Bergkamener Vater lauert einem Jungen nach der Schule auf, weil der seine Frau beleidigt hatte

dzAmtsgericht Kamen

Weil ein Zwölfjähriger seine Frau beleidigt hatte, ging ein Bergkamener Vater auf den Jungen los. Er wartete an der Realschule Oberaden auf ihn. Der Junge bekam es mit der Angst zu tun.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 13.03.2020, 11:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ist das Greifen in den Nacken eine Körperverletzung? Dieser Frage ging am Donnerstag der Strafrichter im Amtsgericht Kamen nach. Auf der Anklagebank ein Bergkamener, 44 Jahre alt, Handwerker, stattliche Erscheinung. Nachdem sein Sohn mit einem Klassenkameraden an der Realschule in Oberaden in eine Prügelei geraten war, in der der andere die Ehefrau des Angeklagten als Hure bezeichnet haben soll, entschied dieser, sich den zwölfjährigen Gegner seines Sprösslings am Folgetag vorzunehmen.

Also begab er sich am 2. Oktober 2018 zur Schule und wartete dort auf den Jungen. Laut Vorwurf soll er diesen so stark am Genick gepackt haben, dass Schmerzen und Rötungen zurückgeblieben waren. Er habe dem Schüler lediglich die Hand auf die Schulter gelegt, aber nicht zugedrückt, erklärte der Angeklagte im Gericht.

Bergkamener Vater machte dem Schulfreund seines Sohnes Angst

Allerdings musste er zugeben, dass er durchaus nachvollziehen könne, dass der Junge Angst vor ihm hatte. „Es war nicht richtig von mir“, zeigte der 44-Jährige Einsicht. Der inzwischen 13 Jahre alte Geschädigte gab im Zeugenstand zu, sich vor dem Mann gefürchtet zu haben: „Ich hatte Angst, weil er auf mich gewartet hat. Das ist ja nicht normal.“

Zwar sei sein Nacken hinterher gerötet gewesen, das habe sich aber schnell gelegt. Schmerzen habe er gar nicht gehabt. Der Klassenlehrer war schließlich dazwischen gegangen, und hatte die Situation aufgelöst. Er beschrieb den Angeklagten als recht aufgebracht.

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Durch die Aussage des Jungen bezüglich der Schmerzen, ging der Richter nicht von einer Körperverletzung aus. Aber: „Für einen Freispruch reicht es nicht. Ich finde das Verhalten nicht richtig.“ Und so endete die Sitzung mit einer vorläufigen Verfahrenseinstellung. Zahlt der Bergkamener 300 Euro, wird die Akte geschlossen.

Finanziell hätte der 44-Jährige günstiger aus der Sache herauskommen können. Er hatte nämlich einen Strafbefehl mit 900 Euro Geldstrafe unter Vorbehalt, also auf Bewährung bekommen. Damit hätte er diesen Betrag nur zahlen müssen, wenn er wieder straffällig geworden wäre.

Das hatte ihm der Richter zu Beginn der Verhandlung noch einmal ausführlich erklärt und dem Mann die Chance zur Rücknahme des Einspruchs gegen den Strafbefehl gegeben. Das wollte der Angeklagte aber nicht.

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