Hohe Infektionszahlen in Bergkamen: Stadt wirkt ratlos

dzCorona-Pandemie

Auch die Stadtverwaltung ist alarmiert über die hohen Corona-Infektionszahlen in Bergkamen – und die vielen Bürger in Quarantäne. Sie versucht jetzt, der Ursache auf die Spur zu kommen.

Bergkamen

, 18.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Allein die Zahlen sind alarmierend: Zurzeit befinden sich fast 700 Bergkamener in Quarantäne, entweder weil sie selbst mit dem Coronavirus infiziert sind oder weil sie Kontakt mit einem Infizierten hatten.

Allein diese Kontaktpersonen machten am Dienstagabend 545 der insgesamt 693 Bergkamener aus, die unter Quarantäne stehen. Zudem hatte die Stadt am Dienstag mit 40 die höchste Zahl an Neuinfektionen im Kreis – noch vor Lünen und Unna.

Jetzt lesen

Das Fatale: Die Ursache dafür ist unklar und die Stadtverwaltung sieht auch keine zusätzlichen Einflussmöglichkeiten, um auf die Entwicklung Einfluss zu nehmen. Bürgermeister Bernd Schäfer (SPD) denkt darüber nach, sich mit einer eindringlichen Video-Botschaft an die Bergkamener zu wenden. Sie sollen ihre Kontakte mit anderen Menschen auf das unbedingt Notwendige beschränken, um die Infektionen zu stoppen.

Wer in Quarantäne ist, kann sich Einkäufe nur noch von Nachbarn oder Freunden vor die Tür stellen lassen. In Bergkamen befinden sich knapp 700 Menschen in dieser Situation.

Wer in Quarantäne ist, kann sich Einkäufe nur noch von Nachbarn oder Freunden vor die Tür stellen lassen. In Bergkamen befinden sich knapp 700 Menschen in dieser Situation. © picture alliance/dpa

Auch die für Maßnahmen zuständige Dezernentin Christine Busch sieht wenig Möglichkeiten, darüber hinaus Einfluss auf die Infektionszahlen zu nehmen. „Es gibt keine Veranstaltungen mehr, wir haben die Gastronomie auf Liefer- und Abholservice eingeschränkt und die Kultur auf Null gefahren“, zählt sie auf.

Das Ordnungsamt kontrolliere, dass es zu keinen unangemeldeten Veranstaltungen kommt – wie jüngst der Party, die an der Halde geplant war. Außerdem gibt es Kontrollen, das sich alle an die Quarantäne-Auflagen halten.

Jetzt lesen

Aus einer Videokonferenz mit den anderen Dezernenten aus dem Kreis Unna einschließlich Kreis-Gesundheitsdezernent Uwe Hasche hat sie mitgenommen, dass es wohl vor allem im privaten Bereich zu Infektionen kommt. Betroffen sind auch Familien mit vielen Kindern. „Wir reden hier allerdings von großen Familien im mitteleuropäischen Maßstab – mit drei oder vier Kindern“, sagt Busch.

Erhebung, wo es die meisten Infizierten gibt

Deutlich mehr Erkenntnisse erhofft sich Busch von einer Erhebung, wie sich die Infektionen in Bergkamen verteilen. Bei dieser „sozialräumlichen Analyse“ geht es darum, ob die Infektionen in bestimmten Siedlungsbereichen häufiger auftreten als in anderen.

Bis die Daten vorliegen, wird jedoch noch einige Zeit vergehen. Die Stelle des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin, die diese Daten erhebt, soll in den nächsten Tagen besetzt werden, kündigt Busch an. Zurzeit gebe es noch keine gesicherten Erkenntnisse, sagt sie.

Jetzt lesen

Auch an diesem Mittwoch gab es keine Trendumkehr. Mit 28 festgestellten Neuinfektionen bleibt das Infektionsgeschehen in Bergkamen weiterhin hoch. Da 14 Menschen als genesen gelten, liegt die Zahl der aktiv infizierten Bergkamener nun bei 246.

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen