Das DRK Bergkamen unterstützte die Corona-Test-Teams im Kreis Gütersloh. Bei Arbeitgebern gab es dafür wenig Verständnis. Teils wurde der Einsatz verhindert. Jetzt appelliert der Rotkreuzleiter.

Bergkamen

, 02.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Wenn der Trend so weitergeht, dann können wir den Katastrophenschutz in diesem Land bald dicht machen.“ Christian Thomé richtet harte Worte an alle Arbeitgeber, die in diesen Tagen die Arbeit des DRK behindern.

Der Bergkamener Rotkreuzleiter wendet sich an die Öffentlichkeit, nachdem sein Team vom zweiten Einsatz im Kreis Gütersloh zurückgekehrt ist. Denn die Einsätze im Kreis Gütersloh, wo es zu massiven Corona-Ausbrüchen gekommen war, zeigen, wie sehr Angst und Unwissenheit von Arbeitgebern die ehrenamtliche Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes behindern kann. Denn der Einsatz des Bergkamener Test-Teams im Kreis Gütersloh wurde nicht unterstützt oder gelobt, wie es eigentlich der Fall sein müsste. Das Gegenteil war der Fall.

Studentin hilft nicht in Gütersloh, weil sie sonst nicht mehr zur Uni dürfte

Stattdessen werden die Ehrenamtlichen behandelt, als hätten sie sich womöglich mit dem Virus angesteckt. Thomé kann viele Beispielen aufzählen, in denen das der Fall war: Ein Mitglied des Bergkamener Ortsvereins arbeitet etwa für ein Krankentransport-Unternehmen.

Nach seinem Einsatz im Kreis Gütersloh wollte er eine Seniorin zurück in ihre Pflegeeinrichtung bringen. Doch er wurde dort nicht hineingelassen. Die Begründung: Als Angehöriger eines Test-Teams in Gütersloh habe er sich in einem Corona-Hotspot-Gebiet aufgehalten.

Eine andere Ehrenamtlerin sei gar nicht erst mitgefahren, weil sie sonst ihre Universität nicht mehr hätte betreten dürften – was in der Klausurenphase denkbar ungünstig wäre. Einem anderen DRK-Mitglied, das in Unna beschäftigt ist, habe der Chef gesagt, dass er nach Gütersloh fahren dürfe, wenn er danach 14 Tage Urlaub nehme. Von einem anderen DRK-Ortsverband habe Thomé gehört, dass einige Arbeitgeber den Helfern sogar mit einer Kündigung gedroht haben. „Die Angst der Arbeitgeber ist groß, dass die Helfer eventuell den ganzen Betrieb anstecken könnten und das dann wirtschaftliche Konsequenzen für sie hat“, sagt Thomé.

DRK Bergkamen wirbt bei Unternehmen für Verständnis in der Corona-Krise

Das DRK Bergkamen möchte mit Blick auf solche Vorfälle bei Unternehmen und Institutionen um Unterstützung und Verständnis werben. „Massive Testungen und der Betrieb von Testzentren sind nur durch ehrenamtliches Engagement möglich. Anders ist der kurzfristige und massive Personalaufwand nicht zu stemmen“, so Thomé.

Um zu unterstreichen, wie wichtig es ist, die Ehrenamtler zu unterstützen, wirft er die Frage in den Raum, wie es wäre, wenn Bergkamen zum Corona-Hotspot würde – was zugegebenermaßen angesichts der zuletzt gestiegenen Infektionszahlen nicht gänzlich aus der Luft gegriffen ist.

Viele Arbeitgeber glauben, dass die DRK-Helfer Personen testen und ihnen dabei nahe kommen. Doch viele der Helfer übernehmen ganz andere Aufgaben, wie Rotkreuzleiter in Bergkamen, Daniel Thomé, erklärt. Und jene die testen, setzen sich auch keinem hohen Risiko aus. Sie seien gut geschützt und hätten nur kurz Kontakt zu den Testpersonen, sagt Thomé.

Viele Arbeitgeber glauben, dass die DRK-Helfer Personen testen und ihnen dabei nahe kommen. Doch viele der Helfer übernehmen ganz andere Aufgaben, wie Rotkreuzleiter in Bergkamen, Christian Thomé erklärt. Und jene die testen, setzen sich auch keinem hohen Risiko aus. Sie seien gut geschützt und hätten nur kurz Kontakt zu den Testpersonen, sagt Thomé. © ZB

In so einem Fall würden dann nicht mehr alle über den Kreis Gütersloh, sondern den Kreis Unna reden, spinnt Thomé weiter. Man hätte dann so eine Situation wie dort vor der eigenen Haustür. „Und dann möchte ich jedem die Frage stellen: Ist es das wert, dass die Mitarbeiter bei mir in der Firma bleiben und wir kriegen deshalb die Situation nicht so gestemmt wie jetzt in Gütersloh, weil wir keine Helfer mehr haben?“

Ohne die Helfer können nicht Tausende Personen binnen kürzester Zeit getestet werden – was aber wichtig ist, um Infektionsketten schnell zu erkennen und zu stoppen. Genau das ist es, was gerade im Kreis Gütersloh passiert – auch dank Helfern aus dem Kreis Unna.

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Viele DRK-Helfer kommen nicht mit Testpersonen in Kontakt

Helfer, die sich übrigens keinem hohen Risiko aussetzen, wie Thomé betont. Denn viele von ihnen stehen nicht in Schutzausrüstung in vorderster Front, um mit Stäbchen Speichelproben zu nehmen. Tatsächlich haben das bei beiden Einsätzen nur insgesamt drei DRKler aus Bergkamen gemacht – und zwar nur jene, die geschult darin sind, Abstriche zu nehmen und keiner Risikogruppe angehören.

„Ich habe am Dienstag keine zu testende Person gesehen“, führt Thomé aus, dass es für die Ehrenamtler auch viele andere Aufgaben gibt. Thomés Aufgabe war es zum Beispiel, Schutzkleidung, Essen und Getränke zu den Teststellen zu bringen. „Es gibt Helfer, die den ganzen Tag nur Essen ausliefern, das ist vielen Firmen gar nicht bewusst“, sagt Thomé.

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Nur wer sich sicher fühlt und der Aufgabe gewachsen ist, nimmt tatsächlich auch Proben. Und jene, die in „vorderster Front“ stehen, wie Thomé es ausdrückt, sind durch ihre Schutzkleidung gut geschützt. „Zum Beispiel durch das Tragen einer Schutzmaske der Klasse „FFP2“ in Kombination mit einem Vollschutzanzug und einer Schutzbrille. Nach Einsatzende werden diese Sachen entsorgt und die darunter getragene Dienstbekleidung wird abgelegt und chemisch gereinigt“, beschreibt der Rotkreuzleiter. „Eine Kontamination mit Covid-19 wird dadurch bestmöglich verhindert.“

Bei Fragen stehen Thomé und seine Kollegen gerne zur Verfügung – sei es für Schulen, Universitäten oder eben Arbeitgebern. Und eine Message geht allen voran: „Ohne Ehrenamt geht‘s nicht.“

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