Drei Menschen aus Bergkamen sind mit dem Coronavirus infiziert. Nun wird bekannt: Alle drei Fälle hängen zusammen. Die betroffene Kita bleibt bis 18. März geschlossen. Insgesamt gibt es im Kreis Unna vier bestätigte Covid-19-Fälle.

Kreis Unna

, 08.03.2020, 10:08 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die evangelische Kita Arche Noah in Bergkamen-Rünthe sowie die Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule in Heil bleiben vorläufig geschlossen. Zudem befindet sich eine Klasse der Kettelerschule in Quarantäne. Das ist die Konsequenz aus dem Fall einer vierköpfigen Familie, die bis auf die Mutter mit dem Coronavirus infiziert ist.

Die Familie aus Bergkamen soll in Hamburg Kontakt zu einer Person gehabt haben, die an Covid-19 erkrankt ist. Ein Kind der Familie besucht die Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule – das ist jene Förderschule, für die das Kreisgesundheitsamt in Unna am Freitag eine vorsorgliche Schließung für Montag und Dienstag (9./10. März) angekündigt hatte.

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Ein weiteres Kind der Familie geht in den evangelischen Kindergarten Arche Noah. Dabei handelt es sich offenbar um jenen Kindergarten, dessen vorsorgliche Schließung das Kreisgesundheitsamt am Samstag für Montag angekündigt hatte – jedoch ohne den Namen der Kita zu nennen. Neben den beiden Kindern der Familie soll auch der Vater infiziert sein, aber nicht die Mutter. Eine Sprecherin des Kreisgesundheitsamt wollte die Angaben am Sonntag weder bestätigen noch dementieren. Pfarrerin Sophie Ihne von der Martin-Luther-Kirchengemeinde bestätigte jedoch, dass ein Kind aus dem zur Gemeinde gehörenden Kindergarten erkrankt sei. „Es wird geschaut, das mit allen Kindern Kontakt aufgenommen wird“, sagte sie. Die Leiterin der Kita Arche Noah stehe in Kontakt zum Gesundheitsamt. Laut einem Aushang auf der Eingangstür bleibt die Einrichtung an der Rünther Straße bis 18. März geschlossen. Insgesamt 43 Kinder besuchen den Kindergarten, der über zwei offene Gruppen verfügt.

Rund 100 mögliche Kontaktpersonen

Bürgermeister Roland Schäfer (SPD) erfuhr am Samstag durch Landrat Michael Makiolla (SPD) von dem Fall der Bergkamener Familie. Diese Information reichte er an die für Schulen und Kindergärten zuständige Beigeordnete Christine Busch weiter. Schäfer erfuhr auch, dass der Kreis dabei sei, die Kontaktpersonen der Infizierten zu ermitteln. Dabei soll es sich um rund 100 mögliche Kontaktpersonen handeln. Es sei die klare Ansage des Kreises, dass es für weitere Maßnahmen keine Veranlassung gebe, sagte Schäfer am Sonntag im Gespräch mit der Redaktion.

Der Bürgermeister sieht sich derzeit nicht in der Verantwortung, vorsorglich städtische Veranstaltungen abzusagen und städtischen Einrichtungen zu schließen. Er selbst besuchte am Sonntag die Matinee zum Internationalen Frauentag. „Wir haben im Kreis Unna ein gut funktionierendes Gesundheitsamt, das in erster Linie zuständig ist und entscheidet, wenn es größere Entwicklungen gibt wie jetzt“, sagte das Stadtoberhaupt.

Die bekannten hygienischen Vorsichtsmaßnahmen reichen aus Sicht Schäfers aus. „Es gilt, was seit Jahren gilt zu jeder Grippesaison: Immer die Hände waschen und Abstand halten zu anderen, wenn man selbst krank ist und Fieber hat.“ In Anspielung auf teilweise leere Supermarktregale sagte Schäfer: „Mein Tipp: Toilettenpapier hilft nicht gegen das Coronavirus.“

Kirchenkreis Unna veröffentlicht Erklärung

Der Evangelische Kirchenkreis Unna veröffentlichte am Sonntagabend eine Erklärung zu dem Fall der Kita in Bergkamen. Darin heißt es: „Die Untersuchung all derer, die in direktem Kontakt zu dem infizierten Kind standen, erfolgt durch das Gesundheitsamt, mit denen die Einrichtungsleitung sowie die Leitung des Kindergartenwerkes in engem Kontakt stehen. In der Zwischenzeit wird die Einrichtung gereinigt und desinfiziert. Weitere Auskünfte können erst in den nächsten Tagen erfolgen, wenn weitere Erkenntnisse auch über mögliche weitere Infektionen vorliegen.“

Quarantäne für Schulklasse an der Kettelerschule

Unterdessen gab die Freiherr-von-Ketteler-Grundschule auf ihrer Internetseite bekannt, dass sich die Kinder der Klasse 3c und ihre Klassenlehrerin auf Anordnung des Gesundheitsamts bis 16. März in Quarantäne befinden. Diese hatten offenbar im Rahmen des Projekts „Bücherkumpel“ Kontakt zu dem infizierten Kita-Kind aus der Arche Noah. Für alle anderen Kettelerschüler findet der Unterricht statt.

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Neue bestätigte Fälle seit Samstag bekannt

Seit Samstag ist klar, dass das Coronavirus Bergkamen erreicht hat. Positive Testergebnisse von „drei Personen“, die in Bergkamen wohnen, erreichten das Gesundheitsamt in Unna. Die Behörde nannte keine Einzelheiten wie Alter und Geschlecht der Infizierten sowie den familiären Zusammenhang. In einem der drei Fälle handle es sich um eine Person „aus dem Umfeld“ der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule in Heil. Die Bergkamener Förderschule bleibt am Montag und Dienstag geschlossen. Das hatte das Gesundheitsamt in Abstimmung mit der Schulleitung bereits am Freitag entschieden, als klar war, dass es Kontakte zu einer infizierten Person außerhalb des Kreises Unna gab.

Fall aus Umfeld einer Kita

Eine andere infizierte Person stammt zudem „aus dem Umfeld“ der vom Gesundheitsamt ungenannten Kita, die am Montag ebenfalls geschlossen bleibt. Um welche Kita es sich handelt, wollte Kreissprecherin Birgit Kalle am Samstag nicht sagen. Das Gesundheitsamt habe entschieden, die Kita zunächst am Montag, 9. März, zu schließen, um über weitere Maßnahmen zu entscheiden. Die betroffene Kita sei informiert, heißt es auf der Internetseite des Kreises. Zum Fall der dritten infizierten Person aus Bergkamen machte das Gesundheitsamt am Samstag keine weiteren Angaben.

Vier bestätigte Fälle im Kreis Unna

Im gesamten Kreis Unna steigt die Zahl der betätigten Corona-Fälle damit auf insgesamt vier. Bisher gab es den einzigen bestätigten Fall in Unna, eine 61-jährige Frau. „Jeder kann durch besonnenes Verhalten dazu beitragen, dass sich das Coronavirus nicht weiter ausbreitet“, erklärte Kreis-Gesundheitsdezernent Uwe Hasche und verwies auf die allgemeinen Hygieneregeln wie regelmäßiges gründliches Händewaschen und auf die Husten- und Nies-Etikette.

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