Comedy in der Trauerhalle? Warum nicht, meint die Bestatterin

dzPietät

Das Kulturreferat will eine Comedy-Veranstaltung in einer Trauerhalle ausrichten. Das könnte man für pietätlos halten. Doch „Kultur in der Trauerhalle“ hat sich in Bergkamen bewährt.

Bergkamen

, 27.12.2019, 15:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dezernent Marc Alexander Ulrich ist sich nicht sicher, ob die jüngste Idee der Kulturmacher im Rathaus wirklich bei allen Leuten gut ankommt. Das Kulturreferat hält Ausschau nach alternativen Veranstaltungsorten für die städtische Kleinkunst-Reihe „Mittwochsmix“. So plant es einen Comedy-Abend in einer Trauerhalle. Das Programm, das es dafür engagiert hat, trägt auch noch den Titel „Death Comedy“. „Man könnte das für pietätlos halten“, fürchtet Ulrich.

Bestattungsunternehmen bringt Kultur in die Trauerhalle

Leute, die sich mit Pietät auskennen, machen sich da wenig Sorgen. Jutta Grziwotz-Schäfer vom Bergkamener Bestattungsunternehmen Schäfer-Kretschmer zum Beispiel. Sie hat inzwischen hinreichend Erfahrung mit dem Thema „Kultur in der Trauerhalle“. Bereits 2006 bot Schäfer-Kretzschmer erstmals eine Kabarett-Veranstaltung in der firmeneigenen Trauerhalle an der Jahnstraße in Oberaden an. „Wir hatten damals große Bauchschmerzen“, erinnert sich Grziwotz-Schäfer. Zumal Stephan Franke damals ein ausgesprochen schwarz-humoriges Programm präsentierte.

Comedy in der Trauerhalle? Warum nicht, meint die Bestatterin

In der Trauerhalle ist nicht nur Platz für Trauerfeiern. © Stefan Milk

Doch die Sorgen der Bestatter erwiesen sich als unberechtigt. Das Publikum nahm den Veranstaltungsort an, es gab keinerlei Beschwerden. Und so folgten Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen an dem Ort, der eigentlich für den Abschied von Verstorbenen gedacht ist.

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Ein Auftrittsort für Bigband und Rock-Gruppe

Seitdem Schäfer-Kretschmer 2016 auch die Trauerhalle Hünerbein am Parkfriedhof in Weddinghofen übernommen hat, verfügt das Bestattungsunternehmen noch über einen zweiten Veranstaltungsort, der Platz für ein etwas größeres Publikum bietet: „Die Halle hat eine hervorragende Akustik“, sagt Grziwotz-Schäfer. So hat es dort auch schon Konzerte gegeben, die nichts mit dem Themen Tod und Trauer zu tun hatten. Die Bigband der Musikschule spielte dort und die Rockband „Step up“ lockte rund 150 Fans an. Die Jugendgruppe „Spottlight“, die zum Theaterverein Volksbühne 20 Oberaden gehört, ist dort auch schon aufgetreten - mit einer Krimikomödie.

Comedy in der Trauerhalle? Warum nicht, meint die Bestatterin

Dank Bühne und Beleuchtung gleicht die Trauerhalle einem Konzertsaal. © Marcel Drawe

Inzwischen ist die Trauerhalle fast so gut ausgestattet wie ein „normaler“ Konzertsaal. „Wir haben eine Bühne und arbeiten mit einem Beleuchtungstechniker einer Band zusammen“, berichtet Grziwotz-Schäfer. Die Halle am Parkfriedhof eigne sich dann auch bestens für größere Veranstaltungen, bei denen Licht und Ton eine Rolle spielen. Beschwerden habe es nie gegeben. Auch nicht, als es 2018 eine Ausstellung mit dem Thema „Trauertattoos“ in der Halle gab.

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Die Leute müssen wissen, was sie erwartet

Ein paar Regeln sollte man aber doch beachten, wenn man etwas unorthodoxe Veranstaltungen an einem Ort anbietet, an dem die Menschen normalerweise trauern, sagt Grziwotz-Schäfer: „Man muss den Leuten vorher sagen, was auf sie zukommt.“ Auf diese Weise lasse sich verhindern, falsche Erwartungen zu wecken und möglicherweise die Gefühle von Trauernden zu verletzen.

Comedy in der Trauerhalle? Warum nicht, meint die Bestatterin

Die Theatergruppe "Spottlight" ist auch schon in der Trauerhalle aufgetreten. © Stefan Milk

Deshalb sieht sie auch grundsätzlich keine Probleme für den Plan des Kulturreferates, schwarzen Comedy-Humor in die Trauerhalle zu holen.

Auch die Gefahr, dass das Stammpublikum des Mittwochsmix ausbleiben könnte, weil ihnen der Veranstaltungsort nicht behagt, hält sie für unbegründet. Hemmschwellen gebe es in dieser Hinsicht eigentlich nicht, meint sie nach diversen Kulturveranstaltungen in der Trauerhaller. Vorgesetzt, es gibt ein attraktives Programm: „Dann vergessen die Zuschauer ziemlich schnell, in was für einem Raum sie sich befinden.“

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