Braune: Bergkamener Bäckerei mit Liebe zum Handwerk und zur Region

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Eigentlich hätte die Bergkamener Bäckerei Braune das Zeug zum Großen auf dem Bäckerei-Markt. Sie ist in kurzer Zeit schnell gewachsen. Inhaber Stefan Braune aber setzt aufs Handwerk – und auf die Region.

Bergkamen

, 21.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit einer Aussage erntet jeder bei Stefan Braune sofort Widerspruch: Wenn sein Betrieb im Oberadener Gewerbegebiet „In der Schlenke“ als Großbäckerei im Gegensatz zu kleinen, handwerklich betriebenen Bäckereien gesehen wird. „Wir sind auch Handwerksbäcker und kein Industriebetrieb“, sagt Braune trotz der mehr als mannshohen Rührmaschinen und der Backstraßen, neben denen er steht.

Die Technik sei nur das Hilfsmittel, erläutert der 41 Jahre alte Bergkamener Unternehmer. „Unsere Leute müssen ja nicht jeden schweren Sack per Hand hochheben“, sagt er. Aber alles, was möglich ist, wird auch bei Braune noch per Hand gemacht. Jedes Brot bekommt von den Bäckern, die in der Halle arbeiten, seine runde oder längliche Form.

Braune: Bergkamener Bäckerei mit Liebe zum Handwerk und zur Region

Firmen-Inhaber Stefan Braune steht an einem seiner Lieferwagen. Das Motto auf dem Fahrzeug versucht er nach eigenen Angaben auch zu leben. © Marcel Drawe

Keine Rezepte für Backwaren von der Stange

Auch die Backrezepte sind nicht von der Stange, erklärt Braune. Viele sind überliefert. Andere sind selbst neu gestaltet. Immer wenn Braune Brot oder Backwerk findet, dass gut schmeckt und ihm gefällt, versucht er selbst ein passendes Rezept dafür zu finden.

Der lebende Beweis für die Handarbeit bei Braune ist Jutta Fahle. Die Konditorin aus Dortmund arbeitet seit zehn Jahren bei Braune und ist gerade dabei, Torten zu produzieren. Sie hebt Sahne mit Früchten auf einen Tortenboden und streicht sie mit zwei, drei geübten Bewegungen glatt. Sie duzt ihren Chef wie fast alle Mitarbeiter.

Braune: Bergkamener Bäckerei mit Liebe zum Handwerk und zur Region

Konditorin Jutta Fahle ist für die Torten zuständig. Sie verteilt die Sahne-Fruchtmasse aus einer großen Schüssel auf die Böden. © Marcel Drawe

Die Spätschicht beginnt in der Bäckerei um 4 Uhr morgens

Fahle ist nicht nur für das Standard-Angebot an Torten zuständig, das es in den Braune-Filialen gibt, sondern auch dafür, die Spezialwünsche der Kunden zu erfüllen. Ob eine besondere Torte zur Hochzeit oder zum Geburtstag oder eine Motto-Torte zur Fußball-Party – sie versucht alle Ideen umzusetzen. „Die Kunden können auch kommen und persönlich mit mir sprechen“, sagt sie.

Fahle ist nicht nur die Tortenspezialistin, sondern auch die Spätschicht, zumindest in der Produktion. Wer nach 10 Uhr morgens kommt, trifft eigentlich nur die Konditoren in der Backstube an. Sie beginnen um 4 Uhr morgens. Die anderen Mitarbeiter kommen um 23 Uhr, um 0.30 Uhr und um 2 Uhr und haben spätestens um 10 Uhr die Schicht beendet. Brot und Kuchen sollen schließlich frisch sein.

Insgesamt hat Braune 15 verschiedene Brote, 20 Brötchensorten und 15 Sorten Teigwaren vom Blechkuchen bis zur Sahneschnitte im Programm.

Braune: Bergkamener Bäckerei mit Liebe zum Handwerk und zur Region

Mit wenigen Griffen streicht sie die Sahne glatt. © Marcel Drawe

Expansion von einer auf 23 Filialen in nur 50 Jahren

Möglicherweise hat die Liebe zum Handwerk auch dazu geführt, dass die „Landbäckerei Braune“ innerhalb von nur gut 50 Jahren von der kleinen Bäckerei an der Ecke zum mittelständischen Unternehmen mit etwa 180 Beschäftigten gewachsen ist.

„Wir sind auch Handwerksbäcker und kein Industriebetrieb.“
Stefan Braune

Stefan Braunes Vater Karl-Hermann und seine Mutter Marlis kamen 1969 aus Hamm nach Oberaden und übernahmen die Bäckerei Schmitz. Sie hatte ihren Sitz an der Lünener Straße – damals noch mit angeschlossenem kleinen Lebensmittelgeschäft – und eine Filiale am Römerberg.

Mittlerweile hat Braune 23 Filialen in der Region. Einige befinden sich auch außerhalb des Kreises Unna im Münsterland. Das ist ein Erbe der Bäckerei Kallwey aus Südkirchen, die Braune vor einigen Jahren übernommen hat. „Es gab keinen Nachfolger mehr“, sagt Stefan Braune.

Braune: Bergkamener Bäckerei mit Liebe zum Handwerk und zur Region

Stefan Braune sitzt an seinem Büroarbeitsplatz. Der Oberadener Unternehmer sieht sich als Handwerksbäcker und versucht auch so viel Handarbeit wie möglich in die Produktion einzubauen. © Marcel Drawe

Kein Interesse an einem noch größeren Betrieb

Er selbst ist schon von Anfang an in die Fußstapfen seiner Eltern getreten. Er machte zunächst eine Ausbildung in einem kleinen Betrieb in Waltrop, arbeitet dann für eine große Bäckerei, bevor er vor etwa zehn Jahren in den elterlichen Betrieb eintrat. Einige Jahre später war der Betrieb an der Lünener Straße zu klein. Die Bäckerei Braune zog in die Halle der ehemaligen Bäckerei Westermann in der Schlenke um und vergrößerte sich erneut.

Stefan Braune bedeutet das jedoch wenig. Schon, wenn er nach der Anzahl der Filialen gefragt wird, schätzt er: „So ungefähr 20.“ Um die genaue Anzahl herauszufinden, müssen Interessierte schon die Homepage konsultieren und nachzählen.

Braune hat auch kein Interesse, um jeden Preis weiter zu expandieren. „Wenn ich gefragt werde, ob ich die 30er-Marke bei den Filialen knacken will, dann sage ich ganz klar: Nein“, sagt der Inhaber. Braune sieht sich als regionaler Bäcker und Unternehmer und das will er auch bleiben.

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