Maske als Fluch und Segen: Wo der Corona-Schutz den Alltag erschwert

dzMit Umfrage

Masken unterstützen den Kampf gegen die Corona-Pandemie. Das ist wissenschaftlich bewiesen. Und doch stören sie an manchen Stellen auch einfach. Wir haben uns umgehört – und wollen Ihre Meinung wissen.

Bergkamen

, 13.11.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alltagsmasken helfen im Kampf gegen die Corona-Pandemie – das hat unter anderem eine Studie im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO ergeben. Sie sind neben Abstand halten und Hygienemaßnahmen wichtig, um die Ansteckungsgefahr zu mindern.

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Daran haben zwar manche Zweifel, die meisten halten sich aber an die Regeln. An dieser Stelle soll der Nutzen von Alltagsmasken nicht in Frage gestellt werden. Doch es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Masken den Alltag in manchen Berufsgruppen erschweren und es Menschen gibt, die in dieser Zeit mehr leisten oder einen kreativen Umgang dafür finden mussten. Vor allem dort, wo sie den ganzen Tag getragen werden müssen, ist der Alltag nicht immer einfach. Und es macht auch einen Unterschied, welche Masken getragen werden.

Ein paar Beispiele:

PflegerInnen in Altenheimen schwitzen unter FFP2-Masken

Während man unter Stoffmasken einigermaßen normal atmen kann, ist das bei sogenannten FFP2-Masken anders. Sie dienen vor allem dem Schutz der Träger und enthalten einen Filter, der Partikel aus der Luft abhalten kann. Der Filter sorgt jedoch auch für einen Widerstand und erschwert das Atmen.

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Das ist besonders bei körperlich anstrengender Arbeit eine zusätzliche Belastung – zum Beispiel in Pflegeheimen. Dort kommt es vor, dass etwa an Demenz erkrankte Bewohner keine Maske tragen möchten. „Sie fühlen sich dadurch eingeschränkt“, erklärt der Leiter des Herrmann-Görlitz-Seniorenheims, Ludger Moor. Der Wunsch der Politik sei zwar, dass bei der Pflege alle eine Maske tragen, aber das sei nicht immer möglich. Ein weiterer Aspekt sei, dass die Senioren die Pfleger durch die schweren Masken schlechter verstehen und die Mimik nicht mehr so gut wahrnehmen.

Gefühle hinter der Maske verbergen

Das ist auch ein Punkt, den die Verhaltenstherapeutin Sabrina Heuser zu spüren bekommt. In den Sitzungen, die nicht digital, sondern noch persönlich stattfinden, ist sie durch eine Plexiglasscheibe von ihren Patienten getrennt. Und seitdem die Zahlen wieder ansteigen, tragen beide zusätzlich eine Maske.

Für das Foto hat Therapeutin Sabrina Heuser die Maske abgenommen, doch sonst tragen sie und auch ihre Patienten während der Sitzungen eine Maske. Das erschwert der Psychologin das Deuten der Mimik.

Für das Foto hat Therapeutin Sabrina Heuser die Maske abgenommen, doch sonst tragen sie und auch ihre Patienten während der Sitzungen eine Maske. Das erschwert der Psychologin das Deuten der Mimik. © Marcel Drawe

Heuser will den größten Schutz für sich und ihre Patienten. Doch gerade bei neuen Patienten, die sie noch nicht so lange kennt, erschwert die Maske die Arbeit. Bei bekannten Patienten könne sie schon viel an den Augen ablesen, aber bei neuen sei die Mimik mit Maske einfach schwieriger einzuschätzen.

„Es ist wichtig in der Therapie, Gefühle zu akzeptieren und hochkommen zu lassen und sie nicht wegzudrücken. Wenn ich nicht mitbekomme, dass da ein Gefühl ist, weil zum Beispiel die Unterlippe zittert, dann ist das schade“, erklärt sie. In diesem Punkt sei die Videotherapie von Vorteil, weil sie ihre Patienten dann wenigstens ohne Maske sehen kann.

Bartschneiden mit FFP2-Maske und Visier macht keinen Spaß

Auch Friseure müssen den ganzen Tag eine Alltagsmaske tragen und bei ihren Kunden drumherum schneiden. „Wir haben uns total daran gewöhnt und keine Probleme damit“, sagt Britta Garand vom Salon Mecklenbrauck. Wird am Ohr geschnitten, hält der Kunde einfach die Maske kurz fest und das Bändchen wird gelöst, damit es nicht versehentlich durchgeschnitten wird. „Da haben wir mittlerweile Routine“, so Garand.

Friseure tragen Masken, genau wie die Kunden. Das ist beim Haare schneiden kein Problem. Geht es ans Rasieren oder Augenbrauen zupfen, müssen die Friseure aber FFP2-Masken und Visieren tragen.

Friseure tragen Masken, genau wie die Kunden. Das ist beim Haare schneiden kein Problem. Geht es ans Rasieren oder Augenbrauen zupfen, müssen die Friseure aber FFP2-Masken und Visieren tragen. © picture alliance/dpa

Und doch gibt es eine Einschränkung, denn Rasuren, Augenbrauenzupfen oder -färben bietet sie zurzeit nicht an. Dafür müsse sie laut Verordnung eine FFP2-Maske tragen und ein Visier.

„Durch die Maske atmen man so heftig aus, dass das Schutzschild beschlägt und man nichts mehr sieht“, berichtet Garand über einen Selbstversuch. „Das macht keinen Spaß.“ Im Sinne und zum Schutz des Kunden und der Mitarbeiter habe man sich entschieden, diesen Service vorerst ganz wegzulassen.

Fahrschüler wurden wegen Masken angehalten

Beim Autofahren darf man sein Gesicht nicht vermummen – also keinen Schal oder ähnliches bis über die Nase ziehen, wie Michael Kepp, Fahrlehrer in Bergkamen, erklärt. Aufgrund der Corona-Verordnungen gelten aber für Fahrschulen und auch Taxiunternehmen Ausnahmen. Sowohl Kepp als Fahrlehrer als auch seine Schüler tragen Maske.

Ein Problem sei das längst nicht mehr, man habe sich mittlerweile daran gewöhnt. Auch Brillenträger, deren Gläser anfangs beschlugen, hätten Lösungen für sich gefunden und nur wenige müssten während der Fahrstunde eine Pause einlegen, weil das Atmen schwer fällt.

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Auch haben mittlerweile alle verstanden, dass im Fahrschulauto offiziell Masken erlaubt sind. „Anfangs wurde man schon mal angehalten, alles war neu und wir alle sind rumgeirrt. Danach war das aber kein Problem mehr“, sagt Kepp.

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