Soll Bergkamen Flüchtlinge aufnehmen? Bürgermeisterkandidaten streiten sich im Livetalk

dzKommunalwahl 2020

Moria ist weit weg von Bergkamen – und doch allgegenwärtig. Die Frage, ob Bergkamen Flüchtlinge von der Insel Lesbos aufnehmen sollte, spaltete die Kandidaten in unserem Livetalk zur Bürgermeisterwahl.

Bergkamen

, 19.09.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Thema, das eigentlich am weitesten weg zu sein scheint von Bergkamen, sorgte am Freitagabend für die emotionalste Diskussion im Livetalk auf hellwegeranzeiger.de. Denn die Antwort auf die Frage, ob Bergkamen Flüchtlinge aus Moria aufnehmen sollte, war für die beiden Bürgermeisterkandidaten Bernd Schäfer (SPD) und Thomas Heinzel (CDU) nicht so leicht zu beantworten.

Natürlich würde die Stadt Flüchtlinge aufnehmen, begann Heinzel, schränkte aber sogleich ein, dass dies im europäischen Konsens geschehen müsse. Und genau den gibt es bekanntlich nicht. „Deutschland muss nicht wieder allein die ganze Welt retten“, sagte der CDU-Kandidat.

Schäfer: „Was da passiert, ist ein Armutszeugnis für die EU“

Sein Kontrahent von der SPD schlug andere Töne an und versuchte, sich in die Lage der Menschen im Elend von Lesbos hineinzuversetzen. „Es geht um Menschen, die ihre Heimat verlassen und sich auf einen Weg in eine ungewisse Zukunft gemacht haben. Die unter Lebensgefahr übers Mittelmeer nach Lesbos gekommen dort vom Regen in die Traufe gekommen sind. Was da passiert, ist ein Armutszeugnis für die EU, das will ich mal ganz deutlich sagen“, so Bernd Schäfer.

Schäfer sagte auch, dass er das Gefühl habe, der Rest von Europa warte nur darauf, dass Deutschland sich bewege und Flüchtlinge aufnehme – was Heinzel zu der Nachfrage veranlasste, was denn nun seine Position sei.

Bernd Schäfer (SPD) nannte die humanitäre Katastrophe auf Lesbos ein „Armutszeugnis“ für die EU. Er wäre bereit, Flüchtlinge aus dem niedergebrannten Lager Moria in Bergkamen aufzunehmen.

Bernd Schäfer (SPD) nannte die humanitäre Katastrophe auf Lesbos ein „Armutszeugnis“ für die EU. Er wäre bereit, Flüchtlinge aus dem niedergebrannten Lager Moria in Bergkamen aufzunehmen. © Borys Sarad

Heinzel: „Ich setze auf eine europäische Lösung“

Daraufhin kam von Schäfer ein „klares Ja“ zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria: „Es sind auch keine Hunderte, die in Bergkamen ankommen würden.“ Heinzel grenzte sich ab: „Trotz der schlimmen Situation setze ich auf eine europäische Lösung und dann nehmen wir auch in Bergkamen Flüchtlinge auf.“ Die Bundesregierung habe ja bereits zugesagt, dass 150 Jugendliche und ihre Familien aufgenommen würden.

Thomas Heinzel (CDU) machte deutlich, dass es in der Flüchtlingsfrage eine Lösung auf europäischer Ebene geben müsse.

Thomas Heinzel (CDU) machte deutlich, dass es in der Flüchtlingsfrage eine Lösung auf europäischer Ebene geben müsse. © Borys Sarad

IGA: Heinzel würde aussteigen, Schäfer nicht

Deutlich unterschiedlicher Meinung waren die beiden Kandidaten auch mit Blick auf die Bergkamener Beteiligung an der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027. Heinzel betonte, er würde als Bürgermeister versuchen, aus der IGA auszutreten. Die Mittel wären woanders sinnvoller einzusetzen, beim Tourismus müsse Bergkamen sich auf seine Stärken besinnen, als da wären der Bergbau, der Römerpark und die wiederbelebte Bummannsburg in Rünthe.

Bernd Schäfer stellte klar, als Bürgermeister an der IGA festzuhalten, weil sie eine große Chance für Bergkamen sei. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die IGA nachhaltig Investitionen nach Bergkamen holt, die uns beim Strukturwandel helfen“, sagte Schäfer und fügte an, dass es auch den Radweg von Rünthe nach Lünen nicht geben würde, wenn die IGA nicht gemeinsam mit der Nachbarstadt vorangetrieben worden wäre.

Schwierige Suche nach einem neuen Gewerbegebiet

Keinen Hehl machten beide Kandidaten indes daraus, dass die Suche nach dem dringend benötigten neuen Gewerbegebiet schwierig bleiben werde. Thomas Heinzel äußerte die Hoffnung, dass die Fläche an der A2, die der Regionalverband Ruhr zum Unverständnis Bergkamen abgelehnt hatte, nach der Wahl des Ruhrparlaments noch einmal in den Fokus rücken könnte. Bernd Schäfer erwähnt eine Fläche an der Werner Straße, die für Forschung und Entwicklung vorgesehen sei und nachdenkenswert sei. Das Gelände des Steag-Kraftwerks sei hingegen noch außen vor zu lassen, aber es könne – nach der noch nicht terminierten Stilllegung freilich – vielleicht ein Kooperationsstandort mit anderen Kommunen werden.

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Insgesamt verlief die gut einstündige Debatte unter der Moderation von Redakteur Johannes Brüne sachlich und fair – und Bernd Schäfer fand letztlich auf die Schlussfrage, ob sein Mitbewerber Heinzel ein guter Bürgermeister für Bergkamen wäre, eine überaus harmonische Antwort: „Jeder von uns beiden wird sein Bestes geben, da unterscheiden wir uns nicht.“ Beiden Kandidaten gehe es darum, Bergkamen zusammen mit der Politik und den Bürgern weiterzuentwickeln.

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