Das richtige Vorgehen bei einem Brand, der sich nicht löschen lässt

dzÜbung bei Bayer

Es gibt Stoffe, die sich nicht löschen lassen, wenn sie in Brand geraten. Die Bayer-Werkfeuerwehr demonstriert bei einer Übung, was stattdessen zu tun ist.

Bergkamen

, 21.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die beiden Feuerwehrleute sind sichtlich gegen alles geschützt, was einem Menschen gefährlich werden kann. Sie stecken von Kopf bis Fuß in silbernen, metallverblendeten Schutzanzügen. Sie nähern sich vorsichtig einer flachen Metallwanne, in der eine Art Feuerwerk tobt. Aus der Wanne schlagen Flammen, Funken sprühen wie bei Wunderkerzen und ab und zu gibt es eine Verpuffung.

Das richtige Vorgehen bei einem Brand, der sich nicht löschen lässt

Die Werkfeuerwehr führt unterschiedliche Löschmethoden und ihre Wirkung bei Metallalkylen vor. © Stefan Milk

Explosion bei Kontakt mit Wasser

Die beiden Feuerwehrleute tun das, was Feuerwehrleute gemeinhin tun und richten einen Wasserstrahl auf die Flammen. In dem Moment, in dem die ersten Tropfen die Wanne erreichen, explodiert sie förmlich. Eine Stichflamme schießt hoch und über der Wanne gibt es kleine, aber heftige Explosionen. „Wir wollten zum Abschluss noch einmal zeigen, was passiert wenn man sich falsch verhält“, sagt Martin Neumann und grinst ein wenig. Er ist der Chef der Werkfeuerwehr im Bayer-Werk Bergkamen und leitet eine Übung, bei der es um den Umgang mit einer besonders gefährlichen Chemikalie geht.

Das richtige Vorgehen bei einem Brand, der sich nicht löschen lässt

Ein Teilnehmer an der Übung versucht den Spagat zwischen Ohren-Zuhalten und dem Filmen mit dem Handy. © Stefan Milk

Alkyle müssen „kontrolliert ausreagieren“

Metallalkyle Gefährliche und nützliche Chemikalie Metallalkyle werden im Chemiepark nicht von Bayer selbst, sondern von Lanxess hergestellt, das ebenfalls seinen Sitz auf dem Gelände hat. Der Stoff dient als Katalysator bei der Kunststoffherstellung und unter anderem als Inhaltsstoff bei bestimmten Lampen für eine Effektbeleuchtung.
In der Wanne war Aluminiumalkyl, das heftig auf Kontakt mit Sauerstoff reagiert - auch wenn er sich im Wasser befindet. Löschen lassen sich Alkyle überhaupt nicht, informiert Neumann. Die Feuerwehr lässt den Stoff „kontrolliert ausreagieren“, wenn sie weiß, wie es geht. Zurück bleibt dann nur ungefährliches Aluminiumoxid und Kohlendioxid (CO2). „Wenn man richtig reagiert, sind brennende Alkyle nicht schlimmer als eine tropfende Wasserleitung“, sagt Neumann. Eine solche Übung beraumt er ein bis zwei Mal im Jahr an. Bayer wolle die Nachbarn schließlich nicht dauernd belästigen, sagt er. An diesem Dienstag hat das Unternehmen die Anwohner in der Gartensiedlung vorab informiert.

Das richtige Vorgehen bei einem Brand, der sich nicht löschen lässt

Bei der Übung mssen sich die Zuschauer in sichere Entfernung zurückziehen. © Stefan Milk

Übung für Feuerwehrleute

An der Übung nehmen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr aus Bergkamen, aus Menden und aus anderen Städten teil, außerdem Mitarbeiter des Bayer-Werks in Wuppertal-Elberfeld und von BASF in Münster. Sie lernen, wie Metallakyle auf verschiedene Löschmittel reagieren. Pulver aus einen Pulverlöscher ersticken die Flammen zwar für den Moment, aber nur, wenn es ohne Druck aufgesprüht wird und die Flüssigkeit nicht aufwirbelt. Nur wenige Augenblicke, nachdem der Pulverstrom abgerissen ist, züngeln die Flammen aber weder hoch.

Das richtige Vorgehen bei einem Brand, der sich nicht löschen lässt

Feuerwehr-Chef Martin Neumann zeigt die Pyro-Bubbles, die beim Brand von Metallalkylen zum Einsatz kommen. © Stefan Milk

Kontrolle durch „Pyro-Bubbles“

Die Bayer-Werkfeuerwehr schaufelt sogenannte Pyro-Bubbles auf brennende Metallalkyle. Das sind aufgeschäumte Glaskügelchen. Sie schirmen den Stoff weitgehend vom Luftsauerstoff ab und sorgen dafür, dass das Metallalkyl unter der Schicht kontrolliert ausreagiert. Für Betriebe, die keine Pyro-Bubbles haben, hat Neumann einen Tipp: Sie können auch Streusalz auf den brennenden Stoff schaufeln. Das hat eine ähnliche Wirkung und backt durch die Hitze zu einer festen Schicht zusammen.

Vorbeugen ist besser als Löschen

Einsatz während der Übung

Während der Übung muss ein Teil der Werkfeuerwehrleute ausrücken, weil ein Melder Alarm geschlagen hat. Wenig später kann der Einsatzleiter Entwarnung geben. Die Dämpfe von feuchtem Stickstoff haben einen Melder irritiert. Eine Gefahr bestand nicht. Ernste Vorfälle gibt es selten im Werk. Der Gutachter, der die Sicherheit einmal im Jahr unter die Lupe nimmt, bescheinigt jedes Mal, dass es einer der sichersten Chemie-Standorte weltweit ist, berichtet Neumann stolz.

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