Der beste Auszubildende kommt aus Bergkamen – und sucht sofort die nächste Herausforderung

dzZweirad-Mechatroniker

Tim Bretschneider war ein ungewöhnlicher Auszubildender: Der 23-Jährige hat die beste Gesellenprüfung als Zweirad-Mechatroniker landesweit abgelegt – und jetzt sofort die nächste Ausbildung angehängt.

Bergkamen

, 21.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tim Bretschneider ist für Manfred Goebert so etwas wie ein absoluter Glücksfall. Goebert, Inhaber des Motorrad Shop Bergkamen an der Marie-Curie-Straße in Rünthe, hatte eigentlich die Nase voll von Auszubildenden und Praktikanten. „Eigentlich wollte ich keinen mehr nehmen“, sagt er. Doch dann meldete sich Tim Bretschneider, der gerade sein Abitur an der Willy-Brandt-Gesamtschule gemacht hatte. Eigentlich hatte er überlegt Chemie zu studieren, passend zu seinen Leistungskursen Mathematik und Chemie. „Aber fünf Jahre studieren, das wollte ich doch nicht“, sagt er.

Stattdessen schaute er sich um, welcher Beruf ihm gefallen könnte, und kam auf Zweirad-Mechatroniker. Bei der Suche nach einem Ausbildungsbetrieb in der Nähe stieß der Overberger auf den Motorrad Shop – und dort bewarb er sich, obwohl er damals, 2017, weder einen Motorradführerschein noch ein Motorrad hatte.

Für seinen Chef Manfred Goebert ist sein ehemaliger Auszubildender ein echter Glücksfall. Er hofft, dass Tim Bretschneider ihn entlastet, sobald er seinen Meister gemacht hat.

Für seinen Chef Manfred Goebert ist sein ehemaliger Auszubildender ein echter Glücksfall. Er hofft, dass Tim Bretschneider ihn entlastet, sobald er seinen Meister gemacht hat. © Stefan Milk

Ausbildungsplatz nach zwei Wochen Probearbeit

Goebert ließ den jungen Mann erst einmal zwei Wochen zur Probe arbeiten – nicht nur weil er schlechte Erfahrungen gemacht hatte, sondern auch weil der neue Mitarbeiter ins Team passen sollte. „Alle, die hier arbeiten, sind auch meine Freunde“, sagt der Inhaber des Motorrad Shops, um seinem mittlerweile ehemaligen Auszubildenden gleich ein dickes Kompliment zu machen. „Ich hatte damals den Eindruck, dass das passt und das ist auch immer noch so“, sagt er.

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Ehemaliger Auszubildender ist der 23-Jährige, weil er mittlerweile die Gesellenprüfung abgelegt hat. Auch dabei erwies er sich als außergewöhnlich. Tim Bretschneider hat in der Gesellenprüfung 96 von 100 möglichen Punkten geholt und ist damit Landessieger NRW beim Ausbildungsberuf Zweiradmechatroniker Fachrichtung Motorradtechnik geworden.

Teilnahme am Bundeswettbewerb

Mit diesem Ergebnis nimmt er jetzt am Bundeswettbewerb der besten Auszubildenden teil. Sonst sind alle Landessieger gegeneinander angetreten und bewertet worden, wie gut und zuverlässig sie ein Motorrad reparieren. Diesmal werden wegen der Corona-Pandemie nur die Punkte verglichen.

Tim Bretschneider aber hat längst anderes im Sinn. Die Vorgabe, dass für die Meisterprüfung fünf Jahre Berufserfahrung notwendig sind, gibt es nicht mehr – und deshalb hat er sich gleich an der Meisterschule in Dortmund angemeldet.

Zurzeit hat ihn der Motorrad Shop für den kaufmännischen Teil freigestellt. Im nächsten Jahr folgt der technische Teil. Spätestens 2022 will er Meister sein und den Ausbilder-Eignungsschein haben.

Bis er mit seiner Ausbildung begann, hatte Tim Bretschneider noch nicht einmal einen Motorradführerschein. Das hat er längst nachgeholt.

Bis er mit seiner Ausbildung begann, hatte Tim Bretschneider noch nicht einmal einen Motorradführerschein. Das hat er längst nachgeholt. © Stefan Milk

Aus dem Auszubildenden wird bald der Ausbilder

Für ihn ist die Meisterschule auch ein Ersatz für das Studium, gegen das er sich entschieden hat. „Der Meister ist dem Bachelor gleichgestellt“, erklärt er.

Auch für seinen Chef ist es ideal, wenn sich sein bisheriger Auszubildender gleich zum Meister weiterbildet. Spätestens wenn er fertig ist, soll er den Inhaber des Motorrad Shops entlasten und ihm Aufgaben abnehmen.

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Dann soll er auch in die Rolle schlüpfen, die Goebert bei ihm selbst hatte. Der will 2022 wieder einen Auszubildenden einstellen – nach den guten Erfahrungen, die er jetzt gemacht hat. „Und um den kann sich Tim dann gleich kümmern“, sagt er und lacht.

Sein ehemaliger Auszubildender hat sich auch noch in einem anderen Bereich für seinen Beruf qualifiziert. Er hat einen Führerschein Klasse A, mit dem er alle Motorräder fahren kann und seit einiger Zeit auch eine eigene Maschine.

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