Wo sich einst ein Waldgebiet erstreckte, erhebt sich die zu einem großen Teil grüne Halde „Großes Holz“, die durch den Bergbau entstanden ist. Ihre Entwicklung ist noch nicht zu Ende.

Bergkamen

, 21.11.2018, 16:18 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Halde „Großes Holz“ ist nicht zu übersehen. Sie erhebt sich zwischen Datteln-Hamm-Kanal, dem Bayer-Werk, Weddinghofen und Oberaden auf eine Höhe von 145,8 Metern über N.N. Sie überragt die eher flache Landschaft im nördlichen Kreis Unna um knapp 100 Meter und ist nicht zu übersehen. Dort, wo sich jetzt der künstlich geschaffene höchste Punkt im Kreis Unna befindet, erstreckte sich noch vor wenigen Jahrzehnten das „Große Holz“, der größte Wald im nördlichen Altkreis. Eigentlich besteht die Halde aus vier Halden, die eine unterschiedliche Geschichte haben und im Laufe der Jahre zusammengewachsen sind.

Der Bergbau hinterlässt „ein kleines Sauerland im Ruhrgebiet“

Die Halde Großes Holz besteht eigentlich aus vier Halden – der großen Halde mit der Adener Höhe und dem Aussichtspunkt, den Halden Aden 1 und 2 und der Halde Monopol – dem ältesten Teil.

Vier Halden wachsen zusammen

Die erste Halde, die am Rand des großen Holzes geschüttet wurde, war die „Halde Monopol“, die ab 1942 entstand, wie Stadtführer Klaus Lukat erläutert. Er ist einer der Stadtführer, die regelmäßig Haldentouren anbieten. Das Entstehen der Halden hat wesentlich damit zu tun, wie die Kohle unter Tage abgebaut wurde. Als die Bergleute die Kohle noch von Hand abbauten – mit Hammer und Eisen und später mit dem Pressluftbohrer – kamen kaum Steine mit nach oben. Die Bergleute wurden nur für die abgebaute Kohle bezahlt und achteten darauf, dass möglichst keine Steine gefördert wurden. Das änderte sich mit den modernen Abbaumethoden, zum Beispiel mit dem Schrämmhobel. Damit kam viel Gestein mit über Tage und wurde erst dort von der Kohle getrennt.

Der Bergbau hinterlässt „ein kleines Sauerland im Ruhrgebiet“

Ein historisches Bild, vermutlich von Anfang der 60er Jahre, das die Halde Monopol zeigt. Im Hintergrund ist noch das Waldgebiet „Großes Holz“ zu sehen. Die Straße im Vordergrund ist die heutige Erich-Ollenhauer-Straße.

Halden werden durch veränderte Technik erforderlich

Das Gestein wurde auf Halden gelagert, bei der Halde Monopol noch mithilfe eines Fließbandes statt wie später mit Lastwagen. Das könne man noch heute an der Form der Halde erkennen, sagt Lukat. „Wenn das Anschütten an einer Stelle nicht mehr möglich war, hat man das Band einfach ein Stück versetzt“, erläutert er. Als die Zeche Haus Aden die Förderung voll aufnahm, musste auch sie den Abraum deponieren. Deshalb entstanden die Halden Haus Aden 1 und 2 am anderen Ende des Großen Holzes, in dem Bereich zwischen dem Datteln-Hamm-Kanal und der Hamm-Osterfelder Bahn. Ab 1962 wurde auch die große Halde aufgeschüttet mit dem höchsten Gipfel – der Adener Höhe – unter der das Große Holz im Laufe der Jahre komplett verschwand. Dort schütteten die beiden Zechen Grimberg aus Bergkamen und Grillo aus Kamen ihren Abraum an. Eigentlich sollte die Halde sogar noch größer werden. Nach dem 1974 vorgestellten „Werkmeister-Plan“ sollte sie drei Gipfel bekommen, von denen die Adener Höhe der niedrigste gewesen wäre. Sie hätte dann vermutlich auch noch mehr Grundfläche benötigt. Der Bereich auf dem sich heute das Baugebiet „Dorndelle“ befindet oder die Kleingartenanlage „Haus Aden“ wären vermutlich auch noch zugeschüttet worden. Diese Pläne wurden nicht mehr umgesetzt, weil immer mehr Ruhrgebietszechen stillgelegt wurden – einschließlich der Bergkamener Bergwerke.

