Brandstiftern kommt die Polizei nur selten auf die Spur

dzErmittlungen der Polizei

Die Brandstiftung in der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule war nicht die erste ihrer Art in Bergkamen. Die Polizei ermittelt. Aber es erscheint unwahrscheinlich, dass sie den Täter findet.

Bergkamen

, 02.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass die Polizei den Brandstifter aus der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule fängt. Um diese Prognose zu stellen, muss man kein Brandsachverständiger sein. Und man muss dafür auch nicht die Fähigkeiten der Ermittler geringschätzen. Aber wenn es um Brandstiftungen und deren Folgen geht, arbeiten sie unter erschwerten Bedingungen: „Ein Feuer hat die Eigenschaft, dass es die meisten Spuren vernichtet“, meint dazu der Pressesprecher der Kreispolizei Unna, Bernd Pentrop. Die Experten der Polizei können zwar durchaus herausfinden, ob das Feuer gelegt wurde, etwa weil Brandbeschleuniger verwendet wurde. Aber Hinterlassenschaften, die den Brandstifter verraten könnten, werden meist ein Raub der Flammen.

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Die Polizei ist auf Beobachtungen von Zeugen angewiesen

„Deshalb sind wir in solchen Fällen auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen“, meint Pentrop. Meist führt das aber auch nicht weiter. Nachdem im Februar 2018 Unbekannte den ehemaligen Kindergarten neben dem Wichernhaus angezündet hatten, suchte die Polizei per öffentlichem Zeugenaufruf nach einer Gruppe von Jugendlichen, die während der Brandzeit auf der Elsa-Brandström-Straße gesehen worden waren, sowie nach einem älteren Mann, der mit den jungen Leuten gesprochen hat. Es meldete sich niemand und so wird die Brandstiftung am Wichernhaus wohl unaufgeklärt bleiben.

Die Brandstiftung, die im Februar 2018 den ehemaligen Kindergarten neben dem Wichernhaus in Bergkamen zerstörte, wurde nie aufgeklärt.

Die Brandstiftung, die im Februar 2018 den ehemaligen Kindergarten neben dem Wichernhaus zerstörte, wurde nie aufgeklärt. © Stefan Milk

Das gilt auch für vergleichbare Taten, die zum Teil gravierende Auswirkungen hatten. Zum Beispiel das Feuer, das Unbekannte im Mai vergangenen Jahres im Keller der damals noch nicht abgerissenen Turmarkaden legten. Der Rauch zog in die Nachbarhäuser an der Töddinghauser Straße, die zunächst evakuiert und später wegen Brandschutzmängeln für mehrere Monate geräumt werden mussten. Auch der Brandstifter wurde nie gefasst, der Ende 2018 das Heim des Hundesportvereins Bergkamen vollständig zerstörte.

Auch in den Turmarkaden in Bergkamen gab es mehrfach Brandstiftungen. Die folgenreichste ereignete sich im Mai 2019.

Auch in den Turmarkaden gab es mehrfach Brandstiftungen. Die folgenreichste ereignete sich im Mai 2019. © Borys Sarad

Haftstrafe für den Brandstifer aus Rünthe

Aber nicht alle Brandstifter kommen ungeschoren davon. So verurteilte das Landgericht im vergangenen Monat einen Bergkamener zu drei Jahren Haft. Allerdings hatte der 2016 sein eigenes Haus in Rünthe angezündet, das zwangsversteigert werden sollte. Außerdem stellte er sich auch selbst der Polizei.

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So etwas kommt bei Brandstiftungen eher selten vor. Oft liegt das Motiv eher darin, dass die Verursacher gerne zündeln oder einfach aus (jugendlichem) Übermut Feuer legen. Aus dieser Erkenntnis lassen sich nach einem Feuer aber nur schwer Rückschlüsse auf einen konkreten Verdächtigen schließen, weil meist kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Tatort und Täter besteht.

Serientätern kommt die Polizei eher auf die Spur

Wenn ein Brandstifter aber in Serie zuschlägt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Polizei ihn erwischt. So steht derzeit ein Mann aus Dortmund vor Gericht, der im vergangenen Sommer immer wieder Strohballen an verschiedenen Orten im Kreis Unna und in Dortmund angezündet haben soll.

Serienbrandstiftern kommt die Polizei schon eher auf die Spur. Zum Beispiel dem Mann, der derzeit vor Gericht steht, weil er im vergangenen Sommer wiederholt Strohballen angezündet haben soll.

Serienbrandstiftern kommt die Polizei schon eher auf die Spur. Zum Beispiel dem Mann, der derzeit vor Gericht steht, weil er im vergangenen Sommer wiederholt Strohballen angezündet haben soll. © Michael Neumann

Ebenfalls im Sommer 2019 erwischte die Polizei in Kamen einen mutmaßlichen Serientäter auf frischer Tat: Einen Feuerwehrmann. Er gestand, in mindestens fünf Fällen Papiercontainer angezündet zu haben. In Bergkamen allerdings gibt es trotz des Feuers in der Albert-Schweitzer-Schule keinerlei Anzeichen für eine Brandstiftungsserie, versichert Pentrop. Nach Angaben des Polizeipressesprechers war die Zahl der Brandstiftungen in den vergangenen Jahren auch nicht außergewöhnlich hoch.

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