Eine Schülerin macht vor einem Testzentrum einen vorderen Nasenabstrich bei sich: Auch in den Bergkamener Schnelltestzentren besteht die Möglichkeit, dass Kinder sich selbst testen. (Symbolfoto) © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Coronavirus

Corona-Schnelltests bei Kindern: Hier werden sogar Einjährige getestet

Als Erwachsener ist es mittlerweile kein Problem, sich auf das Coronavirus testen zu lassen. Vielerorts geht das auch spontan. Aber wie sieht das eigentlich bei Kindern aus?

Erwachsene wissen, was sie bei einem Coronatest erwartet und dass er auch mal unangenehm sein kann. Dass eine fremde Person ein Stäbchen in die Nase oder den Mund einführt, gehört für viele mittlerweile schon zum Alltag dazu. Etwas sensibler reagieren manche Kinder auf den Schnelltest. Während manche tapfer sind, sind andere ängstlich – oder haben keine Lust auf den Test.

Das Personal in den Bergkamener Testzentren geht mit Kindern deshalb auch anders um als mit den Erwachsenen. „Wenn Eltern mit ihren Kindern kommen, dann bieten wir an, dass die Eltern ihre Kinder testen, dass die Kinder sich selbst testen oder dass das Personal testet“, erklärt Stefanie Prisco vom Monkey Island.

Kindern wird die Wahl gelassen, weil manche ängstlich sind.

Die Tests seien für den vorderen Nasenbereich, aber auch für den hinteren Nasen- und den Rachenbereich zugelassen. Wenn ein Kind es aushält, wird auch im hinteren Bereich getestet, um ein sicheres Ergebnis zu erzielen. Es komme aber auf das Kind an, wie genau getestet wird, sagt Prisco.

Testet nicht das Personal, dann schaut es zumindest genau hin, damit die Kinder bzw. die Eltern das Stäbchen richtig in die Nase führen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die meisten Kinder noch nicht wissen, wie es geht und das kann zu falschen Ergebnissen führen“, erklärt sie. Deshalb wird genau hingeschaut.

In der Kinderspielhalle am Häupenweg, in dem die Kinder viel lieber toben würden, als sich auf das Coronavirus testen zu lassen.

Getestet würden Kinder ab sechs Jahren, erklärt Prisco. Der Grund dafür ist, dass in den meisten Geschäften Kinder, die über sechs Jahre alt sind, einen negativen Test benötigen.

Auf dem Parkplatz des Wellenbads werden Kinder ab sieben Jahren sicher getestet. Bei jüngeren Kindern entscheidet das Personal vor Ort, ob es das Kind testet, erklärt Oliver Gerhardt vom Unternehmen Covimedical. Da die Tests für Kleinkinder unangenehm sein könnten, empfiehlt er für sie den Test beim Arzt.

In der Schützenheide werden auch schon Einjährige getestet

Altersbegrenzungen gibt es aber nicht in jedem Schnelltestzentrum in Bergkamen. „Das jüngste Kind bisher war ein Jahr alt“, erzählt zum Beispiel Christian Langhorst, der Vorsitzende des Schützenvereins Kamen. Der Verein führt in der Schützenheide Schnelltests ohne Altersbeschränkungen durch und hat sich auch mit dem Gesundheitsamt abgesprochen, wie Langhorst berichtet.

„Weil wir die Tests in der Mundhöhle vorne abnehmen, sind für Kinder keine Gefahren zu erwarten“, sagt Langhorst. Doch auch hier gibt es die Möglichkeit, dass die Eltern den Test durchführen, die Mitarbeiter erklären dann, wie es gemacht wird. „Das ist dann nicht anders als ein Lutscher im Mund“, sagt Langhorst.

Standortleiter Helge Walter vom „Monkey Island“ führt bei Betriebsleiter Martin Gadek als Demonstration einen Coronatest durch. Die Kinder-Spielhalle ist Bergkamens drittes Schnelltest-Zentrum.
Standortleiter Helge Walter vom „Monkey Island“ führt bei Betriebsleiter Martin Gadek als Demonstration einen Coronatest durch. Die Kinder-Spielhalle ist Bergkamens drittes Schnelltest-Zentrum. © Stefan Milk © Stefan Milk

Die Kinder, die bisher in der Schützenheide getestet wurden, hätten das gut mitgemacht und seien nachher froh und glücklich über den Lolli gewesen, den sie bekamen. „Ich glaube sie machen sich weniger Gedanken als alle anderen“, so Langhorst. Aktuell sei am Schnelltestzentrum der Schützen viel los, weil das Zentrum am Wellenbad-Parkplatz vorerst keine Termine mehr vergibt. Aber durch die schnellen Abläufe müssen die Testlinge trotzdem nicht lange warten. Höchstens eine Viertelstunde, schätzt Langhorst.

Das Personal entscheidet vor Ort, ob Kinder bei Poco getestet werden

Auch im neuen Drive-In-Schnelltestzentrum am Poco-Markt gibt es keine Altersregelung. Das Personal entscheidet vor Ort, ob es ein Kind testet. „Wenn ein Kind weint und nicht will, dann zwingt das Personal es nicht, das Stäbchen in die Nase gesteckt zu bekommen“, erklärt Tobias Schreurs von der Firma Schreurs Consulting, die das Testzentrum leitet. Das Personal sei extra dafür geschult und soll je nach Situation entscheiden, ob es einen Test für richtig hält oder nicht.

Die Erfahrungen mit den Kindern, die bis jetzt dort getestet wurden, seien bisher aber gut gewesen, sagt Schreurs. Auch bei Poco werden die Abstriche im vorderen Nasebereich genommen. Das seien nur eineinhalb Zentimeter. „Und vor Ort gibt es Gummibärchen für die Kinder. Dann ist alles gut“, sagt Schreurs.

Zwei Tests pro Woche für Kitakinder und Erzieherinnen

Viele Kinder scheinen die Tests also gut mitzumachen und zur Not schiebt Mama oder Papa das Stäbchen vorsichtig in die Nase, wenn es nicht das Personal machen soll. An die Tests und komische Stäbchen in der Nase müssen sich die Kleinen künftig wohl oder übel gewöhnen, auch wenn sie nicht mit den Eltern in ein Geschäft gehen oder ein Besuch bei den Großeltern ansteht.

Denn seit dieser Woche sollen sowohl Erzieherinnen, Tagespflegepersonal als auch die betreuten Kinder zweimal pro Woche getestet werden. Familienminister Joachim Stamp (FDP) kündigte an, dass entsprechend kostenlose Tests zur Verfügung gestellt werden. Eltern sollen ihre Kinder dann testen, bevor sie ihre Kinder in die Kita bringen.

Am Montag hatten manche Bergkamener Kitas schon Tests vorliegen, andere noch nicht. Die Awo hat am Montag zum Beispiel noch keine Tests bekommen und konnte deshalb noch nichts Näheres zu den Testungen sagen.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott

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