Das vermeintliche Gewalt-Opfer war wohl selbst der Angreifer

dzProzess wegen Körperverletzung

Die Wahrheitsfindung vor Gericht ist nicht immer einfach. Bei einem Prozess vor dem Amtsgericht hatte der Richter jedenfalls erhebliche Zweifel an der Aussage eines vermeintlichen Gewalt-Opfers.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 09.06.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Wie schnell das Opfer einer Körperverletzung am Ende eher als Täter dastehen kann, zeigt ein Fall im Amtsgericht Kamen.

Nach einem Streit zwischen dem angeblich Geschädigten und einem der beiden Angeklagten entdeckte der Angeklagte bei Facebook, dass ihn der andere als „Hurensohn“ betitelt hatte. Es folgte ein Hin und Her gegenseitiger Beleidigungen. Schließlich wurde es dem Kamener am 13. Februar vergangenen Jahres zu bunt und er suchte den Angeklagten an dessen Adresse in Bergkamen auf. Über das, was danach geschah, gingen die Aussagen auseinander.

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Der Angeklagte will sich nur verteidigt haben

Der als „Hurensohn“ bezeichnete, 26 Jahre alte Angeklagte gab an, der „Geschädigte“ (30), sei auf ihn zugekommen und habe ihn an die Wand gedrückt. Daraufhin habe er diesem ein, zwei Schläge ins Gesicht verpasst. „Er hat mich angegriffen, definitiv. Ich habe mich nur verteidigt“, erklärte der Bergkamener. Der zweite Angeklagte sei nur dazwischen gegangen und habe mit seinem Schwiegervater die beiden auseinander gebracht. Das bestätigte der Mitangeklagte.

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Die Richter glauben dem vermeintlichen Opfer nicht

Dann kam der mutmaßlich Geschädigte zu Wort. Er erklärte, der erste Angeklagte habe bereits mit ausgestrecktem Bein am Treppenabsatz auf ihn gewartet: „Ich wollte nur mit ihm reden, aber da fing das Gerangel schon an. Ich hab die Faust gekriegt – auf‘s Auge.“ Der zweite Angeklagte habe ihn in die Rippen getreten. Anschließend hätten beide mit einem dritten Mann zusammen auf ihn, der am Boden gelegen habe, eingetreten und -geschlagen.

Gleich mehrere Punkte ließen den Richter an der Aussage des 30-Jährigen zweifeln: zu geringe Verletzungen und Widersprüche zu früheren Aussagen. „Es spricht viel dafür, dass der Zeuge hier der Angreifer ist“, machte es der Richter am Ende kurz und sprach die beiden Angeklagten frei

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