Demonstration im Rathaus endet mit überraschendem Einvernehmen

dzFamilienaktivist

Der selbst ernannte Familienaktivist Johannes H. Schumacher hat die Bergkamener Stadtverwaltung mit mehreren Demonstranten besucht. Das Treffen mit dem Bürgermeister endet jedoch erstaunlich harmonisch.

Bergkamen

, 05.03.2020, 17:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer an diesem Donnerstagnachmittag einen Blick ins Foyer des Bergkamener Rathauses warf, konnte bevorstehenden Ärger kaum übersehen. Im Foyer hatten sich Mütter und einige Väter von Kindern versammelt, die von Jugendämtern in Obhut genommen worden sind. Sie machten lautstark und auf Transparenten deutlich, dass sie der Ansicht sind, dass ihnen ihre Kinder von staatlichen Behörden „geraubt“ worden sind.

Schumacher kündigte an, dass er akzeptiert, dass nur er als Beistand einer Bergkamener Mutter an dem Gespräch teilnehmen konnte. Die anderen versuchten zwar, mit zur Besprechung zu kommen, zogen sich dann aber ohne Widerstand wieder ins Rathaus-Foyer zurück.

Schumacher kündigte an, dass er akzeptiert, dass nur er als Beistand einer Bergkamener Mutter an dem Gespräch teilnehmen konnte. Die anderen versuchten zwar, mit zur Besprechung zu kommen, zogen sich dann aber ohne Widerstand wieder ins Rathaus-Foyer zurück. © Stefan Milk

Aktivist als Beistand für eine Bergkamener Mutter

Sie waren gekommen, weil der Aktivist Johannes H. Schumacher aus Wassenberg (Niederrhein) als Beistand einer Bergkamener Mutter ein Gespräch mit Bürgermeister Roland Schäfer und Sozialdezernentin Christine Busch führen wollte. In dem Gespräch sollte es darum gehen, warum das Jugendamt den elfjährigen Sohn der Bergkamenerin in Obhut und von der Mutter weg genommen hatte. Der selbst ernannte Familienaktivist hatte das Gespräch auf seiner Facebook-Seite als eine Art „Runden Tisch“ zum Thema Kindesentziehung angekündigt.

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Tatsächlich gab er sich aber schon im Rathaus-Foyer deutlich friedlicher als die Demonstranten, die er mitgebracht hatte. Er werde respektieren, dass nur er die Mutter zum Gespräch begleiten dürfe, kündigte er an. Schäfer hatte im Vorfeld deutlich gemacht, dass für ihn schon aus Datenschutzgründen keine andere Gesprächsform in Frage kommt.

Die Demonstranten, die mitgekommen waren, gingen zwar mit zum Besprechungszimmer des Bürgermeisters. Als ihnen mitgeteilt wurde, dass sie an dem Gespräch nicht teilnehmen können, zogen sie sich wieder ins Rathaus-Foyer zurück.

Trotz martialischer Plakate seiner Mitstreiter war Schumacher am Ende zufrieden mit dem Gespräch.

Trotz martialischer Plakate seiner Mitstreiter war Schumacher am Ende zufrieden mit dem Gespräch. © Stefan Milk

„Ich werde Bergkamen in guter Erinnerung behalten“

Das Gespräch verlief nach Einschätzung aller Beteiligten offenbar durchaus konstruktiv. Er und die Dezernentin hätten als Vertreter der Stadt deutlich gemacht, dass die Entscheidung über den Elfjährigen ohnehin beim Familiengericht liegt, sagte Schäfer. Er hält es für möglich, dass der Junge nicht in staatlicher Obhut bleibt, sondern dass er zum getrennt von der Mutter lebenden Vater kommt mit einem Besuchsrecht für die Mutter oder sogar zur Mutter – falls sie sich an bestimmte Auflagen hält.

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Eine Haltung mit der auch Schumacher offenbar zufrieden ist. Die Mutter können sich durchaus damit anfreunden, dass ihr Sohn zu seinem Vater komme – zumal sich das Verhältnis schon seit einiger Zeit gebessert habe.

Der Aktivist lobte die Stadt Bergkamen sogar ausdrücklich für das Gespräch. Sonst werde er oft gar nicht vorgelassen, sagte er und zog ein erstaunliches Fazit: „Ich werde Bergkamen in guter Erinnerung behalten“

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