Bergkamener Wertstoffhof steht kurz vor seiner absoluten Belastungsgrenze

dzRiesiger Andrang

Die Woche vor Ostern ist die Zeit, in der viele Bergkamener zuhause aufräumen und Grünschnitt, Sperrmüll und Elektroschrott zum Wertstoffhof bringen. In der Corona-Krise ist er kurz vor der Belastungsgrenze.

Bergkamen

, 07.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rudolf Teske wirft schnell noch ein paar alte Armlehnen von Stühlen in den Sperrmüll-Container. Den Bauschutt, den er hatte, hat er schon ausgeräumt. Dann steigt er ins Auto und sieht zu, dass er wieder Platz macht auf dem Bergkamener Wertstoffhof. Der ist rar, denn viele Bergkamener nutzen die Woche vor Ostern, um den Keller zu entrümpeln oder den Garten für die Feiertage schön zu machen.

Dass er bis zu 15 Minuten warten musste, bis er überhaupt auf den Wertstoffhof durfte, macht ihm nicht viel aus. „Der Bauschutt lag schon eine Woche zuhause. Der musste endlich weg“, sagt er.

Auch Gregor Misera, der nebenan alten Laminatboden aus seinem Auto räumt musste lange warten. Das macht ihm nichts. „Eigentlich ist das doch immer so hier“, meint er.

Werner Kowalski kontrolliert eine Kofferraumladung Altreifen. Der Mitarbeiter gibt den Preis für die Entsorgung gleich an die Kasse weiter.

Werner Kowalski kontrolliert eine Kofferraumladung Altreifen. Der Mitarbeiter gibt den Preis für die Entsorgung gleich an die Kasse weiter. © Stefan Milk

Der Andrang ist vor Ostern immer groß, aber diesmal gewaltig

Das stimmt nicht ganz. Der Andrang sei auch sonst in der Woche vor Ostern sehr groß, sagt Matthias Frobel von der Kreis-Abfallgesellschaft GWA, der den Betrieb auf dem Bergkamener Wertstoffhof organisiert. Aber in dieser Woche ist es besonders schlimm. Viele Bergkamener sind in der Corona-Krise zuhause und nutzen die Zeit, um den Dachboden aufzuräumen, den Keller auszumisten oder den Garten in Ordnung zu bringen.

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Alle Appelle der GWA, besser nicht in der Woche zu Ostern zu kommen, haben wenig genützt. An diesem Dienstag hat Frobel schon von 10 Uhr, als er den Wertstoffhof geöffnet hat, bis 14.50 Uhr etwa 280 Bergkamener gezählt, die etwas auf dem Wertstoffhof zu entsorgen hatten. Auch am vergangenen Freitag sind schon 350 Kunden gekommen, um etwas beim Wertstoffhof abzugeben, teilt GWA-Sprecher Andreas Hellmich mit.

Werner Kowalski weist Kunden den Weg zur richtigen Mulde. Die Mitarbeiter des Wertstoffhofs dürfen immer nur fünf Fahrzeuge gleichzeitig auf den Hof lassen.

Werner Kowalski weist Kunden den Weg zur richtigen Mulde. Die Mitarbeiter des Wertstoffhofs dürfen immer nur fünf Fahrzeuge gleichzeitig auf den Hof lassen. © Stefan Milk

Personal weist Nicht-Bergkamener rigoros ab

Frobel hat schon einen seiner Mitarbeiter vor das Tor beordert, der versucht, den Andrang irgendwie zu bändigen. Die Autoschlange steht zweispurig vor dem Tor. Mit dabei sind auch Pkw mit Anhänger und Kleintransporter. Der GWA-Mitarbeiter geht die Schlange schon einmal ab und fragt nach der Berechtigungskarte – denn nur Bergkamener dürfen dort Sperrmüll, Grünschnitt und Elektroschrott entsorgen. Das liegt unter anderem daran, dass die Abgabe zwar Gebühren kostet. Die wären aber noch höher, wenn sie nicht über die Bergkamener Müllgebühren gegenfinanziert würden.

Der Andrang zum Wertstoffhof ist groß. Die Schlange vor der Zufahrt staute sich zeitweise sogar auf die Fritz-Husemann-Straße zurück. Die GWA bittet darum, möglichst nicht noch in dieser Woche zu kommen.

Der Andrang zum Wertstoffhof ist groß. Die Schlange vor der Zufahrt staute sich zeitweise sogar auf die Fritz-Husemann-Straße zurück. Die GWA bittet darum, möglichst nicht noch in dieser Woche zu kommen. © Stefan Milk

20 bis 30 aus anderen Städten werden abgewiesen

Trotzdem stellt sich auch der eine oder andere aus den Nachbarstädten an. „Vor allem aus Werne, Kamen und Lünen“ sagt Frobel. Für manchen Kamener sei der Wertstoffhof in Bergkamen wohl einfach näher als der in Heeren und der Hof in Lünen ist zurzeit noch geschlossen. Nicht-Bergkamener werden gleich wieder weggeschickt. Etwa 20 bis 30 seien das auch am Dienstag wieder gewesen, schätzt der GWA-Mitarbeiter.

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Trotzdem nimmt die Schlange vor dem Tor bedrohliche Ausmaße an. Die beiden Zufahrtsspuren auf dem großen Parkplatz sind komplett belegt. Sogar auf der Linksabbiegerspur auf der Justus-von-Liebig-Straße warten Autofahrer. Die Schlange abzubauen ist schwierig, denn wegen der Corona-Krise dürfen immer nur fünf Fahrzeuge gleichzeitig auf den Wertstoffhof. Außerdem sollen eigentlich diejenigen bevorzugt werden, die Grünschnitt abgeben.

Ralf Abdinghoff empfängt Kunden und weist sie ein. Er kontrolliert auch, ob sie aus Bergkamen kommen. Auswärtige schickt er gleich wieder weg.

Ralf Abdinghoff empfängt Kunden und weist sie ein. Er kontrolliert auch, ob sie aus Bergkamen kommen. Auswärtige schickt er gleich wieder weg. © Stefan Milk

GWA-Mitarbeiter überlegt, die Polizei zur Hilfe zu rufen

Gegen Mittag habe er sogar schon überlegt, die Polizei zur Hilfe zu rufen, sagt Frobel. Da staute sich der Verkehr sogar schon zurück bis auf die Fritz-Husemann-Straße. Frobel befürchtete, dass ein Rettungswagen bei einem Einsatz noch nicht einmal bis zum Bayer-Tor II gekommen wäre.

Hellmich appelliert deshalb noch einmal dringend an die Bergkamener, Grünschnitt oder Sperrmüll ausnahmsweise doch noch bis nach den Osterfeiertagen zu Hause zu lagern und dann erst wegzubringen. Noch mehr Andrang verkraftet der Wertstoffhof auf keinen Fall mehr.

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