Die Arbeiten an der Wasserstadt haben begonnen. Bis die abgeschlossen sind, vergehen noch Jahre. Das liegt auch an den enormen Bodenmassen, die bewegt werden müssen.

Bergkamen

, 28.03.2019, 16:28 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer sich auf den langen Weg auf dem Haus-Aden-Gelände von der Zufahrt an der Rotherbachstraße zur Jahnstraße macht, fährt ein Stück an der Hamm-Osterfelder Bahn entlang. Auf diesem Stück verläuft die Bahn zurzeit noch auf einem Damm. Wenn die ersten Bewohner in die geplante Wasserstadt Aden ziehen, werden sie vermutlich noch nicht einmal mehr die Dächer der vorbeifahrenden Züge sehen, denn dazu liegen die Schienen dann zu tief unterhalb des Wasserstadt-Geländes.

Der Adensee wird ab sofort aufgeschüttet - und nicht gegraben

Bagger verladen den Boden, der bereits auf dem Gelände lagert in Lkw. Er soll an anderer Stelle eingebaut werden. © Stefan Milk

Gelände wird bis zu acht Metern höher

Bis zu acht Metern wird die Fläche zwischen dem Datteln-Hamm-Kanal aufgeschüttet, bevor die ersten Häuser rund um den künstlich angelegten „Adensee“ gebaut werden können. „Die Leute glauben immer, wir graben den See. Wir graben aber nicht. Das Seeufer wird rundherum aufgeschüttet“, erklärt Bergkamens Bürgermeister Roland Schäfer. Diese Arbeiten haben jetzt nach jahrelanger Vorarbeit begonnen. Eine Arbeitsgemeinschaft aus den Ruhrgebietsfirmen Heitkamp (Herne) und Stricker (Dortmund) hat bei einer europaweiten Ausschreibung den Zuschlag bekommen. Ihnen fällt die Herkulesaufgabe zu, insgesamt 1,2 Millionen Kubikmeter Boden auf der Fläche zu bewegen. Die Planung und Bauüberwachung hat das Büro „Taberg Ingenieure“ aus Lünen übernommen.

Der Adensee wird ab sofort aufgeschüttet - und nicht gegraben

Bürgermeister Roland Schäfer (r.), Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters, Planungsamtsmitarbeiter, Kommunalpolitiker und Vertreter der beteiligten Firmen waren an diesem Donnerstag zum Beginn der Bauarbeiten gekommen. © Stefan Milk

Wasserspiegel in gleicher Höhe wie der Kanal

Warum der enorme Aufwand für den See betrieben werden muss und er nicht einfach in den Boden des Zechengeländes gegraben wird, erschließt sich bei der Fahrt in Richtung Osten. In dem Bereich, in dem der See geplant ist, bildet das Gelände eine Senke. Falls der See dort einfach gebaut würde, wäre ein umständliches Schleusensystem notwendig, damit Boote vom See auf den Kanal fahren können.

Der Adensee wird ab sofort aufgeschüttet - und nicht gegraben

Fahnen an der Zufahrt zur Wasserstadt machen auf das Projekt aufmerksam. Den Förderturm im Hintergrund würde die Stadt gerne als Landmarke erhalten. Die RAG will ihn aber abreißen lassen. © Stefan Milk

Schiffbarer See

Anders als beispielwiese der Phoenixsee in Dortmund soll der Adensee schiffbar sein. Wer will, kann sein Haus direkt am Wasser bauen und das Boot an den Steg daneben legen. Außerdem hätten Menschen, die dort leben, keinen Ausblick auf die Umgebung - auch nicht auf den Datteln-Hamm-Kanal, dessen Ufer eigens tieferlegt wird, damit Wasserstadt-Bewohner sich auch als Kanalanrainer fühlen können.

