Seit Bürger den Wartebereich im Bürgerbüro nicht mehr nutzen dürfen, ist er noch schwieriger zu erreichen. © Michael Dörlemann
Meinung

Chaos im Bürgerbüro: Jeder Friseur hat ein besseres Terminsystem als die Stadt

Der Fall des Bergkameners, der trotz Termins im Bürgerbüro vor verschlossenen Türen stand, ist nur das i-Tüpfelchen. Unser Autor meint: Im Bürgerbüro Bergkamen ist der Kunde nicht König, sondern Störenfried.

Bergkamens Bürgerbüro war eines der ersten, die eingerichtet wurden. Es hatte anfangs seinen Namen wirklich verdient, denn es war bürgerfreundlich. Wer einen neuen Pass oder Ausweis benötigte, sein Auto abmelden, Karten für städtische Veranstaltungen kaufen oder eine Sperrmüllkarte wollte, konnte sich darauf verlassen, dass das zügig zu erledigen war. Selbst wer zwei Tage vor dem Urlaub entdeckte, dass der Pass abgelaufen war, konnte sicher sein, dass das Bürgerbüro ihm aus der Klemme half.

Bürgerfreundlichkeit bröckelt mehr und mehr

Von dieser Bürgerfreundlichkeit ist nichts geblieben. Sie bröckelte spätestens, als das Bürgerbüro vor einigen Jahren samstags nicht mehr öffnete. Der Zustand, der wegen eines personellen Engpasses nur vorübergehend sein sollte, dehnte sich über Monate aus. Danach kehrte die Stadt nicht zur Öffnung an jedem Samstag zurück, sondern öffnet seither nur noch an zwei Samstagen im Monat. Das kann man als Ignoranz gegenüber Berufstätigen sehen.

Mit der Corona-Pandemie warf die Stadt den Rest von Bürgerfreundlichkeit über Bord. Sicher ist die Terminvergabe sinnvoll, um Gedränge im nicht gelüfteten Wartebereich zu verhindern, aber: Wenn das Wartezeiten von zwei Monaten und mehr zur Folge hat, ist das inakzeptabel

Die lange Wartezeit damit zu erklären, dass viele Bergkamener jetzt wieder reisen wollen und entdecken, dass ihr Ausweis oder Pass abgelaufen ist, ist absurd. Die Wartezeiten waren auch schon so lang, als noch niemand reisen konnte.

Terminvergabe läuft in jedem Friseursalon besser

Der Fall des Bergkameners, der nach zwei Monaten Wartezeit auf einen Termin vor verschlossenen Türen stand, zeigt dass das Bürgerbüro jetzt eine Servicewüste ist. Mag sein, dass das rückständige System zur Terminvergabe den Datumsfehler verursacht hat. Aber auch dafür ist die Stadt verantwortlich. Das läuft in jedem Friseursalon besser.

Bürger können das Rathaus seit über einem Jahr nur noch mit Termin besuchen. Es war also ausreichend Zeit, die Terminvergabe auf ein zuverlässigeres und bürgerfreundliches System umzustellen.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Stadt Bürger im Rathaus vor allem als Störfaktor sieht. Die Stadtverwaltung sollte sich schnell darauf besinnen, dass sie Dienstleister ist und der Bürger ihr Arbeitgeber.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann

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