Die L 821n wird schon gebaut. Wenn sie fertig ist, sollen die Ortsdurchfahrten Oberaden und Weddinghofen zurückgestuft werden. Straßen.NRW verspricht weniger Verkehr dort – aber nicht in der gesamten Stadt.

Bergkamen

, 23.08.2019, 14:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine gute Nachricht für alle Anwohner der Ortsdurchfahrt Weddinghofen und der Landwehrstraße in Bergkamen-Mitte: Der Landesbetrieb Straßen.NRW will nach den Sommerferien Gespräche mit der Stadt aufnehmen, um ein Abstufungsverfahren für die Straßenzüge zu beginnen. Bisher wird er noch als L 664 als Landesstraße geführt. Sobald die neue L 821n fertig ist, soll er bis zur Werner Straße zur Kreis- oder Gemeindestraße zurückgestuft werden, sagte Kathrin Heffe, die Leiterin der Niederlassung von Straßen.NRW in Bochum.

Sie war an diesem Freitag zusammen mit den zuständigen Abteilungsleitern und dem neuen Projektleiter Frank Hausendorf zur L 821n-Baustelle an der Lünener Straße gekommen, um das Projekt vorzustellen.

Der Bau der L 821n hat längst begonnen und geht zügig voran

Die gesamte Planung der L 821n auf einen Blick: Links ist der geplante Kreisverkehr an der Lünener Straße zu sehen. Er soll nördlich des jetzigen Straßenverlaufs ein Stück entfernt von der Wohnbebauung entstehen. Rechts endet die Straße in einem neuen Kreisverkehr an der Erich-Ollenhauer-Straße. Zur Wohnbebauung in Oberaden hin (oben) soll es Lärmschutzwälle geben. © Marcel Drawe

Verkehrsministerium stimmt Abstufung zu

Offenbar hakte es bei der Frage der Abstufung der L 821n bisher im Verkehrsministerium in Düsseldorf. Mittlerweile habe das Ministerium seine Zustimmung gegeben, beide Ortsdurchfahrten – in Oberaden und Weddinghofen – zurückzustufen. Das gibt der Stadt die Möglichkeit, Maßnahmen wie Tonnagebeschränkungen und Tempo 30 anzuordnen oder die Straßen sogar umzubauen.

Der Bau der L 821n hat längst begonnen und geht zügig voran

Projektleiter Frank Hausendorf, Kathrin Heffe, die Leiterin der Niederlassung Bochum von Straßen.NRW, Christoph Neumann Leiter der Planungsabteilung und Melanie Nölke, Leiterin der Planungsabteilung (v.l.) erläuterten die Planung für die L 821n. © Marcel Drawe

Lünener Straße verengt und Baufläche abgeräumt

Die schlechte Nachricht für die Gegner der L 821n ist dagegen schon beim Blick auf die Baustelle offensichtlich. Die Arbeiten an der neuen Straße haben schon seit einigen Tagen begonnen. Das Tiefbauunternehmen, das den Auftrag für den ersten Bauabschnitt bekommen hat, ist bereits dabei den Kreisverkehr neben der jetzigen Lünener Straße zu bauen, an dem die L 821n beginnen soll. Die komplette Fläche ist bereits abgeschoben und ein Lärmschutzwall zu den Wohnhäusern an der Lünener Straße aufgeschüttet. Gelbe Markierungen auf der Straße verengen die Fahrbahn und lenken den Verkehr um die Baustelle herum.

Der Bau der L 821n hat längst begonnen und geht zügig voran

So sieht die Planung für die Brücke über den Kuhbach aus. Sie soll eine lichte Höhe von 3,60 Metern haben, sagt Projektleiter Frank Hausendorf. Von einem zehn Meter hohen Damm könne keine Rede sein. © Marcel Drawe

Ministerium plant keinen ersten Spatenstich

Einen ersten Spatenstich, möglicherweise mit Landesverkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) soll es nicht geben. Düsseldorf hat ausdrücklich darauf verzichtet.

Nach Heffes Angaben gehen Berechnungen davon aus, dass die Verkehrsbelastung auf den beiden Ortsdurchfahrten nach dem Bau der L 821n und den entsprechenden verkehrslenkenden Maßnahmen um etwa die Hälfte sinkt. „Die Straßen sollen dann viel stärker ihre Wohn- und Einkaufsfunktion wahrnehmen, die sie auch haben“, sagte Heffe.

Der Bau der L 821n hat längst begonnen und geht zügig voran

Die Fläche für den Kreisverkehr an der Lünener Straße hat beträchtliche Ausmaße. © Marcel Drawe

Gesamtverkehr in der Stadt kann zeitweise steigen

Auf Nachfrage musste sie allerdings einräumen, dass der Gesamtverkehr in Bergkamen nach dem Bau der Straße steigt. Es sei nicht auszuschließen, dass die Straße als Umfahrung des Kamener Kreuzes genutzt wird, solange es noch nicht komplett ausgebaut ist. Auch der geplante sechsspurige Ausbau der A1 in Richtung Norden in einigen Jahren kann wohl zu Umfahrungsverkehr führen. Planungen wie die L 821n seien aber immer langfristig gedacht, argumentierte sie.

Entwässerung und Hochwasserschutz geklärt

In dem Gespräch ging der Landesbetrieb auch auf die Argumente der Straßengegner ein. Die bezweifeln zum Beispiel, dass die Frage der Entwässerung der Straße geklärt ist. Die Böden in dem Bereich seien nicht so versickerungsfähig wie gedacht, sagte Frank Hausendorf, seit einigen Tagen Projektleiter für den Bau der Straße. Deshalb habe der Landesbetrieb eine andere technische Lösung gefunden: Neben der Straße sollen sogenannte „Kaskadenrigolen“ entstehen, die mit Kies gefüllt sind. Sie sollen das Wasser von der Fahrbahn zurückhalten und langsam abgeben. „Das Abflussverhalten verändert sich nicht gegenüber dem Zustand, der jetzt besteht“, sagte Hausendorf.

Die Planung ist nach seinen Angaben mit dem Lippeverband und der Bezirksregierung abgestimmt. Der Lippeverband habe die L 821n auch bei der Ausweisung von Überschwemmungsgebieten berücksichtigt. Das hatten die Straßengegner bezweifelt.

Straßen.NRW verteidigt die UVP

Nach Meinung von Christoph Neumann, dem Leiter der Abteilung Planung bei Straßen.NRW in Bochum, ist auch die Kritik der Straßengegner daran unbegründet, dass die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zu alt ist, Die UVP sei Bestandteil des höchstrichterlich überprüften Planfeststellungsbeschlusses von 2008 sagt er. Und sie habe sogar einen Vorteil: 2008 waren noch wesentlich mehr Ausgleichsmaßnahmen für den Straßenbau vorgeschrieben als heute. Bei einer neuen UVP würden wahrscheinlich weniger Ausgleichsmaßnahmen fällig, meint Neumann. Als Ausgleich sollen unter anderem 160 Obstbäume auf einer Fläche am Heideweg am Rand des Lüttke Holz gepflanzt werden.

Archäologische Untersuchung ohne Ergebnis

Mittlerweile hat es sogar eine archäologische Untersuchung im Bereich des ersten Bauabschnitts der Straße gegeben. Die Archäologen fanden nichts. Zurzeit scheint nichts mehr den Bau der L 821n aufzuhalten.

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