Erste Häuser erst in vier Jahren

Bis es so weit ist, wird allerdings noch viel Zeit vergehen, obwohl die beiden Tiefbauunternehmen permanent im Einsatz sind. Schäfer schätzt, dass erst in etwa vier Jahren die ersten Häuser in der Wasserstadt stehen, entweder am See oder an einer 700 Meter langen Gracht, die vom See in Richtung Rotherbachstraße über das Gelände verlaufen soll.

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700.000 Kubikmeter Boden zusätzlich norwendig

Die riesigen Mengen von Boden müssen nicht nur bewegt, sondern zu einem großen Teil auch auf das Gelände geschafft werden. Dr. Michael Kurtenacker geht von etwa 700.000 Kubikmetern aus, die auf das Gelände geschafft werden müssen. Etwa 170.000 Kubikmeter davon liegen schon in einem Bodenlager nahe der Rotherbachstraße. Sie wurden schon seit dem ersten Spatenstich im Jahr 2016 herangeschafft. Weitere 530.000 Kubikmeter müssen noch herangeschafft werden. Verantwortlich dafür ist die RAG Montan-Immobilien (RAG MI).

Tägliche Anlieferung von 3000 bis 4000 Tonnen Boden

Adensee

Kanalwasser für den künstlichen See

Wenn der See modelliert ist, muss der Boden anschließend abgedichtet werden. Dafür wird ein Speziallehm verwendet, der sich selbst abdichtet, wenn der See mit Wasser gefüllt wird. Die Stadt hat von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung die Ausnahmegenehmigung bekommen, den See mit Kanalwasser zu füllen. Eigentlich haben die sogenannten Bundeswasserstraße ein geschlossenes Wassersystem, aus dem nichts entnommen und in das nichts eingeleitet werden darf. Die Befüllung ist außerhalb der trockenen Sommermonate geplant und wird mehrere Wochen dauern.
Kurtenacker geht davon aus, dass täglich 3000 bis 4000 Tonnen Boden mit Lkw aufs Gelände transportiert werden müssen. Alle Böden werden zur Kontrolle doppelt beprobt und auf einer Lkw-Waage gewogen, bevor sie auf dem Gelände eingebaut werden können. Die restlichen etwa 500.000 Kubikmeter Boden werden entweder an einer anderen Stelle auf dem Gelände abgegraben und neu eingebaut oder sie sind Teil der „Bodenmieten“, die bereits auf dem Gelände lagern und von der Stadt mitgekauft wurden. Auch sie sind beprobt, ob sie sich für Wohnungsbau eignen.

Bagger, Raupen und riesige Transportfahrzeuge

Die Arbeitsgemeinschaft Heitkamp/Stricker hat für die Arbeiten ständig zwischen 15 und 25 Mitarbeiter auf dem Gelände im Einsatz. Sie arbeiten mit vier bis sechs Hydraulikbaggern, zwei Planierraupen, Erdbauwalzen und zwei bis sechs sogenannte „Dumper“ im Einsatz. Das sind Transportfahrzeuge, die wegen ihrer Größe nicht auf öffentlichen Straßen fahren dürfen und 30 bis 40 Tonnen Boden transportieren können.

Laute Verdichtung

Der Boden, auf dem künftig Häuser gebaut werden sollen muss verdichtet werden. Das übernimmt ein sogenannter Seilbagger, der aus zehn Meter Höhe eine zehn Tonnen schwere Platte auf den Boden fallen lässt.

Der Bürgermeister geht davon aus, dass das nicht ohne Lärm geht und Belästigung für die Anwohner geht, ebenso wie die Bodentransporte.

Der Adensee wird ab sofort aufgeschüttet - und nicht gegraben

Doris Laube ist für das Beschwerdemanagement zuständig. Bürger, die Beschwerden wegen der Wasserstadt haben, können sich an sie wenden. © Stefan Milk

Telefon-Hotline für Beschwerden

Die Stadt hat deshalb eigens eine Beschwerdehotline eingerichtet. Wer Probleme hat, kann sich an Doris Laube wenden, die im Raum 520 im Rathaus sitzt, Tel. (02307) 965329.,Mail d.laube@bergkamen.de.

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