Berufsorientierung an der Gesamtschule funktioniert, Soziales Lernen noch nicht so ganz

dzSchulversuch Talentschule

Seit Anfang des Schuljahres nimmt die Gesamtschule an einem Schulversuch teil und firmiert als „Talentschule“. Wenn es um die Talente der Schüler geht, setzt sie auch auf bewährte Konzepte.

Bergkamen

, 19.11.2019, 17:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein paar Jahre Zeit haben die Siebtklässler aus der Willy-Brandt-Gesamtschule ja noch Zeit, bevor sie sich für einen Beruf entscheiden müssen. Aber es kann ja nichts schaden, wenn sie jetzt schon mit Dachpfannen werfen, sich mit den Bedürfnissen von Kleinkindern befassen, einen Arm verbinden oder als „James Bond“ die IT-Technik kennenlernen.

Die Talentwerkstatt kommt aus Minden-Lübbecke

Das sind einige der Stationen, die die rund 70 Mädchen und Jungen aus der Jahrgangsstufe sieben beim Berufsorientierungstraining in der Mehrzweckhalle der Gesamtschule. Angeleitet werden sie dabei von Werner Vollmer und seinen Kollegen aus der „Talentwerkstatt“, die ein gemeinnütziger Verein namens Technikzentrum Minden-Lübbecke anbietet.

Berufsorientierung an der Gesamtschule funktioniert, Soziales Lernen noch nicht so ganz

Die Gesamtschüler sollen nicht nur für die Schule, sondern für das Leben lernen. © Stefan Milk

„Es geht nicht darum, den Schülern zu sagen, für welche konkreten Beruf sie sich entscheiden sollen“, meint Vollmer. Dafür ist es dann doch noch ein wenig früh. Aber die Frage, wo ihre Stärken liegen und in welchen Berufsfeldern die zum Tragen kommen könnten, ist für Siebtklässler nicht ganz unwichtig.

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In Klasse neun gehen die Schüler ins Praktikum

„Ende des achten Schuljahrs müssen sie für das dreiwöchige Betriebspraktikum bewerben, das sie sich dann in der neunten Klasse absolvieren“, sagt Gesamtschullehrerin Christiana Bautz. Das sollte sie nach Möglichkeit in der Branche machen, in der sie auch einen Ausbildungsplatz anstreben. Welche das sein könnte, wollen ihnen Vollmer und Co. vermitteln. Und zwar möglichst spielerisch: „Die Schüler merken gar nicht, dass sie etwas lernen“, meint Vollmer. Das scheint ziemlich nachhaltig zu funktionieren. „Viele der jetzigen Zehntklässler können sich jetzt noch erinnern, welche Stationen sie beim Berufsorientierungstraining in der siebten Klasse absolviert haben“, berichtet Bautz.

Vier Säulen des Schulprogramms

Die Minden-Lübbecker sind Stammgäste an der Willy-Brandt-Gesamtschule. Die Berufsorientierung ist dann auch eine der vier Säulen, auf denen das Schulkonzept aufbaut. Die anderen sind die MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, die Sprachförderung und das Soziale Lernen. Nicht in allen Bereichen ist die Gesamtschule so gut aufgestellt wie bei der Berufsförderung, gibt der Didaktische Leiter Paul Seck zu.

Berufsorientierung an der Gesamtschule funktioniert, Soziales Lernen noch nicht so ganz

Paul Seck ist Didaktischer Leiter der Willy-Brandt-Gesamtschule und kümmert sich um die Umsetzung des Projekts „Talentschule“ © Stefan Milk

Insbesondere die Sprachförderung und das Soziale Lernen seien noch ausbaufähig. Aber dabei bekommt die Gesamtschule Hilfe vom Land.

Seit Anfang des Schuljahres nimmt sie an einem Förderprogramm teil und ist ein von 35 „Talentschulen“ in NRW. Im Schul- und Unterrichtsalltag ist das noch nicht unbedingt zu spüren. Aber Auswirkungen hat das schon jetzt: Zum Beispiel weil die Gesamtschule zusätzlich 2500 Euro für die Fortbildung von Lehrern erhält. „Außerdem haben wir zwei Schulberater bekommen“, berichtet Seck.

Schulleiter berichtet


Talentschule im Ausschuss

  • Der kommissarische Leiter der Willy-Brandt-Gesamtschule, Dirk Rentmeister, stellt den Schulversuch „Talentschule“ in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Schule, Sport und Weiterbildung des Stadtrates am Dienstag, 26. November, vor.
  • Die öffentliche Sitzung beginnt um 17 Uhr in der Turnhalle der Grundschule Pfalzschule an der Pfalzstraße in Weddinghofen.

Blick auf die fünften Klassen

Die helfen beim Blick über den eigenen Tellerrand. Beim Thema „Soziales Lernen“ will die Gesamtschule zum Beispiel gezielt auf die fünften Klassen blicken, um ihren neuen Schülern den Übergang von der Grund- zu weiterführenden Schule zu erleichtern. Dabei würden die Erfahrungen der Lehrer der aktuellen fünften Klassen einbezogen. Außerdem seien auch Gespräche mit den Bergkamener Grundschulen geplant. Von den Ergebnissen sollen die Jungen und Mädchen profitieren, die im nächsten Schuljahr zur Gesamtschule kommen. Bei anderen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Talentschule denkt Seck etwas längerfristiger: „Der Schulversuch ist auf sechs Jahre angelegt.“

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