Corona-Quarantäne bedroht Existenz von Tagesmüttern – die Stadt hilft vorübergehend

dzKinderbetreuung

Vielen Tagesmüttern steht das Wasser bis zum Hals. Muss ein Familienmitglied in Quarantäne, dürfen sie keine fremden Kinder mehr betreuen. Die Stadt bezahlt sie nun weiter – als Zwischenlösung.

Bergkamen

, 18.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erleichterung herrscht bei den Bergkamener Tagesmüttern. „Das ist die unkomplizierteste und beste Lösung für den Moment“, ist Simone Pelzer, Vorsitzende des Vereins für familiäre Kindertagesbetreuung der Stadt Bergkamen für eine ganz besondere Entscheidung dankbar. Doch die Baustelle bleibt, sagt sie – und das bestätigt auch die zuständige Beigeordnete Christine Busch: „Ich erwarte, dass sich Minister Stamp darum kümmert, wie die Situation entspannt werden kann.“

Tagesmütter haben Existenzängste

Vielen Tagesmüttern steht das Wasser in diesen Tagen nämlich bis zum Hals, oder sogar bis zur Unterlippe, wie es die Sprecherin des Arbeitskreises Bergkamener Tagesmütter vor wenigen Tagen noch formulierte. Und das Problem betrifft deutschlandweit rund 3000 Frauen und Männer richtig hart, wie der Bundesverband der Tagespflegepersonen ebenfalls anmerkte: Müssen Mitglieder eines Haushaltes in Quarantäne, dürfen keine fremden Personen in denselben Haushalt kommen.

Das hindert Tagesmütter und -väter, die zuhause fremde Kinder betreuen, an der Ausübung ihres Berufs. Und wo keine Betreuungsleistung erbracht wird, fließt in der Regel auch kein Geld dafür. Für Alleinverdiener ist das ein existenzielles Problem.

Wenn in der Familie einer Tagesmutter jemand unter Quarantäne steht, darf sie keinen fremden Kinder mehr betreuen. Das führt zu Existenzängsten.

Wenn in der Familie einer Tagesmutter jemand unter Quarantäne steht, darf sie keinen fremden Kinder mehr betreuen. Das führt zu Existenzängsten. © picture alliance/dpa

Stadt gewährt Lohnfortzahlung

Innerhalb der Verwaltung der Stadt Bergkamen hat man sich deshalb darauf geeinigt, die Tagesmütter nicht hängen zu lassen. „Da geht es darum, dass sich jemand den Lebensunterhalt verdient – und nicht, dass er sich den Porsche leisten kann“, bringt es Christine Busch auf den Punkt. An einer Regel, die in Bergkamen schon immer vertraglichen Bestand hatte, wird auch jetzt unter Corona-Bedingungen festgehalten - und sie wird leicht erweitert angewandt: Denn im persönlichen Krankheitsfall wird eine sechswöchige Lohnfortzahlung gewährt.

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Eine behördliche Quarantäne-Anordnung wird dem nun gleichgestellt Doch auch Busch weiß, dass die sechs Wochen zum Jahresende oft verbraucht sind - erst Recht, wenn es um 14 Tage Quarantäne geht: „Unter Vorbehalt zahlen wir daher weiter, auch wenn die sechs Wochen aufgebraucht sind“, erklärt Busch.

Warten auf Antwort vom Landesjugendamt

Das entlastet die Tagesmütter zwar enorm, das Problem selbst ist aber nicht gelöst. „Wir warten auf eine Antwort vom Landesjugendamt, wie man künftig damit umgehen will“, erklärt Busch. Die Konstellation und Problematik sei dort bekannt, aber eine Lösung wohl noch nicht gefunden.

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„Es gibt aber auch alle 14 Tage eine neue Frage, auf die es eine Antwort geben muss“, zeigt Busch durchaus Verständnis, dass Corona plötzlich alle mit Situationen konfrontiere, die es vorher noch nie gab. „Aber auch das ist ein spezielles Thema, das jedoch viele betrifft. Und ich bin sicher: Auch im nächsten Jahr werden wir noch Quarantäne-Zeiten haben“, sagt Busch. Sie fordert daher, dass es für Corona äquivalente Maßnahmen zu existierenden Anordnungen bei Krankheiten wie Scharlach oder Masern gibt.

Alternative Regelungen wir bei Scharlach oder Masern

Bis so etwas jedoch entwickelt ist, will die Stadt ihre Tagesmütter „nicht im Regen stehen lassen. Wir bemühen uns, die Dinge gängig zu machen“, sagt Busch, die den guten Kontakt zu den Tagesmüttern betont. Und mit Blick auf Düsseldorf sieht Busch, dass das Thema Schule und Kinderbetreuung auch dem Ministerpräsidenten unter den Nägeln brennt: „Die wissen, dass der Baum brennt“, ist Busch überzeugt.

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