Das Auto ist oft das größte Problem für die Fußgänger

dzErster Fußverkehrs-Check

Beim ersten Fußverkehrs-Check in Rünthe fallen Bürgern und Experten diverse Mängel auf. Dabei wird auch deutlich: Das größte Problem für Fußgänger ist ein anderes Verkehrsmittel.

Bergkamen

, 01.10.2019, 19:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gehen ist die wohl natürlichste Art für den Menschen, um sich fortzubewegen: Er lernt es schon ganz früh und behält es meist das ganze Leben bei. Trotzdem ist es nicht so einfach in der Stadt zu gehen, denn dabei kommt dem Menschen allzu oft sein liebstes Fortbewegungsmittel in die Quere: das Auto.

Diesen Eindruck konnten Beobachter jedenfalls beim ersten „Fußverkehrs-Check“ gewinnen, zu dem die Stadt Bergkamen und das Fachbüro „Planersozietät“ an diesem Dienstag an die Rünther Straße eingeladen hatten. Schon bei den ersten Stationen entlang der Rünther Hauptstraße, an der Herz-Jesu-Kirche, der Freiherr-von-Ketteler-Schule und der Kreuzung Rünther Straße/Schlägelstraße wurde deutlich: Das Auto stört den Fußgängerverkehr fast überall. An der Grundschule drängeln morgens Elterntaxis bis auf den Gehweg, an der Kreuzung nehmen wilde Parker Fußgängern die Sicht und oft sind Autofahrer zu schnell unterwegs und erzeugen bei Fußgängern, die über die Straße wollen, ein mulmiges Gefühl.

Das Auto ist oft das größte Problem für die Fußgänger

Eine „Elternhaltestelle“ wäre eine mögliche Lösung für den Konflikt mit den sogenannten „Elterntaxis“, die Lara Wohland vorstellte. © Borys Sarad

Vorschläge, um Konflikte zu lösen

Dr. Michael Frehn und Lara Wohland von der Planersozietät versuchten an vielen Stellen Vorschläge zu machen, wie sich Konflikte lösen lassen. Sie schlugen beispielsweise vor, in der Nähe der Schule eine „Elternhaltestelle“ einzurichten, um den Bringverkehr in ungefährlichere Bahnen zu lenken oder Kinder in der betreuten Gruppe als „Walking-Bus“ zur Schule gehen zu lassen.

Frehn mahnte auch, dass Eltern ihren Kindern ihre ersten eigenen Mobilitätserfahrungen machen und sie lieber zu Fuß gehen lassen sollten. Das stieß nicht bei allen auf Verständnis. Eine Mutter gestand, dass sie sich zu viele Sorgen macht, dass ihre Tochter unbeschadet zur Schule kommt.

Die Planer nahmen die Situation für die Fußgänger allerdings auch selbst kritisch in den Blick. Wohland machte deutlich, dass die Gehwege an der Rünther Straße oft zu schmal sind. Wünschenswert wäre eine Breite von 2,50 Metern. An manchen Stellen steht aber gerade einmal etwas mehr als ein Meter zur Verfügung.

Dr. Frehn bemängelte auch, dass es in Rünthe kaum Ruhebänke an den öffentlichen Wegen gibt. „Zur Mobilität gehört gerade für ältere Menschen, dass sie auch einmal eine Ruhepause einlegen können“, sagte er.

Das Auto ist oft das größte Problem für die Fußgänger

Auf dem Weg durch den Ortsteil stießen die Teilnehmer auf viele Dinge, die den Fußgängern das Leben schwer machen. © Borys Sarad

Bürger beklagen dunkle und schlecht ausgebaute Wege

Auf viele Probleme von Fußgängern machten aber auch die Bürger selbst aufmerksam, die zum Fußverkehrs-Check gekommen waren. Der 12 Jahre alte Jeremy Wunderlich beispielsweise bemängelte, das es an dem Fußweg von der Martin-Luther- zur Ringstraße am Sportplatz nur eine Laterne gibt. „Man läuft bei Dunkelheit in ein schwarzes Loch“, sagte er.

Er kritisierte auch den schlechten Zustand mancher Fußwege und Sperren, die sich zwar für Fußgänger, aber nicht für Rollstuhlfahrer umgehen lassen. Seine Oma müsse mit ihrem Elektro-Rollstuhl oft umkehren oder „durch die Matsche fahren“, beklagte er.

Planungsamtsleiter Thomas Reichling freute sich, dass auch viele Bürgern gekommen waren. Er werde Anregungen und Kritik aufnehmen versicherte er.

Um die Stadt wirklich fußgängerfreundlich zu machen, hat er noch viel Arbeit vor sich - vor allem, wenn er den Konflikt zwischen Fußgänger und Auto lösen will. Karlheinz Röcher vom Aktionskreis Wohnen und Leben traf den Nagel wohl auf den Kopf. „Wir haben lange nur für das Auto geplant“, sagte er. „Das anders zu machen wird schwer.“

in einer Woche

Fußgänger-Check auch an der Jahnstraße

Am kommenden Dienstag, 8. Oktober, ist auch ein Fußgänger-Check an der Jahnstraße in Oberaden geplant. Treffpunkt für alle Teilnehmer ist um 17 Uhr vor dem Lidl-Markt an der Jahnstraße. Der Abschlussworkshop zu den Fußgänger-Checks, bei dem Ergebnisse zusammengetragen und bewertet werden sollen, ist am Donnerstag, 14. November, um 17 Uhr im „Treffpunkt“ an der Lessingstraße.
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