Der Bergbau hinterlässt „ein kleines Sauerland im Ruhrgebiet“

Luftbild © Stefan Milk

Grüne „Landschaftsbauwerke“

Der Bergbau plante schon früh, die Halden zu begrünen. Er warb mit Slogans wie „Ein kleines Sauerland im Ruhrgebiet“ für die begrünten Halden. Bei der Begrünung ging allerdings anfangs auch einiges schief. Die Ruhrkohle verkalkulierte sich beispielsweise bei den Pflanzen, die sie auf der Halde ansiedelte. „Viele verkümmerten schnell“, sagt Lukat. Das lag auch daran, dass die aufgebrachte Schicht Mutterboden zu dünn war und dass sie weggeschwemmt wurde. Auch Teiche, die angelegt wurden, fielen wieder trocken, weil das Wasser im Untergrund versickerte. „Erstaunlicherweise ist es aber in der Umgebung immer noch grüner als auf der Halde“, hat der Stadtführer festgestellt. Zeitweise wurde sogar Wein auf der Halde angebaut. Der recht saure Tropfen hörte auf den schönen Namen „Adener Arschleder“. Gepflanzt wurden genau 99 Rebstöcke. Ab 100 Rebstöcken hätte Bergkamen ein Weingut gehabt, bis zu dieser Grenze ließ sich der Anbau noch als „Hobby“ deklarieren.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Impressionen von der Halde Großes Holz

Die Bergkamener Halde hat sich zum Teil in eine Freizeit- und Erholungslandschaft verwandelt.
21.11.2018
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Bergkamen. Der Aufstieg vom Wanderparkplatz an der Waldstraße gleicht einem Spaziergamg durch einen steilen Park
Die blauen Leuchttürme, die an Fördertürme erinnern sollen, weisen den Weg durch den Korrirorpark.© Stefan Milk
Die Halde zieht viele Spaziergänger, aber auch Freizeitsportler an.© Stefan Milk
Was wie eine öde Fläche aussieht ist der eigens eingerichtete Lebensraum für Kreuzkröten, die auf die Halde umgesiedelt worden sind.© Stefan Milk
Ein Spaziergang auf der Halde hat auch bei heraufziehender Dunkelheit seine Reize.© Stefan Milk
Das Kichtkunstwerk "Impuls Bergkamen" der Gebrüder Löbbert steht auf der Adener Höhe.© Stefan Milk
Von der Haldenspitze und der soganannten "Bastion" haben Besucher einen großartigen Blick über das Ruhrgebiet und das angrenzende Münsterland.© Marcel Drawe

Der RVR übernimmt

Besser mit der Begrünung läuft es, seit der RVR die Teile der Halde übernommen hat, die nicht mehr unter Bergaufsicht stehen. Mittlerweile ist zum Beispiel der „Korridorpark“ entstanden, mit blau blühenden Pflanzen und den „blauen Leuchttürmen“, die Spaziergängern den Weg weisen. Ihre Form soll an Fördertürme erinnern. Teile der Halde sind Rückzugsgebiet für Tiere und Pflanzen, die in der Umgebung keinen Lebensraum mehr finden. Hin und wieder erleben sogar Botaniker auf der Halde Überraschungen: Dort haben sich beispielsweise Erlen selbst angesiedelt – Bäume, sie sich in feuchten Bruchwäldern finden, aber nicht auf trockenen Steinen.

Der Bergbau hinterlässt „ein kleines Sauerland im Ruhrgebiet“

Vision für die Gestaltung der Halde zur IGA 2027 – mit der roten Figur als Symbol auf der Haldenspitze. © RVR / Büro Landschaft Planen+Bau

Schwerpunkt bei der IGA 2027

Die Halde soll sich in den kommenden Jahren noch einmal deutlich verändern. Sie soll zu einem der Schwerpunkte der Internationalen Gartenschau (IGA) 2027 gehören. Vor allem die Halden Aden 1 und 2 – die das sogenannte „Kanalband“ bilden, sollen für die aktive Erholung gestaltet werden. Die ersten Entwürfe des Regionalverbands sehen zum Beispiel eine Seilbahn vor, mit der Besucher über das Gelände gleiten können. Auf der Adener Höhe schlägt der Entwurf eine große rote Figur als Symbol der IBA vor, anstelle der Lichtstele „Impuls Bergkamen“, die jetzt dort steht. Die Pläne sollen in den nächsten Jahren abgestimmt, genauer ausgearbeitet und bis 2027 umgesetzt werden. Spätestens dann hat der Bergbau eine ganz neue Landschaft in Bergkamen geschaffen.

Rund 200 Hektar Haldenlandschaft

  • Bis zum Jahr 2005 galt die Halde Großes Holz als „Brennende Halde“.
  • Man ging davon aus, dass sich der Kohlenstaub, der noch an dem Gestein haftete, unter dem großen Druck entzündet hatte.
  • Insgesamt nimmt die Haldenlandschaft eine Fläche von knapp 200 Hektar ein. Die große Halde ist etwa 105 Hektar groß.
  • Nach der ursprünglichen Planung hätte sie eine Fläche von 220 Hektar eingenommen und wäre bis zu 170 Meter hoch geworden.
  • Die jetzige Gestaltung richtet sich nach dem „Drecker-Plan“.
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