Bombenräumung mit Happy End: Dass der Zünder fehlte, war ein „Sechser im Lotto“

dzBombe in Bergkamen

Über 400 Bomben wurden schon aus dem Boden in Bergkamen geholt. Und doch war die Bombe am Montag ein Sonderfall. Die Stadt hatte sich auf ihre bislang größte Evakuierung vorbereitet.

Bergkamen

, 07.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Heiko Brüggenthies hat schon viele Bombenräumungen miterlebt – und mitorganisiert. Seit Anfang der Siebziger Jahre zählte er über 400 geräumte Bomben. Sie wurden mit Vorbereitung, aber auch spontan geräumt – etwa dann, wenn im Rahmen von Bauarbeiten plötzlich ein Teil einer Bombe in der Baggerschaufel hing. Für Brüggenthies, Sachgebietsleiter für Ordnungsangelegenheiten, war die Situation an diesem Montag trotzdem eine besondere. Dass die Fünf-Zentner-Bombe nämlich keinen Zünder hatte, sei „ein Sechser im Lotto“ gewesen. „In fünf Metern Tiefe eine ungezündete Bombe zu finden ist unnormal“, sagt Brüggenthies.

Bomben, die nicht mehr scharf sind, liegen meist nicht sehr tief. In der Nachkriegszeit sei es allem Anschein nach vorgekommen, dass Bauern auf ihren Feldern Bomben entdeckt und den Zünder selber herausgeschraubt haben. „Beim Pflügen haben sie nicht gestört“, so Brüggenthies. Dass aber jemand eine Bombe entschärft und dann fünf Meter tief vergräbt, ist unwahrscheinlich. „Das hätte man beim Ausgraben auch an der Erde erkannt.“

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Kälte im Flugzeug könnte die Ursache für den fehlenden Zünder sein

Die zweite Möglichkeit, die es laut Brüggenthies gibt, ist, dass der Zünder sich im Flug aus der Bombe herausgeschraubt hat. Der Sachgebietsleiter ist mittlerweile ein Kenner der englischen Fliegerbomben, die im Zweiten Weltkrieg vorüberwiegend über Bergkamen abgeworfen wurden. Die einzige sinnvolle Erklärung sei, dass die Bombe sich im freien Fall nicht selbst schärfen konnte, weil sich der Zünder herausgedreht hat. Ein Grund dafür könnte die Kälte im Flieger gewesen sein, vermutet Brüggenthies.

Der Mechanismus der Bombe war vermutlich festgefroren. An jeder Bombe befand sich ein Propeller, der die Bombe während des Sturzes scharf machen sollte. Er könnte durch die Kälte festgefroren sein und den Zünder herausgeschraubt haben, statt ihn scharf zu machen. „Ein Zünder fällt nicht einfach so heraus“, sagt Brüggenthies. Damals sei auch streng kontrolliert worden, ob Zünder an den Bomben waren. Dass der Zünder also einfach vergessen wurde, ist ebenfalls unwahrscheinlich.

Bombenräumung mit Happy End: Dass der Zünder fehlte, war ein „Sechser im Lotto“

Die Bombe konnte schon am Mittag abtransportiert werden. © Stefan Milk

Großer Aufwand, der sich im Falle einer Evakuierung gelohnt hätte

Doch nicht nur die Tatsache, dass eine unscharfe Bombe aus der Tiefe gezogen wurde, war das besondere an dem Einsatz an diesem Montag. „Es wäre die größte Evakuierung für Bergkamen gewesen“, sagt Brüggenthies mit Blick auf den dicht besiedelten Bereich, in dem die Bombe entdeckt wurde. Und auf diese Mammutaufgabe waren er und seine Mitarbeiter gut vorbereitet.

Insgesamt waren fast 100 Einsatzkräfte vor Ort. Nicht nur das Ordnungsamt um Brüggenthies und der Baubetriebshof, sondern auch das Deutsche Rote Kreuz, der Rettungsdienst des Kreises Unna, das Technische Hilfswerk und die Polizei standen bereit. Gegen 13 Uhr wurde der Einsatz dann ohne Evakuierung beendet, als sich herausstellte, dass kein Zünder an der Bombe war. Und auch wenn der Aufwand sehr groß schien, wäre es nicht ohne gegangen. „Wenn wir evakuiert hätten, dann hätte es genau gepasst“, so Brüggenthies.

Die Montagsbombe war übrigens nicht die letzte, die in Bergkamen unter der Erde schlummert. Vor Bauarbeiten kontrolliert Brüggenthies mit Kampfmittelräumern auf den Luftbildern der Allierten, ob dort Bomben liegen. Wenn die Zeit es trotz Baukonjunktur zulässt, werden die Bomben auch ohne Bauvorhaben sukzessive aus der Erde geholt. „Wir sind noch nicht durch.“

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