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Die Bewohner von zwei Wohnhäusern, Töddinghauser Straße 135 und 137, mussten ihre Wohnungen innerhalb von Stunden verlassen. Die Stadt hat erhebliche Brandschutzmängel festgestellt.

Bergkamen

, 15.05.2019 / Lesedauer: 5 min

Rund 100 Bewohner der Wohnhäuser Töddinghauser Straße 135 und 137 musssten an diesem Mittwoch bis 17 Uhr ihre Wohnungen räumen. Sie konnten die Zeit nur nutzen, um das Notwendigste einzupacken. Wie die Stadt in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz bekannt gab, hat die Bauaufsicht erhebliche Brandschutzmängel in den beiden Gebäuden festgestellt. Sie sind so gravierend, dass die Situation nach Ansicht von Bauaufsicht und der Brandschutzdienststelle beim Kreis Unna nicht zu verantworten ist.

Brandschutzmängel: Wohnhäuser in wenigen Stunden geräumt

Dezernentin Christine Busch (4.v.l.) gab in einer eilig einberufenen Pressekonferenz zusammen mit Bauordnung und Brandschutzabteilung des Kreises die Räumung der Wohnhäuser bekannt. © Marcel Drawe

Brandwachen schon in der Nacht

Schon in der Nacht zu Mittwoch hatte es von der Immobilienverwaltung engagierte Brandwachen in den beiden Häusern gegeben, damit die Bewohner nicht auf der Stelle die Häuser verlassen mussten, wie die städtische Dezernentin Christine Busch mitteilte. Am Mittag unterzeichnete Bürgermeister Roland Schäfer die Ordnungsverfügung, dass die beiden Wohnhäuser bis 17 Uhr geräumt werden müssen. Die Stadt hat bei der Polizei Unterstützung beantragt, falls sich Bewohner weigern, die Häuser zu verlassen.

Ordnungsamt informiert und registriert die Bewohner

„Das bedeutet, dass Sie noch heute Ihre Wohnung verlassen müssen und für einen längeren Zeitraum woanders wohnen müssen.“
Handzettel für die Bewohner

Fast gleichzeitig machten sich zwölf Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf und verteilten Handzettel an alle Haushalte in den beiden Gebäuden. Auf den grünen DIN-A-4-Blättern werden die Bewohner aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. „Das bedeutet, dass Sie noch heute Ihre Wohnung verlassen müssen und für einen längeren Zeitraum woanders wohnen müssen“, heißt es wörtlich in dem Flugblatt. Außerdem werden Ansprechpartner genannt.

Brandschutzmängel: Wohnhäuser in wenigen Stunden geräumt

Der Ordnungsdienst war am späten Vormittag bereits vorgefahren. Mitarbeiter des Ordnungsamtes informierten die Bewohner und registrierten, wo sie geblieben sind. © Marcel Drawe

Liste mit dem Notwendigsten

Auf der Rückseite ist eine kurze Liste angefügt, welche Dinge sie in aller Eile aus ihrer Wohnung mitnehmen sollen – neben Ausweis, Bargeld und Medikamenten auch Bettzeug, Handtücher, Toilettenpapier, Kochgeschirr, Putzmittel und die Schulsachen für Kinder. Das Ordnungsamt hatte vor den Gebäuden Tische und Bänke aufgebaut, um mit den Bewohnern zu sprechen und zu registrieren, wo sie unterkommen und wo sie zu erreichen sind. Es zeigte sich allerdings, dass die Ordnungsamtsmitarbeiter zunächst nicht über alle Details informiert waren und nicht zu allen Fragen Auskunft geben konnten.

Brandschutzmängel: Wohnhäuser in wenigen Stunden geräumt

Die beiden rosa-weißen Wohnhochhäuser bilden einen Komplex. Sie stehen direkt gegenüber vom Rathaus und grenzen unmittelbar an die Turmarkaden. © Marcel Drawe

Einige kommen erst spät von der Arbeit

Es zeigte sich, dass um 17 Uhr noch längst nicht alle Bewohner die Häuser verlassen hatten. In den Häusern wohnen auch einige alleinstehende Männer, die erst am späten Nachmittag von der Arbeit kamen und erst dann erfuhren, dass sie ihre Wohnung räumen müssen. Sie durften auch nach 17 Uhr noch das Notwendigste zusammenpacken.

Brandschutzmängel: Wohnhäuser in wenigen Stunden geräumt

Die Polizei durchsuchte die Häuser zusammen mit dem Ordnungsamt zum Abschluss nach noch verbliebenen Bewohnern. Um 18.40 Uhr waren beide Gebäude komplett geräumt. © Marcel Drawe

Polizei fasst Mann, gegen den ein Haftbefehl vorliegt

Schließlich ließ sich nur bei insgesamt neun Wohnungen nicht klären, wo sich die Bewohner befanden. Die Feuerwehr öffnete sie in Begleitung von Polizei und Mitarbeitern es Ordnungsamtes. Dabei gelang der Polizei ein Fang. Der einzige, der sich nich in einer der Wohnungen befand, war ein Bergkamener, gegen den schon seit längerer Zeit ein Haftbefehl vorliegt. Er war offenbar bei Bekannten untergekommen und ging widerstandslos mit der Polizei mit. Gegen 18.40 Uhr waren beide Häuser komplett geräumt.

