SPD-Stadtverbandschef André Rocholl und der Fraktionsvorsitzende Bernd Schäfer erlebten keinen erfreulichen Wahlabend: Ihre Partei hat die absolute Mehrheit verloren. © Stefan Milk
Politik

Bergkamener SPD nominiert André Rocholl für die Landtagswahl

Die Bergkamener SPD wird definitiv ihren Stadtverbandsvorsitzenden André Rocholl ins Rennen um die Landtags-Kandidatur schicken. Entscheidend sind zwei Faktoren. Einer ist Unterstützung von unerwarteter Seite.

Wer den Bergkamener SPD-Stadtverbandsvorsitzenden André Rocholl in den vergangenen Wochen nach seinen eigenen Ambitionen fragte, für den Landtag zu kandidieren, der bekam allenfalls ausweichende Antworten. Tenor: Die Frage stelle sich für ihn gar nicht, weil ihn ein Teil der Bergkamener Genossen wohl nicht unterstützen werde. Gemeint war wohl vor allem der mächtige SPD-Ortsverein Oberaden. Er ist nach Bergkamen-Mitte, dem Rocholl angehört, der zweitgrößte in der Stadt.

Rocholl war immer davon ausgegangen, dass ihn die Oberadener Sozialdemokraten nicht so gerne wollen – wegen der Rolle, die er beim Rücktritt des bisherigen SPD-Landtagsabgeordneten Rüdiger Weiß spielte, der aus Oberaden kommt. Hinzu kam, dass es noch zwei weitere Vorschläge aus anderen Bergkamener Ortsvereinen gab. Rocholl konnte sich deren Unterstützung nicht sicher sein.

Beide Hindernisse haben sich offenbar in Luft aufgelöst. Wie Rocholl selbst auf Anfrage bestätigte, haben die Oberadener Sozialdemokraten ihm jetzt ihre Unterstützung bei der Landtagskandidatur zugesichert. Und nicht nur sie, wie Rocholl betont. „Meine Kandidatur unterstützt der gesamte Stadtverband“, sagte er. Die beiden anderen Vorschläge seien mittlerweile zurückgezogen worden.

Die Ratsfraktion der SPD in Dortmund hat eine neue Spitze gewählt. Die zweite Bewerberin trat ganz plötzlich auf den Plan.
Die Ratsfraktion der SPD in Dortmund hat eine neue Spitze gewählt. Die zweite Bewerberin trat ganz plötzlich auf den Plan. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Der Stadtverbandsvorsitzende hält sich für den richtigen Kandidaten. „Ich bin der, der von hier kommt und ich will meine Heimat voranbringen“, sagt er. Durch seinen Beruf bei der Sparkasse Bergkamen-Bönen habe er viel Kontakt zu Menschen und kenne die Sorgen der Menschen in der Region. Besonders gut kenne er sich mit jungen Familien aus, machte er deutlich: Der 41-Jährige hat selbst drei Kinder.

Die Bergkamener SPD-Ortsvereine haben jetzt zu Versammlungen eingeladen, um ihre Delegierten zur Wahlkreis-Delegiertenkonferenz zu wählen. Die Kandidatin oder der Kandidat der SPD für die Landtagswahl im sogenannten Mittelkreis soll am Mittwoch, 10. November, in der Stadthalle Kamen gekürt werden. Der Wahlkreis Unna III-Hamm II besteht aus Bergkamen, Kamen, Bönen und Hamm-Herringen.

Dass Rocholl bei der Versammlung in Kamen zum SPD-Landtagskandidaten gekürt wird, steht keineswegs fest. Bönen hat eine eigene Kandidaten und Herringen einen Kandidaten benannt. Nur der Stadtverband Kamen will niemanden ins Rennen schicken.

Der Bergkamener Stadtverbandsvorsitzende André Rocholl (l., mit dem Bundestagsabgeordneten Oliver Kaczmarek) hat die schwierige Aufgabe, die Bergkamener SPD auf eine gemeinsame Landtagskandidatin oder einen Kandidaten einzuschwören. © Stefan Milk © Stefan Milk

Bergkamen stellt mit 16 zwar die meisten der 39 Delegierten, vor Kamen (13), Bönen (6) und Herringen (4), hat aber keine Mehrheit. Die könnte mithilfe der Kamener Delegierten zustande kommen. Rocholls Chancen auf eine Nominierung dürften aber auch nicht schlecht sein: Damit er nicht gewählt wird, müssten die Delegierten aus Kamen, Bönen und Herringen geschlossen für jemand anderen stimmen.

Bisher war der Wahlkreis immer sicher für die SPD: Meist hatten die Sozialdemokraten im heimischen Landtags-Wahlkreis sogar das landesweit beste Ergebnis geholt. Das muss diesmal nicht so sein: Der bisherige Landtagsabgeordnete Rüdiger Weiß – 2017 noch mit 48,5 der Stimmen direkt gewählt – musste im Mai wegen der sogenannten Briefkopfaffäre zurücktreten. Das dürfte Kratzer auf dem Image der SPD im Wahlkreis hinterlassen haben. Wer immer kandidiert: Er oder sie muss sie erst einmal wegpolieren.

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Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann

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