Chaos durch Elterntaxis: Schillerschule setzt auf den „Laufbus“

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Die Schillerschule will die Verkehrssituation vor ihrer Haustür entschärfen und Elterntaxis von der Bambergstraße verbannen. Der „Laufbus“ kommt nicht bei jedem gut an.

Bergkamen

, 05.12.2019, 16:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Botschaft von Bianca Wohlgemuth stößt nicht bei allen Eltern auf offene Ohren, die ihre Kinder morgens mit dem Auto zur Schillerschule bringen. Ein Vater wird sogar richtig ärgerlich, als sie ihm einen Zettel in die Hand drücken will, der auf Probleme mit den sogenannten „Elterntaxis“ aufmerksam machen. Er lasse sich nicht verbieten, dorthin zu fahren, wo er will, schimpft er. Dass er Kinder gefährde, sei eine Unterstellung. Und: „Sie wollen doch nur, dass es hier gar keinen Verkehr mehr gibt“, empört er sich.

Chaos durch Elterntaxis: Schillerschule setzt auf den „Laufbus“

Bianca Wohlgemuth verteilt Info-Zettel an Eltern, die ihre Kinder noch mit dem Auto zur Schule bringen. © Michael Dörlemann

Jeden Morgen Chaos vor der Grundschule

Das kommt der Wahrheit schon ziemlich nahe. Die Schillerschule hat eine Initiative gestartet, wie „Laufbus“ heißt und die Elterntaxis von der Bambergstraße verbannen soll. Das ist nach Ansicht von Schulleiter Bruno Kohler dringend nötig. Die Bambergstraße vor der Schule ist ohnehin stark befahren.

Wenn Eltern morgens vor Schulbeginn ihre Kinder auf der anderen Straßenseite aus dem Auto lassen, bricht regelmäßig das Chaos aus. Der Durchgangsverkehr drängelt sich vorbei. Busse, die nicht vorbeikommen, blockieren die Fahrbahn – und mittendrin die Grundschüler, die versuchen mit dem Fahrrad, dem Roller oder zu Fuß sicher über die Fußgängerampel zur Schule zu kommen.

Chaos durch Elterntaxis: Schillerschule setzt auf den „Laufbus“

Schulleiter Bruno Kohler und Bianca Wohlgemuth von der Elternpflegschaft der Schillerschule stellen den „Laufbus" vor. Sie werben dafür, dass die Kinder sich treffen und gemeinsam zu Fuß zur Schule gehen. © Michael Dörlemann

Vier feste Treffpunkte in der Umgebung

Mit dem Laufbus greift die Schule eine Idee aus dem Klimaschutzkonzept der Stadt auf. Das Konzept sieht vor, dass es vier feste Treffpunkte im Einzugsbereich der Schule gibt. Dort sollen sich Schüler um 7.30 Uhr morgens treffen und gemeinsam auf einer festen Route zu Fuß zur Schule gehen. Jeweils montags sollen Eltern die Schüler begleiten, damit sie mehr Sicherheit auf dem Schulweg bekommen.

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Für mehr Tage in der Woche haben sich nicht genug Eltern gefunden, sagt Kohler. Viele sind berufstätig und haben nicht genug Zeit.

Um für die Idee zu werben, ist in der Eingangshalle der Schule ein Plan der Umgebung auf die Wand gemalt, in dem auch die Treffpunkte un die Routen für den Laufbus eingezeichnet sind. Es gibt eine rote, eine grüne, eine blaue und eine gelbe Route.

Chaos durch Elterntaxis: Schillerschule setzt auf den „Laufbus“

Viele Eltern bringen die Grundschulkinder mit dem Auto zur Schule. Die Schule und die Stadt bitten darum, sie zumindest nicht direkt vor dem Gebäude aussteigen zu lassen. © Stefan Milk

Schilder an den Treffpunkten geplant

In den kommenden Wochen soll das System noch perfekter werden. Unter anderem will die Stadt Schilder an den Treffpunkten aufstellen, damit sie die Kinder leichter finden.

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Die vier Treffpunkte für den Laufbus zur Schule

  • Die vier Treffpunkte sind so angeordnet, dass die Kinder aus vier verschiedenen Richtungen sicher zur Schule kommen.
  • Treffpunkt der roten Route ist in Schönhausen am Oberlinhaus, Lentstraße/Ecke Walter-Poller-Straße.
  • Die gelbe Route führt aus dem Bereich zwischen Kuhbach und Weddinghofer Straße zur Schule. Treffpunkt ist die Käthe-Kollwitz-Straße.
  • Die blaue Route führt aus dem Breil zur Schule. Treffpunkt ist in der Erich-Kästner-Straße.
  • Die grüne Route führt vom Treffpunkt Auf dem Braam/Augustweg zur Schule.
Schon jetzt hängen an der Karte Faltblätter, auf denen die einzelnen Routen erklärt werden. Kinder und Eltern können sie mitnehmen. Die Schule wird bei der Initiative von der Schulpflegschaft unterstützt. Auch Bianca Wohlgemuth, die Mutter eines Viertklässlers, ist dort Mitglied.

Sie hat die manchmal recht undankbare Aufgabe übernommen, die Handzettel an die Fahrer der Elterntaxis zu verteilen. Auf dem Zetteln bittet das städtische Bürgerbüro darum, Rücksicht auf die Kinder zu nehmen und sich an Verkehrsregeln zu halten. Es geht zum Beispiel darum, die drei Minuten Anhaltezeit beim Ein- und Aussteigen nicht zu überschreiten, das Halteverbot zu beachten und die Kinder möglichst ein Stücke von der Schule entfernt aussteigen zu lassen.

Schulleiter Kohler ist ohnehin davon überzeugt, dass es für Kinder besser und gesünder ist, zusammen mit Klassenkameraden zu Fuß zur Schule zu gehen als von den Eltern mit dem Auto gebracht zu werden. Die Schule hat Kinder und Eltern darauf schon im Rahmen einer Projektwoche nach den Ferien vorbereitet.

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Am vergangenen Montag, dem ersten Tag, an dem der Laufbus startete, hatte die Aktion Erfolg. Die Zahl der Elterntaxis sei deutlich geringer gewesen als an anderen Tagen, sagt der Schulleiter. Am Dienstag und am Mittwoch ist sie aber auch schon wieder etwas gestiegen. Der Laufbus mus wohl einen langen Atem haben.

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