Das Stadtmuseum sichtet zurzeit mit Hilfe einer Fachfrau sein Depot im Keller. Die Stücke dort bergen manche Überraschung – und geben einige Rätsel auf.

Bergkamen

, 26.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Stadtmuseum macht zurzeit eine Bestandsaufnahme bei seinem Depot im Keller des Stadtmuseums – und dabei tauchen immer neue Schätze auf. Museumsleiter Mark Schrader bezeichnet die Lagerräume im Keller des Stadtmuseums als so etwas wie „das zweite Gedächtnis der Stadt“, neben dem Stadtarchiv, das Stadtarchivar Martin Litzinger im Rathaus betreut.

Das Stadtmuseum ist auf Schatzsuche im eigenen Keller

Im Keller des Stadtmuseums in Oberaden lagern viele, bisher noch nicht gehobene historische Schätze. © Stefan Milk

Zeugnisse aus dem Alltagsleben

Während im Rathaus vor allem historische Dokumente und historische Fotos lagern, aus denen Litzinger bereits für fünf der sechs Bergkamener Stadtteile eine Chronik destilliert hat, lagern im Stadtmuseum vor allem Zeugnisse über den Alltag der Bergkamener in den vergangenen gut 100 Jahren.

Ein Teil davon sind Dinge, die bei Spenden als das Stadtmuseum mit dabei waren, aber bisher nicht ausgestellt werden konnten. Zum „Tante-Emma-Laden“, der schon seit Jahren Teil der Ausstellung über das Alltagsleben der Bevölkerung früher ist, hat das Museum nicht nur die Einrichtung bekommen.

Mit dabei waren auch Bezugskarten für Lebensmittel, wie sie in und nach den Weltkriegen ausgegeben wurden, Geschäftsbücher, Einkaufslisten und Maßeinheiten. Zum Vermächtnis gehört sogar altes Geld, das als Zahlungsmittel längst seine Gültigkeit verloren hat, aber noch einen historischen Wert besitzt.

Das Stadtmuseum ist auf Schatzsuche im eigenen Keller

Im Depot lagern auch noch Bilder, die aus den „Schinkenbasaren“ in den 70er Jahren stammen. Kulturreferent Simon Schmidt-Apel und Museumsleiter Mark Schrader präsentieren eines davon. © Marcel Drawe

Vermächtnis aus den „Schinkenbasaren“

Im Depot befinden sich auch Kunstwerke, wie Bilder, die noch von den „Bergkamener Schinkenbasaren“ stammen und Fundstücke aus dem Boden, die beim Häuserbau aufgetaucht sind und die Bergkamener dem Stadtmuseum vermacht haben.

Hinzu kommen auch viele Gegenstände und Dokumente, die aus Privatbesitz stammen: alte Ausweise, Parteibücher und ähnliches.

Alle diese Dinge hat das Stadtmuseum über Jahrzehnte angenommen und im Keller verstaut, auch schon lange vor der Zeit als Mark Schrader Museumsleiter wurde und Barbara Strobel das Museum leitete.

Stücke werden ausgepackt, bewertet und neu gelagert

Jetzt sind die Mitarbeiter des Stadtmuseums und eine mit Zeitvertrag eingestellte Historikerin dabei, das ganze, riesige Depot zu sichten, zu katalogisieren, zu bewerten und die Stücke neu zu lagern. Der Keller, in dem sie sich bisher befunden haben hat sich als feucht erwiesen. Die Feuchtigkeit hat an dem einen oder anderen Stück auch schon Schäden hinterlassen – zum Beispiel an Möbeln, die dort gelagert waren.

Das Stadtmuseum ist auf Schatzsuche im eigenen Keller

Zu Bergkamen im Dritten Reich könnte es aus den Stücken im Depot eine Sonderausstellung geben. Museumsleiter Mark Schrader hatte erst kürzlich zu einem Vortrag über den ersten großen Bombenangriff auf Bergkamen im Jahr 1944 eingeladen. © Klaus-Dieter Hoffmann

Depot zieht ins Nebengebäude um

Das Stadtmuseum will das Depot deshalb in das Nebengebäude am Museumsplatz verlagern, in dem sich früher die Oberadener Post befand. Dort herrschen bessere Bedingungen für die Lagerung. Das eine oder andere Stück aus dem Depot wird aber mit Sicherheit im Stadtmuseum zu sehen sein, wenn es nach dem Umbau wieder eröffnet wird. Im Depot ist zum Beispiel ein Bombenleitwerk aufgetaucht. „Das passt perfekt zu der Fliegerbombe, die wir in unsere Ausstellung zur Stadtgeschichte zeigen“, sagt Schrader.

Das Stadtmuseum ist auf Schatzsuche im eigenen Keller

Zu der Fliegerbombe, die in der stadtgeschichtlichen Ausstellung zu sehen ist, hat sich im Depot des Stadtmuseums das passende Leitwerk gefunden. © Borys Sarad

Kulturdezernent sieht Potenzial für zwei neue Ausstellungen

Kulturdezernet Marc Alexander Ulrich geht sogar davon aus, dass das Depot weit mehr als nur Ergänzungen zu den bestehenden Ausstellungen hergibt. „Das, was wir da haben, reicht für zwei eigenständige zusätzliche Ausstellungen zu speziellen Themen“, sagt er. Dabei geht es um die Grubenunglücke, die es auf den Bergkamener Zechen gegeben hat, und um das Thema „Bergkamen im Dritten Reich“.

Zu beiden Themenkomplexen gibt es so viele interessante Stücke im Depot des Stadtmuseums, dass sie Stoff für interessante Ausstellungen hergeben.

Bei einigen Fundstücken aus dem Depot ist Schrader aber bisher noch nicht einmal sicher, was er damit anfangen soll. Er hat unter anderen Holz gefunden, das dort eingelagert wurde – wahrscheinlich von der früheren Museumskommission. Warum es eingelagert wurde und welche historische Bedeutung es hat, ist bisher noch unklar.

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