Brandschutzmängel: Wohnhäuser in wenigen Stunden geräumt

Mitarbeiter des Ordnungsamtes notierten, wo die Bewohner der beiden achtstöckigen Häuser untergekommen sind. © Marcel Drawe

Betreten der Wohnungen ab jetzt nur mit Begleitung

Die Bewohner sollen in den nächsten Tagen die Gelegenheit haben, in ihre Wohnungen zu gehen und weitere Dinge zu holen, sagte Dezernentin Christine Busch. Dann können sie allerdings nicht mehr allein in ihre Wohnungen, sondern nur mit einem Termin und unter Begleitung eines Wachschutzes, den die Immobilienverwaltung engagiert hat. Der Wachschutz soll das Haus auch rund um die Uhr bewachen und vor Einbrüchen und Plünderungen beschützen.

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Mängel fallen nach dem Brand in den Turmarkaden auf

Die Brandschutzmängel in den beiden Gebäuden waren nach dem Brand im Keller der benachbarten Turmarkaden aufgefallen. Bei dem Brand am Freitagmittag waren so große Mengen giftiges Rauchgas in die beiden Wohngebäude gezogen, dass die Feuerwehr sie räumen musste. „Wir konnten schnell ausschließen, dass der Rauch durch offene Fenster gezogen ist“, sagte Busch. Bei der Suche nach der Verbindung der Keller zwischen den Turmarkaden und den Wohnhäusern stießen Bauordnung und die Brandschützer des Kreises auf erhebliche Brandschutzmängel in den beiden Wohngebäuden.

Brandschutzmängel: Wohnhäuser in wenigen Stunden geräumt

Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes steht in einem beiden der Hauseingänge. Einige Bewohner kamen erst spät von der Arbeit. Deshalb legte das Amt die Frist zur Räumung großzügig aus. © Marcel Drawe

Hoffnung auf einfache Maßnahmen zerschlägt sich

Zunächst hatte die Stadt noch gehofft, dass es reicht die Turmarkaden komplett von den beiden Wohnhäusern zu trennen. Diese Hoffnung habe sich am Dienstagabend endgültig zerschlagen, schilderte Busch. Auch die Ausbreitung von Rauchgas bei einem Wohnungsbrand in einem der Häuser im gesamten Gebäude geht nach Erkenntnissen der Brandschützer schnell und ist nicht zu kontrollieren. „Uns blieb deshalb nichts anderes übrig, als die Häuser zu räumen“, sagte die Dezernentin.

Brandschutzmängel: Wohnhäuser in wenigen Stunden geräumt

Mit diesem Handzettel fordert die Stadt die Bewohner zur Räumung der Häuser auf. © Marcel Drawe

Vielfältige Probleme beim Brandschutz

Die Mängel beim Brandschutz sind vielfältig und deshalb wohl in kurzer Zeit nicht zu beseitigen. Zum Teil sind sie schon durch die Konstruktion der in den frühen 70er Jahren gebauten Häuser bedingt. „Sie entsprechen nicht mehr dem heutigen Stand der Technik“, sagte Busch. Die Häuser sind beispielsweise mit Müllschluckerschächten auf jeder Etage versehen, die bis in den Keller reichen und durch die Rauch ungehindert aufsteigen kann. Hinzu kommt die Entlüftung für Bad und Küche, die ebenfalls aus Schächten bestehen, die von oben bis unten durch das ganze Haus reichen, ohne eine Rauchsperre zwischen den Wohnungen oder den Etagen. Das ist aber nicht das einzige Problem. Im Laufe der Jahre haben Bewohner offenbar auch diverse Installationen vorgenommen, Kabel gezogen und dafür die bereits vorhandenen Schächte benutzt. Dabei seien – zum Teil auch sehr unsachgemäß – auch neue Löcher in die Wände der Schächte gestemmt worden, die sich nicht leicht abdichten lassen.

Immobilienverwalter will Gutachter beauftragen

Bei Fragen

Ansprechpartner für die Bewohner

Bei Fragen können Bewohner sich an André Beckschulte vom Immobilien-Management Beckschulte in Unna unter Tel. (02303) 94237 220 wenden. Das Unternehmen verwaltet die Häuser im Auftrag der Eigentümer. Die Stadt ist bei Fragen über das Bürgertelefon Tel. (02307) 965 444 zu erreichen.

Die Stadt ist mit der Immobilienverwaltung Beckschulte aus Unna, die seit vier Monaten für die Häuser zuständig ist, übereingekommen, zunächst einen Gutachter zu bestellen. Er soll die Brandschutzmängel auflisten und einen Plan zu ihrer Beseitigung machen. Anschließend will sich das Unternehmen an die Beseitigung machen.

Angaben, wann die Häuser wieder bezogen werden können, wollte die Dezernentin unter diesen Umständen nicht machen. Sie rechnet damit, dass es mindestens mehrere Wochen, wahrscheinlich aber sogar einige Monate dauert.

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Stadt stellt kostenpflichtige Notunterkünfte zur Verfügung

Nur wenige Bewohner kamen kurzfristig bei Freunden oder Verwandten unter. Für alle, die diese Möglichkeit nicht hatten, stellt die Stadt die städtischen Notunterkünfte an der Fritz-Husemann-Straße zur Verfügung. Die sind nach Satzung der Stadt aber nicht kostenlos. Die Stadt berechnet für die Unterkunft pro Monat 241,34 Euro pro Person. Das wären für eine vierköpfige Familie fast 1000 Euro im Monat. „Für alle, die das nicht bezahlen können, werden wir eine Lösung finden“, versicherte die Dezernentin. Ein weiteres Problem: Viele Bewohner haben Hunde oder Katzen, die nicht mit in die städtische Notunterkunft dürfen. Sie müssen im Zweifel ins Tierheim.

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