Die Corona-Pandemie führt nicht nur dazu, dass sich immer mehr Bergkamener mit dem Virus infizieren. Noch viel mehr sind für zwei Wochen zuhause eingesperrt, weil sie in Quarantäne müssen. © Archiv
Corona-Pandemie

Coronavirus treibt Massen von Bergkamenern in die häusliche Isolation

In Bergkamen grassiert das Coronavirus besonders stark. Das spiegelt sich nicht nur bei der Zahl der Infizierten wider. Die Zahl der Bergkamener, die in Quarantäne mussten, ist gewaltig.

Es gab eine glückliche Zeit in Bergkamen während der Corona-Pandemie: Im März hatte es die ersten Infizierten in der Stadt gegeben. Nach dem Lockdown jedoch gab es in Bergkamen mehrere Wochen lang keinen einzigen Infizierten.

Das hat sich deutlich geändert: Mittlerweile weist Bergkamen nach Lünen die meisten Corona-Fälle im Kreis Unna auf. Erst über das vergangene Wochenende sind in Bergkamen 35 Neuinfektionen festgestellt worden. 345 Bergkamener haben sich insgesamt mit dem Virus infiziert, aktiv infiziert waren Stand Montagnachmittag 121.

Die Willy-Brandt-Gesamtschule in Bergkamen veranstaltet einen alternativen Grundschulelternabend mit einer Videokonferenz: am 12. Februar in der Zeit von 19 bis 20.30 Uhr. © Stefan Milk © Stefan Milk

Viele Schulklassen und Vereine von der Quarantäne betroffen

Noch viel gewaltiger jedoch ist die Zahl der Bergkamener, die in häusliche Quarantäne mussten, weil sie Kontakt mit einem Infizierten hatten. Stand Freitagabend befanden sich 359 Bergkamener in Quarantäne. Seit Beginn der Corona-Pandemie waren es schon 1890. Das entspricht gut der Hälfte der Bevölkerung des Stadtteils Overberge.

Die hohen Zahlen bei der Quarantäne haben vor allem damit zu tun, dass es viele Infektionen bei Schülern, in Sportvereinen und anfangs auch in Kindergärten gab, erklärt Sozial- und Ordnungsdezernentin Christine Busch. Sobald eine Infektion festgestellt wurde, musste die ganze Klasse, die ganze Mannschaft oder die Kindergartengruppe in Quarantäne – einschließlich der Betreuer.

Zurzeit befindet sich beispielsweise eine ganze Klasse der Overberger Grundschule in Quarantäne, in der es einen Infektionsfall gegeben hatte. Die Corona-Tests an den Mitschülern fielen bisher negativ aus.

Seit dem Massenausbruch von Corona-Infektionen bei Tönnies findet Bergkamen keine Ruhe mehr. Viel zu häufig fällt der Corona-Test positiv aus. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Seit dem Ausbruch bei Tönnies steigen die Zahlen in Bergkamen

Einen eindeutigen Grund, warum die Infektionszahlen in Bergkamen höher sind als in fast allen Städten im Kreis Unna, kann Busch nicht ausmachen. „Wir hatten keine große Feier oder eine andere Veranstaltung, die zu vielen neuen Infektionen geführt haben“, sagt sie.

Die Veranstalter zum Beispiel im Event-Center in Rünthe hätten immer ordnungsgemäß ein Hygienekonzept, eine beschränkte Anzahl von Teilnehmern und eine Teilnehmerliste gehabt. „Das haben wir auch kontrolliert“, sagt die Dezernentin.

Den Beginn der erneuten Infektionswelle registrierte die Stadt im Juni, als es zu den Massen-Infektionen in fleischverarbeitenden Betrieben kam – bei Westfleisch und vor allem bei Tönnies. Von beiden Betrieben gab es Mitarbeiter in der Stadt, die sich infizierten und Angehörige ansteckten. „Tönnies war unsere erste große Welle“, sagt Busch. Damals habe es erstmals massenhaft Menschen gegeben, die in Quarantäne mussten.

Wenn der Bescheid vom Gesundheitsamt kommt und der eigene Balkon, der einzige Bereich ist, um aus der Wohnung zu kommen: Bis Ende der vergangenen Woche mussten fast 1900 Bergkamener in Quarantäne. © privat (Archiv) © privat (Archiv)

Im Moment sind die kleinen Treffen und Feiern die Treiber

Danach kamen die Ferien und damit die Reiserückkehrer, die das Virus aus dem Ausland mitbrachten. „und zwar aus ganz unterschiedlichen Ländern. Wir konnten keinen Schwerpunkt feststellen“, sagt die Dezernentin.

Zurzeit sind es nicht die großen Feiern wie in Hamm, die dafür verantwortlich sind, dass die Infiziertenzahlen in Bergkamen so exorbitant steigen. Durch die aus dem Ruder gelaufene Hochzeitsfeier in Hamm hätten sich höchstens ein oder zwei Familien in Bergkamen infiziert, die Kontakt hatten, meint Busch. „Da war Tönnies schlimmer.“

Die Treiber bei den hohen Infektions- und Quarantänezahlen jetzt vielmehr die vielen kleinen Feiern und Zusammenkünfte. „Zurzeit macht uns jeder Kindergeburtstag Sorgen“, sagt Christine Busch. Solche Treffen und Feiern sind mittlerweile fast immer drinnen – und damit steigt auch die Infektionsgefahr.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann

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