Bergkamenerin kauft Sex-Spielzeug im Namen ihres Ex – und zieht ihre Kinder in den Prozess hinein

dzGerichtsprozess

Die Angeklagte wollte nicht zugeben, dass sie Sex-Spielzeug im Namen ihres Ex-Mannes bestellt hatte. Sogar ihre Kinder zog sie in den Prozess hinein. Für die war der Termin äußerst unangenehm.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 06.02.2020, 13:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit rotem Kopf saß ein 15-Jähriger im Zeugenstand des Amtsgerichts Kamen. Kurz zuvor hatte der Richter ihn gefragt, ob er vor einiger Zeit Sexspielzeug auf den Namen des Ex-Mannes seiner Mutter bestellt hatte. Der Junge verneinte.

Die für ihn merklich unangenehme Befragung hätte ihm seine Mutter – die Angeklagte – durch ein Geständnis ersparen können. Doch bis zum Schluss blieb die 39 Jahre alte Frau aus Bergkamen dabei, weder damals auf den Namen ihres Ex das Sexspielzeug bestellt zu haben, noch laut aktuellem Vorwurf einen Jahresbeitrag in Höhe von 99,96 Euro für ein Internetportal über ihn habe laufen lassen.

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Und das, obwohl die Indizien erdrückend waren. Die bei dem Portal angegebenen Telefonnummer und E-Mailadresse seien ihre. Genutzt habe sie sie aber nicht, so die Angeklagte. Bereits im September vergangenen Jahres hatte der Prozess gegen die Bergkamenerin begonnen. Doch auch damals stritt sie den Vorwurf ab und erklärte, ihre Kinder hätten zu der Zeit bei ihr gewohnt.

Also setzte der Richter die Verhandlung im September aus, um in einem neuen Termin die beiden Kinder als Zeugen zu hören. Beide gaben an, das Portal gar nicht zu kennen. Außerdem hätten sie eigene Handys und Mailadressen, bräuchten die der Mutter also gar nicht.

39-Jährige bescherte Ex-Mann Inkassobriefe und eine negative Schufa

Der ebenfalls als Zeuge geladene Ex gab an, die 39-Jährige habe schon mehrfach Dinge auf seinen Namen bestellt. Unter anderem Waren im Gesamtwert von mehr als 600 Euro bei einem Versandhaus. Immer wieder flatterten ihm Briefe von Inkasso-Unternehmen ins Haus. Inzwischen habe er wegen der Frau eine negative Schufa.

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Seit 2017 war die Angeklagte dreimal wegen Betruges, Unterschlagung und Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz verurteilt worden. Immer zu Geldstrafen. „Sie waren das, Ihre Kinder waren es nicht“, zeigte sich der Richter am Ende der Beweisaufnahme überzeugt. Anscheinend handele die 39-Jährige aus Ärger über ihren Ex-Mann: „Das ist System. Das haben Sie in der Vergangenheit schon gemacht. Das ist schon ziemlich dreist und hartgesotten. Das ist so unverfroren, dass es dieses Mal eine Freiheitsstrafe geben muss.“

Und die lautete fünf Monate. Weil es die erste war, setzte der Vorsitzende sie zur Bewährung aus. Als Auflage muss die Bergkamenerin 600 Euro an die Deutsche Arthrosehilfe zahlen.

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