Bushaltestellen sollen nach einem einheitlichen Modell barrierefrei werden

dzKostengünstig und schnell

Alle Bushaltestellen sollen bis Ende 2022 so umgebaut sein, dass alle Nutzer ohne Hindernisse in den Bus einsteigen können. Die Stadt Bergkamen entwickelt ein Modell, das sich kostengünstig umsetzen lässt.

Bergkamen

, 23.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer einmal mit Frank Vehlow am Bergkamener Busbahnhof unterwegs war, der weiß welche Probleme Menschen mit Behinderungen haben, eigenständig in der Stadt zurecht zu kommen. Es ist für Menschen, die nichts oder nicht viel sehen, schon schwierig, den Bussteig mit dem Taststock zu finden. Immerhin gibt es eine App, die ihnen hilft, die Stelle zu lokalisieren, an denen ihr Bus abfährt.

Dann gilt es, in den Bus zu kommen. Das ist an vielen Haltestellen in Bergkamen für Menschen mit einer Gehbehinderung schwierig bis unmöglich, wenn sich niemand findet, der ihnen hilft.

Sehbehinderte wie Frank Vehlow vom Blinden- und Sehbehindertenverein haben es am Busbahnhof schwer.

Sehbehinderte wie Frank Vehlow vom Blinden- und Sehbehindertenverein haben es am Busbahnhof schwer. © Stefan Milk (Archiv)

Keine Barrieren mehr für alle Menschen mit Behinderung

Bis Ende 2022 soll sich das eigentlich ändern, denn bis dahin sollen nach dem Personenbeförderungsgesetz alle Haltestellen ohne Barrieren für Menschen mit Behinderungen sein. Das gilt nicht nur für Gehbehinderte, sondern auch für Menschen mit einer Sehbehinderung oder Gehörlose, die Durchsagen nicht mitbekommen können. Das Planungsamt hat schon vor einiger Zeit eine Prioritätenliste aufgestellt, in welcher Reihenfolge die Bushaltestellen umgebaut werden sollen. „Der Busbahnhof als zentraler Umsteigepunkt in der Stadt steht ganz oben“, sagt die stellvertretende Planungsamtsleiterin Christiane Reumke.

Auch Frauen mit Kinderwagen kommen nicht gut in den Bus.

Auch Frauen mit Kinderwagen kommen nicht gut in den Bus. © Stefan Milk

Kategorie für den Umbau nach Fahrgastaufkommen

Zur Kategorie 1a gehören gehören auch die beiden Bushaltestellen an der Schulstraße/Ecke Buchfinkenstraße in Weddinghofen, die von besonders vielen Buslinien angefahren werden. Beisiele für die Kategorie 1b, die den zweithöchsten Umbau-Bedarf hat, sind die Haltestelle an der Lippebrücke in Rünthe, die Haltestellen „Im Alten Dorf“ in Weddinghofen oder die Haltestelle an der Präsidentenstraße in Höhe des Treffpunkts, es Hallenbades und des Nordbergstadions.

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Für die Entscheidung, in welche Kategorie die Haltestellen eingestuft wurden, spielt die Anzahl der Fahrgäste ein Rolle, aber auch ob in der Nähe Einrichtungen liegen, die auf besonders viele Fahrgäste schließen lassen, die auf einen barrierefreien Zugang zum Bus angewiesen sind: beispielsweise Seniorenheime oder Ärztehäuser.

Die meisten anderen Haltestellen mit ihren hohen Borden stellen Behinderte vor Probleme.

Die meisten anderen Haltestellen mit ihren hohen Borden stellen Behinderte vor Probleme. © Stefan Milk

Modell-Haltestelle, die möglichst oft passt

Bis die ersten Haltestellen umgebaut werden, wird jedoch noch einige Zeit vergehen. Die Stadt arbeitet an einer Modell-Haltestelle, die sich an möglichst vielen Stellen installieren lässt. Die sogenannten „taktilen Elemente“ für die Haltestellen sind schon festgelegt, erläutert Reumke. Das sind die Elemente im Pflaster, die es Sehbehinderten mit den Taststock ermöglichen, den Weg zu finden.

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In Kürze soll es ein Modell geben, wie die Wartehäuschen an den Bushaltestellen neu gestaltet werden können. „Dieses Modell wollen wir bei möglichst vielen Haltestellen anwenden, um Zeit und Kosten zu sparen“, sagt Reumke. In die Wartehäuschen soll auch ein Infokasten integriert werden, der über städtische Veranstaltungen informiert.

So wie diese Haltestelle in Kamen sieht eine für Sehbehinderte barrrierefreie Bushaltestelle aus. Die geriffelte Fläche zeigt den Weg. Die genoppte Fläche zeigt den Einstiegspunkt. Busfahrer müssen aber passend halten.

So wie diese Haltestelle in Kamen sieht eine für Sehbehinderte barrrierefreie Bushaltestelle aus. Die geriffelte Fläche zeigt den Weg. Die genoppte Fläche zeigt den Einstiegspunkt. Busfahrer müssen aber passend halten. © Michael Dörlemann (Archiv)

Fahrradständer für umweltfreundliches Fahren

An einigen Haltestellen sollen auch Fahrradständer integriert werden, damit möglichst viele Nutzer umweltfreundlich mit dem Rad zum Bus fahren können.

Bei den Maßnahmen am Busbahnhof wollen die Planer auch berücksichtigen, dass dort künftig ein noch höheres Fahrgastaufkommen zu erwarten ist. „Sobald das Stadtfenster gegenüber vom Rathaus fertig ist, haben wir noch mehr Leute, die über die Straße müssen“, sagt Reumke. „Auch das wollen wir bei der barrierefreien Umgestaltung berücksichtigen.

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Ins Stadtfenster ziehen Einrichtungen mit einer vermutlich hohen Publikumsfrequenz, unter anderem die Beratungsstelle der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) und das Bergkamener Kulturreferat. Der Umbau des Busbahnhofs soll so schnell wie möglich beginnen.

Einige Haltestellen wird die Stadt allerdings auch nicht, wie gesetzlich gefordert, schon bis Ende 2020 umbauen können. Das sollen vor allem die sein, die selten frequentiert werden, wie einige entlegene Taxibus-Haltestellen. Die gegenwärtige Coronakrise wird aber wohl für weitere Verzögerungen sorgen, vermutet die Planerin.

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