Das Kreis-Gesundheitsamt will schnell Sicherheit und lässt alle testen, die mit den drei neuen Corona-Infizierten in Kontakt gekommen sind. Der größte Teil der rund 200 Betroffenen sind Kinder.

Bergkamen

, 09.03.2020, 18:23 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Kreis-Gesundheitsamt will schnell sicher sein, ob sich weitere Menschen bei den mit dem Coronavirus infizierten angesteckt haben. Am Wochenende war bekannt geworden, dass sich drei Mitglieder einer Familie in Rünthe mit dem Virus infiziert haben – ein Vater und seine beiden Kinder. Die Mutter ist nicht infiziert.

Die beiden Kinder besuchen den evangelischen Arche-Noah-Kindergarten in Rünthe und die Friedrich-von-Bodelschwingh-Förderschule in Bergkamen-Heil. Beide sind zurzeit geschlossen. Außerdem sind die Schüler der Klasse 3c der Freiherr-von-Ketteler-Grundschule in Bergkamen-Rünthe bei einem gemeinsamen Projekt mit den Kindergarten-Kindern in Kontakt gekommen.

Die Freiherr-von-Ketteler-Schule informierte Eltern auf ihrer Homepage über die Situation. Obwohl nur eine Klasse betroffen ist, behielten manche Eltern ihre Kinder möglicherweise vorsichtshalber zuhause.

Die Freiherr-von-Ketteler-Schule informierte Eltern auf ihrer Homepage über die Situation. Obwohl nur eine Klasse betroffen ist, behielten manche Eltern ihre Kinder möglicherweise vorsichtshalber zuhause. © Borys Sarad

Häusliche Quarantäne für die gesamte Familie

Da die Kinder bei ihren Familien sind, gilt auch für sie die häusliche Quarantäne, bis die Ergebnisse der Tests vorliegen.

Wie Sprecher Max Rolke vom Kreis Unna sagte, sollen die Grundschüler an diesem Dienstag auf eine Infektion getestet werden. Dazu sollen sie in den Pavillon der verlässlichen Grundschule kommen. Das Gesundheitsamt erwartet am Donnerstag die Ergebnisse.

Eine Klasse der Freiherr-von-Ketteler-Schule hatte im Rahmen eines Projekts Kontakt zu den Kindergarten-Kindern.

Eine Klasse der Freiherr-von-Ketteler-Schule hatte im Rahmen eines Projekts Kontakt zu den Kindergarten-Kindern. © Borys Sarad

Mobile Tester für die Kindergarten-Kinder

Unterdessen ist das mobile Team des Kreis-Gesundheitsamtes unterwegs, um auch die Kindergartenkinder und die Erzieherinnen zu testen. Auch die Schüler und Lehrer der Bodelschwinghschule, die mit dem infizierten Schüler in Kontakt gekommen sind, sollen getestet werden.

Der Vorteil an dem Verfahren: Bei allen Betroffenen und ihren Familien die nachweislich nicht infiziert sind, kann die Quarantäne sofort wieder aufgehoben werden. Bisher ist zu den bisher bekannten vier Corona-Fällen im Kreis Unna kein weiterer hinzugekommen.

Die Schule informierte auch über einen Aushang, wo die Kinder aus der Klasse 3c außerhalb des Schulgebäudes zum Test kommen sollen.

Die Schule informierte auch über einen Aushang, wo die Kinder aus der Klasse 3c außerhalb des Schulgebäudes zum Test kommen sollen. © Borys Sarad

Gesundheitsamt geht von 200 Kontaktpersonen aus

Rolke geht davon aus, dass es sich um etwa 200 Kontaktpersonen handelt, die dem Test auf eine Corona-Infizierung unterzogen werden. Allein an der Bodelschwinghschule sind das rund 80 Schüler und 20 Lehrer. Da sich unter diesen Umständen ein regulärer Unterricht nicht aufrecht erhalten lässt, hat der Kreis die Schließung der Bodelschwinghschule bis Montag, 16. März, verlängert. Eigentlich sollte sie schon am Mittwoch wieder den Unterricht aufnehmen. Der Kindergarten ist ohnehin schon bis zum 18. März geschlossen.

Schulleiterin Heike Prochnow von der Freiherr-von-Ketteler-Schule in Rünthe hat an diesem Montag mehr Krankmeldungen registriert als sonst. Sie geht davon aus, dass möglicherweise einige Eltern ihr Kind aus Angst vor dem Virus zuhause behalten haben. Von den Kindern aus der Klasse 3c hat noch keines Symptome einer Infektion.

Die Friedrich-von-Bodelschwinghschule in Heil ist bis zur kommenden Woche geschlossen, weil Schüler und bis zu 20 Lehrer Kontakt zu einem infizierten Schüler gehabt haben könnten.

Die Friedrich-von-Bodelschwinghschule in Heil ist bis zur kommenden Woche geschlossen, weil Schüler und bis zu 20 Lehrer Kontakt zu einem infizierten Schüler gehabt haben könnten. © Borys Sarad

Mehrere Veranstaltungen abgesagt

Als Folge der neuen Virusinfektionen sind in Bergkamen auch eine Reihe von Veranstaltungen in den kommenden Tagen abgesagt worden. Das Jobcenter Kreis Unna beispielsweise hat die „Messe Marktplatz Ausbildung“ vorerst abgesagt. Sie war für den kommenden Donnerstag, 12. März, im Ratstrakt geplant. Auch in diesem Fall ist die Sorge wegen des Coronavirus der Grund, wie die Pressesprecherin des Jobcenters, Katja Mintel, sagte. Die Messe wollte das Jobcenter zusammen mit 25 regionalen Unternehmen, dem Multikulturellen Forum und der Stadt Bergkamen veranstalten.

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Abgesagt ist auch der Kameradschaftsabend der Feuerwehr am kommenden Samstag, 14. März, in der Realschule Oberaden und das Fest des Fördervereins des Bachkreises Bergkamen.

Zum Bachkreis gehören zwei Jugendsinfonieorchester mit Schülerinnen und Schülern des Städtischen Gymnasiums und der Musikschule Bergkamen. Der Verein wollte am 20. März sein 40-jähriges Bestehen feiern. Kurz nach der Ankündigung folgte allerdings schon wieder die Absage. Das Fest ist allerdings nur verschoben, wie der Vorsitzende des Vereins, Peter Schäfer, betonte.

Stadtjugendring entscheidet über Theaterfestival

Die Stadt Bergkamen legt außerdem dem Stadtjugendring nahe, auch das für Samstag geplante Theaterfestival abzusagen. Die endgültige Entscheidung soll an diesem Dienstagmorgen fallen.

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Es gibt jedoch keine Veranstaltungen in Bergkamen, zu der mehr als 1000 Menschen erwartet werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte empfohlen, sie abzusagen. Kleinere Veranstaltungen wie eine Ausstellungseröffnung in der Galerie sohle 1 sind deshalb bisher noch nicht abgesagt.

Hausmeister sollen Bestand an Seife und Desinfektionsmitteln prüfen

Der Bürgermeister will die Hausmeister anweisen, darauf zu achten, dass in allen städtischen Gebäuden ausreichend Seife, Desinfektionsmittel und Papierhandtücher vorhanden sind, wie er nach einer Sitzung des Verwaltungsvorstandes sagte. Die städtischen Beschäftigten sollen noch einmal an Hygienievorschriften erinnert werden. Außerdem rät Bürgermeister Roland Schäfer Besuche bei Behörden, bei denen Andrang zu erwarten ist, wenn möglich zu verschieben.

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