Das Ende des Bergbaus stoppt den Kostenanstieg beim Kanalnetz

dzAbwasserbeseitigung

Bergkamen hat kreisweit die höchsten Abwasserbeseitigungsgebühren. Die gute Nachricht für die Bürger: Sie sollen zumindest nicht mehr dramatisch steigen. Beides hat mit dem Bergbau zu tun.

Bergkamen

, 11.10.2019, 15:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bergkamener leiden seit Jahren darunter, dass sie die mit einigem Abstand höchsten Kanalgebühren im Umkreis zahlen. In keiner Kommune im Kreis Unna ist die Abwasserbeseitigung in teurer und auch in NRW gibt es nur wenige Städte und Gemeinden, die höhere Gebühren haben. Jetzt hat der Stadtbetrieb Entwässerung (SEB) zumindest eine halbwegs gute Nachricht für die Bürger. Sie können davon ausgehen, dass die Abwassergebühren zumindest keine großen Sprünge mehr nach oben machen. „Wir gehen davon aus, dass die Gebühren mindestens stabil bleiben“, sagt Thomas Staschat, der stellvertretende Betriebsleiter des SEB.

Wasser floss in die falsche Richtung

Die hohen Abwassergebühren haben etwas mit dem Bergbau zu tun, ebenso wie der Umstand, dass die Gebühren wohl nicht mehr wesentlich weiter steigen. Wegen der Senkungen, die der Bergbau mit sich brachte, musste die Bergkamener Kanalisation sehr viel schneller wieder erneuert werden als in anderen Städten. „Manchmal mussten wir einen Kanal schon nach 30 Jahren wieder ersetzen, weil das Wasser in die falsche Richtung abfloss“, erklärt Günter Basener vom SEB. Normalerweise gehen die Kanalbauer von einer Lebensdauer von etwa 66 Jahren aus. So lang ist die Abschreibungsfrist für Kanäle. Im Münsterland gibt es auch Kommunen, die damit rechnen könne, dass sie Kanalrohre sogar erst nach 100 Jahren erneuern müssen.

Das Ende des Bergbaus stoppt den Kostenanstieg beim Kanalnetz

Die Tabelle zeigt: In der Region gibt es keine Stadt, bei der die Abwassergebühren so hoch wie in Bergkamen sind. Auch NRW-weit liegt die Stadt in der Spitzengruppe.

Keine neuen Bergsenkungen mehr

Seit das Bergwerk Ost 2010 stillgelegt wurde, gibt es jedoch keinen Bergbau mehr unter Bergkamen. Mittlerweile gibt es auch keine Bergsenkungen mehr. Der SEB hatte sogar schon beantragt, die Messungen zu Veränderungen der Erdoberfläche durch das auf das Satelliten gestützte Verfahren „TRIGIS“ einzustellen. Der verantwortliche Ausschuss stimmte nur deshalb nicht zu, weil er mögliche Veränderungen durch den inzwischen genehmigten Anstieg des Grubenwassers im Auge behalten will.

Der SEB muss mittlerweile nur noch die Schäden durch Bergsenkungen abarbeiten. Neue kommen aller Voraussicht nach nicht mehr dazu. „Wir haben aber noch eine ganze Menge solcher alter Bergschäden“, sagt Staschat.

Bei allen diesen Maßnahmen muss sich auch der Bergbau an den Kosten beteiligen. Die RAG-Stiftung, die diese Kosten nach dem Ende des Steinkohlenbergbaus übernehmen muss, ersetzt allerdings nur den Zeitwert der Abwasseranlagen und nicht die Baukosten für den Neubau. Den beträchtlichen Rest müssen weiterhin die Gebührenzahler tragen – und das lässt die Gebühren nicht so schnell sinken.

Das Ende des Bergbaus stoppt den Kostenanstieg beim Kanalnetz

Der Stadtbetrieb Entwässerung ist mittlerweile dabei, die Bergschäden nach und nach abzuarbeiten. Die RAG-Stiftung muss sich an den Kosten beteiligen. © Boyrs Sarad

SEB begrenzt die Neubaukosten

Der SEB bemüht sich nach Staschats Angaben, die jährlichen Baukosten für die nächsten Jahre auf etwa vier bis fünf Millionen Euro pro Jahr zu stabilisieren, um auch die Gebühren stabil zu halten.

Dabei macht dem Eigenbetrieb der Stadt allerdings mehr und mehr die gute Baukonjunktur zu schaffen. Wegen der großen Nachfrage bei den Baufirmen und den Ingenieurbüros sind auch die Preise für Kanalbaumaßnahmen geradezu explodiert. Der SEB stellt deshalb zurzeit gelegentlich die eine oder Maßnahme zurück, die nicht sofort erforderlich ist, um die jährlichen Kosten und damit auch die Abwassergebühren im Rahmen zu halten, sagt Staschat.

Dafür muss sich der SEB aber jeweils die Zustimmung der Bezirksregierung holen. Sie wacht darüber, dass der Stadtbetrieb das Abwasserkonzept einhält, das er erst im vergangenen Jahr für die kommenden sechs Jahre aufgestellt hat.

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