Besinnliches mit Brecht, Claudius und Tucholsky

Musikalisch-literarischer Frauensalon

Mit einem musikalisch-besinnlichen Abend ging der letzte Frauensalon des Jahres zu Ende. Ulrike Schlottbohm und Melanie Wiebusch begleiteten ihre Zuhörerinnen durch abendliche Gedanken und Gemütszustände.

von Sharin Leitheiser

Weddinghofen

, 29.11.2018, 12:13 Uhr / Lesedauer: 1 min
Besinnliches mit Brecht, Claudius und Tucholsky

Gitarristin Melanie Wiebusch machte die Musik beim Frauensalon, den literarisch-gesanglichen Part übernahm Ulrike Schlottbohm. Milk © Stefan Milk

„Die Idee für ein Programm zum Thema ‚In die Nacht gedacht‘ war schon so lang in meinem Kopf“, erzählte Sängerin Ulrike Schlottbohm vor ihrem Auftritt. Letztlich entstanden ist ein Programm, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. „Es geht ums Abschalten, um die Liebe und natürlich um Alpträume“, so Schlottbohm geheimnisvoll. Sie war zuständig für den literarisch-gesanglichen Part der Veranstaltung, Gitarristin Melanie Wiebusch für den musikalisch-klanglichen Teil.

Ob bei Instrumentalstücken wie „Romance“ von Antonio Cano, klassischer Lyrik wie Eichendorffs „Mondnacht“ oder uralten Liedern zum Mitsingen wie „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius – Schlottbohm und Wiebusch harmonierten, zogen das Publikum mühelos in ihren Bann. Belohnt wurde ihre einzigartige Performance in heimeliger Atmosphäre mit verträumten Gesichtern und ganz viel Zwischenapplaus. Mit leisem Gelächter quittierten die anwesenden Frauen vor allem Schlottbohms Interpretation von Jutta Richters Kindergeschichte „Heut bin ich wild und böse“. Denn jeder weiß: Wenn die Augen schwer werden, ist es gar nicht mehr so einfach, zu motzen und zu meckern. Das gilt wohl für Kinder und für Erwachsene gleichermaßen.

„Blicke in ferne Zukunft“

Deutlich nachdenklicher stimmte zum Beispiel „Die Wünsche des Bauern – eine weise Geschichte“ über einen Menschen, der alles haben könnte, aber am Ende leer ausgeht, weil er sich einfach nicht entscheiden kann. Und auch Tucholskys brandaktueller Essay „Blick in ferne Zukunft“ über gefährliche Ideologien und den Nationalsozialismus aus dem Jahr 1930 ließ die Anwesenden sprachlos zurück.

Lieblichere Töne schlug das Duo in etwa bei Paul Dessaus musikalischer Adaption von Brechts Liebesgedicht „Sieben Rosen hat der Strauch“ an, sodass sich ihr Konzept zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügte. „Ich kann ein Programm 500 Mal machen und bin trotzdem aufgeregt. Und dieses hier liegt mir besonders am Herzen“, bilanzierte Ulrike Schlottbohm.

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