Christine Westermann spricht in Bergkamener Trauerhalle über den Tod – und übers Flirten

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WDR-Moderatorin Christine Westermann reflektierte in einer vollbesetzten Trauerhalle über das Abschiednehmen. Doch auch humorvolle Momente gab es bei der Lesung. Etwa beim Thema Flirten.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Bergkamen

, 12.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Obwohl das Coronavirus zurzeit die Welt in Atem hält, gegen Christine hatte „Corona“ dieses Mal nicht die geringste Chance. Zum Glück ist Christine aber kein weiterer neuartiger Virus, sondern „nur“ die WDR-Moderatorin Christine Westermann. Sie reflektierte am Mittwochabend in der vollbesetzten Trauerhalle von Klaus Schäfer auf dem Parkfriedhof über den allseits gegenwärtigen Tod und das Abschiednehmen.

Von der Stimme und dem Erscheinungsbild her eher der nachdenkliche und grübelnde Typ Mensch, zitierte Christine Westermann an diesem Vorleseabend so manche berührende Geschichte, die die Journalistin in ihren siebzig Lebensjahren selbst erleben musste und nun in ihrem Buch „Manchmal ist es federleicht“ festgehalten hat.

Die Trauerhalle von Bestatter Klaus Schäfer war vollbesetzt.

Die Trauerhalle von Bestatter Klaus Schäfer war vollbesetzt. © Klaus-Dieter Hoffmann

Christine Westermann spricht in Bergkamen über ihre Verluste

So musste Christine Westermann mit nur dreizehn Jahren den ersten großen Einschnitt in ihr Leben ertragen, als der Vater nach Flucht und Verfolgung aus der DDR und unerwarteter Ehescheidung plötzlich tot zusammenbrach. Doch es kam noch schlimmer. Denn als dessen Nachlass gesichtet wurde, fand man dort das wohl gehütete Tagebuch des Sohnes, der 1941 nach einem Bauchschuss an der Front verblutet war. In diesem Tagebuch habe der Sohn eindringlich die nie ausgesprochenen letzten Worte an seine Eltern festgehalten, die den Vater fortan zu einem schweigenden Menschen gemacht hatten, so Westermann.

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Für die Journalistin war es irgendwann an der Zeit, Abschied von der „alten Welt“ zu nehmen und in San Francisco ihr Glück zu suchen, was aber zehn Jahre später wiederum mit einer frustrierten Flucht und einer angebrochenen Tüte Popcorn zurück nach Deutschland endete.

Lasung in Bergkamen: Der Abschied der Sendung „Zimmer frei!“, die Christine Westermann mit Götz Alsmann moderierte, fiel der Journalistin schwer.

Der Abschied der Sendung „Zimmer frei!“, die Christine Westermann mit Götz Alsmann moderierte, fiel der Journalistin schwer. Zu Gast waren Schauspieler wie Peer Augustinski (Mitte). © picture-alliance / obs

Dass der Tod nicht immer todernst genommen werden muss, zeigte das Beispiel mit „Instant-Freundin“ Anne aus Amsterdam, der die Ärzte eröffnet hatten, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt war. Und weil Anne unbedingt in ihrer Amsterdamer Dachgeschosswohnung sterben wollte, sorgten Christine Westermann und die restlichen Freundinnen aus der Clique dafür, dass Anne mit Hilfe eines Feuerwehrkrans zurück in ihre Wohnung gehievt wurde, wo diese dann im Kreise der Freundinnen und mit Blick auf die Amsterdamer Baumwipfel in aller Ruhe sterben konnte.

Christine Westermann spricht über Schönheit, die vergeht

Für Christine Westermann folgten viele schöne berufliche Jahre, die aber leider auch immer wieder mit dem verflixten Abschiednehmen endeten, beispielsweise die Moderation der Aktuellen Stunde mit Frank Plasberg oder „Zimmer frei“ mit Götz Alsmann, wo ihr der Abschied am allermeisten zusetzte.

Wiederum ein paar Jahre später musste Christine Westermann bitter realisieren, dass gerade die eigene Schönheit schnell vergeht. „Irgendwie klappte es einfach nicht mehr mit der alten Flirtmasche, wenn man beispielsweise bei Rot an der Ampel steht“, berichtete sie mit dem ihr eigenen Humor. Da nützten dann auch nicht die vielen Yoga- und Pilates-Übungen, die sie mit einer gewissen Verzweiflung über sich hat ergehen lassen.

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Zum Glück brachte dann aber ihr Ehemann viel Geduld und Ausgeglichenheit mit in die immer noch glücklich währende Ehe. Das erweise sich als besonders vorteilhaft, wenn es Christine Westermann es mal wieder einmal nicht schaffe, ein Gurkenglas ohne Kleckern zu öffnen oder gar an dem neuen Induktionsherd ein simples Rührei anzurichten.

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