Berufsfeuerwehrmann aus Bergkamen kritisiert Schulministerin Gebauer deutlich

dzSchulpolitik

Tobias Ostwinkel ist Berufsfeuerwehrmann – und hat zwei schulpflichtige Kinder. Schulministerin Yvonne Gebauer erhielt nun nach ihrer „Zwiebellook“-Empfehlung einen offenen Brief von ihm.

Bergkamen

, 19.10.2020, 15:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das war wirklich das Letzte, was ich erwartet hätte“, sagt Tobias Ostwinkel an diesem Montag noch immer fassungslos über das, was er am vergangenen Freitag in den Nachrichten hörte. In Bezug auf das regelmäßige Lüften der Klassenzimmer in Corona-Zeiten hatte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer allen Schülern den Zwiebellook empfohlen, um sich warm zu halten.

Ostwinkel, Vater von zwei Schulkindern im Grundschul- und Sekundarstufe 1-Bereich schrieb der Ministerin daraufhin einen Brief, den er auch bei Facebook veröffentlichte. Mehr als 300 Mal wurde er dort bis Montagnachmittag geteilt, erhielt nur zustimmende Kommentare und über 270 Likes. Quintessenz des Inhalts: „Von einem Menschen, der mehr als ein halbes Jahr Zeit hatte, eine Lösung für ein Problem zu finden, erwarte ich mehr als einen Bekleidungstipp.“

Ostwinkel ist überrascht über so viel Rückenwind

Eine Rückmeldung aus dem Ministerium steht natürlich noch aus, aber über die Reaktionen im Internet ist Ostwinkel positiv überrascht. „Damit hätte ich nie im Leben gerechnet“, sagt er. „Ich habe Kommentare von Menschen bekommen, die ich gar nicht kenne oder zuordnen kann.“

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Ostwinkel übt Kritik am Verhalten des Schulministeriums, das die Schulen an vielen Stellen sich selbst überlasse. Doch dass man im Schulministerium nach sieben Monaten Pandemie, mit Eintreffen der von allen erwarteten 2. Welle und erneut steigender Infektionszahlen keine andere Lösung für die Luftverunreinigung in Klassenräumen anbiete, wenn nach den Herbstferien wieder Präsenzunterricht stattfinde, als der Zwiebellook „schlägt dem Fass den Boden aus“, so Ostwinkel.

Die Ministerin hat Schülern den Zwiebel-Look empfohlen, damit sie beim Lüften nicht frieren. Das empört den zweifachen Vater.

Die Ministerin hat Schülern den Zwiebel-Look empfohlen, damit sie beim Lüften nicht frieren. Das empört den zweifachen Vater. © dpa

Nicht einfach zusehen, wie alles abbrennt

Der Vater zieht Parallelen zu seinem Beruf als Feuerwehrmann bei der Berufsfeuerwehr Gütersloh. „Wir wollen bei der Feuerwehr vor die Lage kommen, also nicht nur auf das Geschehen reagieren, sondern alsbald selbst agieren können. Ich kann doch nicht zugucken, wie das Feuer von einem Reihenhaus auf das nächste übergreift. Das Nachbarhaus muss geschützt werden“, erklärt Ostwinkel.

Als Feuerwehrbeamter erhalte er einen Bruchteil des Minister-Gehalts, „aber dafür erwarten meine Mitmenschen eine fundierte Ausbildung, vielfältige Fachkenntnisse, absolute Leistungsfähigkeit zu jeder Tages- und Nachtzeit, jederzeit einen kühlen Kopf und vor allem immer die passende Lösung für das vorhandene Problem zu finden. Innerhalb von Minuten oder Sekunden, ohne dass jemand dabei Schaden nimmt“, schildert Ostwinkel.

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„Das Letzte, was ich einem eingeklemmten Patienten in seinem verunfallten Fahrzeug zukommen lassen würde, wäre ein Hinweis, wie er sich in dieser Situation hätte besser kleiden können. So funktioniert dieser Beruf nicht. Und so sollte auch ihr Amt als NRW-Schulministerin nicht funktionieren“, schreibt Ostwinkel an Yvonne Gebauer. „Fangen Sie endlich an, sich ernsthaft Gedanken zu machen, wie Zugang zu Bildung in den nächsten Monaten aussehen kann.“

Aufforderung zum Rücktritt

Dafür erwarte er als Vater nach sieben Monaten Pandemie Lösungen. „Sie sollen nicht Covid 19 heilen.“ Bildung hätten die Kinder nicht nur verdient, sondern auch nötig. Denn der Ballasthaufen, der den nachfolgenden Generationen hinterlassen werde, sei groß genug, finanziell wie strukturell.

Sollte Gebauer das nicht können, fordert Ostwinkel sie auf, von ihrem Amt zurückzutreten und „Platz für jemanden zu schaffen, der Ideen und Lösungen bieten kann.

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