt der zweite

Über die Schulstraße kann die Stadt selbst bestimmen, wenn die L 821n fertig ist. © Marcel Drawe

Nächtliches Tempolimit abgelehnt

Auf der Autobahn hatte die Stadt zum Beispiel ein nächtliches Tempolimit von 100 km/h vorgeschlagen. Auf Bundes- und Landesstraßen lehnte der Landesbetrieb ebenfalls ein niedrigeres Tempolimit ab.

Auf andere Vorschläge der Stadt reagierte er nach Angaben des städtischen Planungsamtes noch nicht einmal. Dabei ging es beispielsweise um den Vorschlag, die Fahrbahn zu sanieren und auf der Werner Straße am Ortseingang von Rünthe Tempo-30-Piktogramme aufzubringen.

Der erste Lärmaktionsplan blieb weitgehend wirkungslos – jetzt kommt der zweite

Aus der Westenhellweg in Rünthe wird in den Lärmaktionsplan aufgenommen. Die Stadt regt an, schon vor dem Ortsschild das Tempo von 100 auf 70 zu reduzieren, damit Autofahrer nicht erst im Ort stark abbremsen. © Stefan Milk

Tempo 70 vor dem Ortseingang

Auch bei den beiden neuen Straßenzügen, die hinzukommen, schlägt die Stadt ein schärferes Tempolimit vor. Auf dem Westenhellweg soll im Anschluss an das Ortsschild zunächst Tempo 70 gelten, damit Autofahrer nicht erst im Ort von 100 auf 50 abbremsen oder schon vor dem Ortsschild beschleunigen.

Für den Straßenzug Kampstraße/Schulstraße halten die städtischen Planer ebenfalls Tempo 30 für vernünftig. Dort könnte die Forderung in einiger Zeit umgesetzt werden.

Das liegt aber nicht so sehr daran, dass sich Straßen.NRW einsichtig zeigen und von der bisherigen Linie abweichen könnte. Wenn die L 821n fertig ist, sollen die Schulstraße und die Kampstraße von Landes- zu Gemeindestraßen abgestuft werden. Dann ist die Stadt für sie zuständig und könnte ein Tempolimit selbst festlegen.

Bürger sollen übrigens auch ihre Meinung zum neuen Plan sagen können.

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