Der älteste Verein der Stadt feiert wahrscheinlich zum letzten Mal Geburtstag

dzKnappenverein Glück-Auf Germania

Der Knappenverein „Glück-Auf Germania“ ist Bergkamens ältester Verein und feiert seinen 130. Geburtstag. Der Vorsitzende fürchtet jedoch, dass es den Verein schon bald nicht mehr geben wird.

Bergkamen

, 11.10.2019, 13:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bergkamens ältester Verein feiert Geburtstag: Der „Knappenverein Glück-Auf Germania Bergkamen und Overberge“ wird 130 Jahre alt. Der Vorsitzende Klaus Bergbauer fürchtet jedoch, dass das die letzte Geburtstagsfeier ist, die der Verein begehen kann, bevor er verschwindet.

Es gibt keine jungen Knappen mehr

Bergbauer ist mit seinen 66 Jahren der Nachwuchs der Knappen. 65 Mitglieder hat der Verein noch, davon zehn Unterstützer. „Der Altersdurchschnitt liegt aber schon deutlich über 80 Jahren“, sagt Bergbauer. Bergleute gibt es nach dem Ende des Steinkohlenbergbaus auch in Bergkamen nicht mehr. Jüngeren Nachwuchs, der noch Interesse hat, die stolze Bergkamener Bergbautradition weiterzuführen gibt es nicht. Es ist absehbar, dass dem Verein die Mitglieder ausgehen. „Ich glaube nicht, dass wir in fünf Jahren noch das 135-jährige Bestehen feiern können“, sagt Bergbauer.

Bisher hat der 1889 gegründete Verein sein Gründungsjubiläum alle fünf Jahre gefeiert und das wollen die Knappen auch in diesem Jahr. Sie feiern am Samstag, 26. Oktober auf der Bayern-Alm an der Hochstraße. Bevor die Feier am Nachmittag um 15 Uhr beginnt steht wie immer die Kranzniederlegung um 11 Uhr am Ehrenmal auf dem ehemaligen Friedhof Bergkamen-Mitte auf dem Programm.

Gründung, um die Not der Bergleute zu mindern

Als der Verein am 6. Januar 1889 in der Gaststätte der Witwe Stamm gegründet wurde – dem heutigen „Roten Schloss“ an der Werner Straße – war blanke Not der Grund. Es gab weder eine Krankenversicherung noch eine Altersversorgung. Die Bergleute gründeten den Verein, um sich gegenseitig in Notlagen zu helfen. Deshalb hatte er auch zunächst den Namen „Bergmanns-Unterstützungs- und Sterbeverein Glück-Auf Germania“.

Die Gründung erfolgte damals übrigens unter Aufsicht der preußischen Polizei, denn der Staat traute den Bergleuten nicht. Im selben Jahr kam es zum ersten großen Bergarbeiter-Streik, der in die Gründung der ersten Gewerkschaft mündete – Vorläufer der heutigen IGBCE, die deshalb ebenfalls ihr 130-jähriges Bestehen feiert.

Der älteste Verein der Stadt feiert wahrscheinlich zum letzten Mal Geburtstag

Zur Fahnenweihe 1991 war der Saal voll und die Knappen auch noch deutlich jünger als heute. © Boyrs Sarad

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Bergmannstradition bewahren

Mittlerweile gibt es eine soziale Absicherung und die Knappenvereine haben eine völlig neue Aufgabe: Sie wollen die bergmännische Tradition, die es auch in Bergkamen gibt, nicht in Vergessenheit geraten lassen. Zumindest die acht Jubilare, die an diesem Tag geehrt werden sollen, können sich noch sehr genau an die Arbeit unter Tage erinnern: Peter Schmist ist schon seit 70 Jahren Mitglied im Knappenverein, seit 50 Jahren sind Heinz Rogge, Wilhelm Lindemann und Fredi Gröne dabei. Werner Borghardt und Hugo Damberger sind seit 40 Jahren und Jörg Hünerbein sowie Wilfried Schwarz seit 25 Jahren Knappen.

Die Musik zum Jubiläumsfest machen die „Brömmelkamps“ und der Alleinunterhalter Hans mit seinem Keyboard. Er spielt auch das Steigerlied, das die Knappen auf der Feier selbstverständlich auch anstimmen wollen.

Zur Feier sind auch die Nachbar-Knappenvereine eingeladen. Sie haben ähnliche Probleme wie die Bergkamener Knappen. Sie sind aber für Bergbauer auch Grund zur Hoffnung, dass es auch in fünf Jahren noch einen Knappenverein geben wird – wenn schon nicht in Bergkamen, dann zumindest in der Region um die einst größte Bergbaustadt Europas. „Vielleicht ist die Lösung, dass sich die Knappenvereine aus der Umgebung zu einem großen Verein zusammenschließen“, sagt Bergbauer.

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