Der ehemalige Hauptfriedhof soll sich mehr und mehr in einen Park verwandeln

dzFreiraumkonzept

Die Stadt Bergkamen hat den Hauptfriedhof schon vor Jahren in „Parkfriedhof“ umbenannt. In Zukunft soll er sich den ersten Teil dieses Namens mehr und mehr verdienen.

Bergkamen

, 21.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als der neue Friedhof im Westen von Weddinghofen Ende der 70er Jahre angelegt wurde, bekam er den Namen „Hauptfriedhof“, denn er sollte spätestens ab 2011 alle Friedhöfe in den Bergkamener Stadtteilen ersetzen. Dazu ist es nie gekommen: Ein beträchtlicher Teil der Stadtteilfriedhöfe existiert immer noch und immer noch gibt es dort Bestattungen.

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Das ist aber nicht der einzige Grund, warum der „Hauptfriedhof“ letzten Endes zu viel groß geraten ist. Ein weiterer Grund ist, dass sich die Bestattungsriten in den vergangenen 40 Jahren deutlich geändert haben. Die Erdbestattung im Sarg, die Mitte der 70er Jahre noch Standard war, ist mittlerweile die Ausnahme. Eine Urnenbestattung ist mittlerweile die Regel – die schon allein weniger Platz in Anspruch nimmt.

Der ehemalige Hauptfriedhof soll sich mehr und mehr in einen Park verwandeln

Die Kolumbarien, in denen Urnen begesetzt werden, sind relativ neu auf dem Friedhof und bei Angehörigen sehr beliebt. © Stefan Milk

Das „Kolumbarium“ hat den Nerv der Zeit getroffen

Hinzu kommt, das eine Bestattungsform immer mehr in Mode kommt, die auf dem Friedhof noch recht neu ist und die noch weniger Platz benötigt: Mittlerweile möchten viele eine Bestattung in einem sogenannten „Kolumbarium“ – einer Wand mit verschlossenen Fächern, in denen die Urnen aufbewahrt werden. „Damit haben wir offenbar den Nerv der Zeit getroffen“, sagt Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters, der auch für die städtischen Friedhöfe zuständig ist.

Neue Bestattungsformen benötigen weniger Platz

Auch andere Bestattungsformen, die von der Stadt auf dem Friedhof angeboten und von vielen wahrgenommen werden, haben dazu geführt, dass für den Friedhof nicht mehr so viel Platz benötigt wird wie ursprünglich geplant. Mittlerweile gibt es laut der städtischen Homepage beispielsweise ein Aschestreufeld, Baumbeisetzungen und pflegefreie Rasengräber auf dem Friedhof.

Der ehemalige Hauptfriedhof soll sich mehr und mehr in einen Park verwandeln

Konventionelle Gräber und Gruften gibt es auf dem Friedhof mittlerweile immer weniger. © Stefan Milk

Reserveflächen sind überflüssig geworden

Der geringere Flächenbedarf durch die Stadtteilfriedhöfe und die neuen Bestattungsformen haben bei der Stadt schon vor einigen Jahren zu der Erkenntnis geführt, dass Reserveflächen nicht mehr benötigt werden. In Richtung Kuhbach beispielsweise ist auf einer Fläche, die als Erweiterung des Friedhofs gedacht war, ein Teil des Bergkamener Jubiläumswaldes gepflanzt worden.

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Mit dem noch verbliebenen Friedhof beschäftigen sich jetzt die Planer und die Politik. Der jüngste Jahresausflug per Rad führte den Ausschuss für Umwelt, Bauen und Verkehr auch auf den Parkfriedhof. Dort ging es unter anderem darum, den Park-Charakter des Friedhofs immer weiter auszubauen. „Erst im vergangenen Jahr haben wir den Anteil des Friedhofs, der als Park für die Allgemeinheit gedacht ist, noch einmal erhöht“, sagt Peters.

Teil des Freiraumkonzepts „Rand und Band“

Der Grundgedanke: Der Parkfriedhof soll nicht nur ein Ort für Bestattungen sein, sondern auch zu einer Art Stadtpark werden. Auch im Freiraumkonzept „Rand und Band“ das vor einigen Jahren aufgestellt wurde, ist der Friedhof auch als Park vorgesehen. Die Probleme mit dem geringeren Platzbedarf haben auch die evangelischen Kirchengemeinden, die Träger der Stadtteilfriedhöfe geworden sind. Artur Gallas, Baukirchmeister der Martin-Luther-Kirchengemeinde überlegt auch schon seit einiger Zeit, wie sich nicht mehr benötigte Flächen auf den Friedhöfen in Rünthe und Oberaden so gestalten lassen, dass sie kostengünstig gepflegt werden können.

Der ehemalige Hauptfriedhof soll sich mehr und mehr in einen Park verwandeln

Nur der Straßenname „Am Hauptfriedhof“ erinnert noch an die ursprünglichen Pläne der Stadt. Inzwischen ist der Parkfriedhof mehr und mehr auf dem Weg zu einem parkähnlichen Charakter. © Stefan Milk

Nur der Straßenname ist noch vom Hauptfriedhof geblieben

Peters meint auch heute noch, dass es eigentlich besser gewesen wäre, dem ursprünglichen Ratsbeschluss zu folgen. Er hatte vorgesehen, die Stadtteilfriedhöfe stillzulegen. Ab 2011 sollte es nur noch Bestattungen auf dem Hauptfriedhof geben.

Von dem ist allerdings nur noch der Straßenname geblieben. Die Stadt hatte zwar geplant, auch die Straße „Am Hauptfriedhof“ in „Am Parkfriedhof“ umzubenennen. Die Anwohner wehrten sich aber dagegen, weil es für sie mit großem Aufwand verbunden gewesen wäre, überall ihre neue Adresse bekannt zu geben, Papiere und Briefköpfe zu ändern. Und so bleibt es bei dem kleinen Bergkamener Paradoxon: Die Straße „Am Hauptfriedhof“ führt zum Parkfriedhof – und mehr und mehr auch zu einer Parkanlage.

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