Denkmal für Bergsenkungen wäre so hoch wie ein mehrstöckiges Haus

dzBergbau-Auswirkungen

Der Aktionskreis Wohnen und Leben hat ein Denkmal beantragt, das zeigt, wie stark die Erde sich durch den Bergbau gesenkt hat. In einem Teil der Stadt würde es so hoch wie ein mehrstöckiges Haus.

Bergkamen

, 22.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer durch die Zechenkolonie Schönhausen im Süden von Bergkamen läuft, käme wohl kaum auf die Idee, dass er sich vor gut 100 Jahren an der gleichen Stelle metertief unter der Erde befunden hätte. Schönhausen ist nach Angabe der RAG der Bereich von Bergkamen, in dem sich die Erde durch den untertägigen Kohleabbau am meisten gesenkt hat.

Zu sehen ist von den Senkungen auf den ersten Blick nichts, weil sich die Erde gleichmäßig gesenkt hat,

Zu sehen ist von den Senkungen auf den ersten Blick nichts, weil sich die Erde gleichmäßig gesenkt hat. © Stefan Milk

Größte Senkung in Schönhausen

Falls tatsächlich jemand auf die Idee käme, die Anregung des Aktionskreises Arbeit und Leben umzusetzen und ein Denkmal in der Höhe der Bergsenkungen aufzustellen, würde es die Dächer der Schönhausener Zechenhäuser deutlich überragen: Nach Angaben der RAG hat sich die Erde um etwa 13 Meter gesenkt.

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Die Bergsenkungen sind jedoch nicht überall in Bergkamen so stark. Schönhausen liegt in einem Bereich von Bergkamen, in dem besonders intensiv Kohle abgebaut wurde. Weitere Senkungen sind allerdings nicht zu erwarten: Der Bergbau in diesem Bereich endete bereits in der ersten Hälfte der 90er Jahre. Die Erde ist nach Ansicht aller Experten dort schon seit Jahren zur Ruhe gekommen.

Am Datteln-Hamm-Kanal sind die Senkungen am deutlichsten zu sehen. Der Kanal lag ursprünglich auf Höhe der Hausgrundstücke. Er musste durch einen Damm eingedeicht werden, weil sich die Erde gesenkt hat.

Am Datteln-Hamm-Kanal sind die Senkungen am deutlichsten zu sehen. Der Kanal lag ursprünglich auf Höhe der Hausgrundstücke. Er musste durch einen Damm eingedeicht werden, weil sich die Erde gesenkt hat. © Stefan Milk

Kohleabbau zwischen 1886 und 2010

Im Bereich der heutigen Stadt Bergkamen wurde zwischen 1886 bis 2010 Kohle abgebaut. Wer die Möglichkeit hätte, die Topografie von Bergkamen Ende des 19. Jahrhunderts mit der Landschaft heute zu vergleichen, würde feststellen, dass es sich stark verändert hat. „Grundsätzlich führt tiefer Steinkohlenbergbau zu einer tiefen Senkungsmulde an der Tagesoberfläche“, teilt RAG-Sprecher Christof Beike auf Anfrage mit. Die Mulde reicht sogar noch über die reine Abbaufläche hinaus.

Die Bergsenkungen in Bergkamen sind noch nicht einmal die größten, die es im Ruhrgebiet gibt. An anderen Stellen hat sich die Erde sogar um mehr als 20 Meter gesenkt.

So sieht das Innere des Pumpwerks an der Schlägelstraße in Rünthe aus. Die gewaltigen Pumpen sind notwendig, um Bergkamen auch bei starkem Regen trocken zu halten. Sonst würden Teile der Stadt absaufen.

So sieht das Innere des Pumpwerks an der Schlägelstraße in Rünthe aus. Die gewaltigen Pumpen sind notwendig, um Bergkamen auch bei starkem Regen trocken zu halten. Sonst würden Teile der Stadt absaufen. © Stefan Milk

Folge der Senkungen sind Pumpwerke

Von diesen Senkungen bemerkt der Beobachter allerdings kaum etwas, denn der Boden hat sich meist großflächig und relativ gleichmäßig gesenkt. Wer die Folgen sehen will, muss schon etwas genauer hinschauen: Dadurch, das sich eine Mulde gebildet hat, haben Flüsse und Bäche ihr natürliches Gefälle verloren.

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Damit die Mulde nicht zu einem See oder Sumpf wird, weil das Wasser nicht abfließen kann, muss es ständig abgepumpt werden. Davon zeugen die Pumpwerke, die es an vielen Stellen der Stadt gibt. Sie stehen zum Beispiel entlang des Kuhbachs, um den südlichen Bereich von Bergkamen in Richtung Kuhbach zu entwässern.

Sofort sichtbar sind die Auswirkungen der Bergsenkungen nur an wenigen Stellen. Eine solche Ausnahme ist zum Beispiel der Datteln-Hamm-Kanal. Er hat wegen der Bergsenkungen stellenweise einen Damm bekommen und ist durch Spundwände gesichert, sonst würde er auslaufen.

Der Beversee ist ein idyllisches Naturschutzgebiet. Er ist vor knapp 80 Jahren durch eine Bergsenkung entstanden.

Der Beversee ist ein idyllisches Naturschutzgebiet. Er ist vor knapp 80 Jahren durch eine Bergsenkung entstanden.

Noch 639 Schadensmeldungen im Jahr 2019

Andere Beispiel sind kleinere, extremere Senkungen, in denen sich Wasser gesammelt hat und einen See bildet, wie der Beversee oder der Schwanenweiher.

Grundsätzlich hätten sich im dicht besiedelten Ruhrgebiet auch Auswirkungen auf bebaute Bereiche nicht vermeiden lassen, so Beike. Vor allem dort, wo sich der Boden ungleichmäßig gesenkt hat - zum Beispiel durch Störungen in den Schichten unter Tage - sei es durch Schieflagen, Zerrungen oder Pressungen zu Schäden an Gebäuden gekommen.

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Die Schadensmeldungen nehmen aber ab. Im Jahr 2010, als der Bergbau endete, waren es in Bergkamen noch 3192. Im Jahr 2019 erreichten die RAG nur noch 639 Schadensmeldungen aus Bergkamen.

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