Bergkamener Seniorenheim muss Besuchsverbot nach Angehörigen-Beschwerden aufheben

dzCoronavirus

Angesichts der Corona-Gefahr wollte das Seniorenheim Haus Lessing bis auf weiteres ein Besuchsverbot aufrecht erhalten. Angehörige beschwerten sich bei den Behörden – mit Erfolg.

Bergkamen

, 01.07.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Mittwochmorgen wurden Menschen am „Haus Lessing“ noch abgewiesen, die ihre Angehörigen in dem Seniorenheim an der Lessingstraße besuchen wollten. Nachmittags hob Hanna Schmidt aus der Geschäftsführung der privaten Betreibergesellschaft das strenge Besuchsverbot auf – allerdings alles andere als freiwillig.

Sie habe einen Anruf von der Heimaufsicht des Kreises Unna bekommen, berichtete Schmidt. Dort hatten sich Angehörige beschwert. Denn seit dem 1. Juli gilt eine Allgemeinverfügung des Landesgesundheitsministeriums: Nach der muss es Bewohnern von Seniorenheimen ermöglicht werden, wieder Besucher auf ihren Zimmern zu empfangen – wenn bestimmte Corona-Schutzmaßnahmen eingehalten werden.

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Heimchefin hält die Entscheidung für einen großen Fehler

„Wir werden ab sofort Besuche zu bestimmten Zeiten zulassen“, kündigte Schmidt an. Den Erlass des Ministers Karl-Josef Laumann hält sie allerdings für einen großen Fehler. „Wir haben Verantwortung für 60 Bewohner und 65 Mitarbeiter“, sagte sie. Angesichts des Corona-Ausbruchs bei Tönnies halte sie es für unverantwortlich, Besucher ins Haus zu lassen: „Gütersloh und Warendorf sind nicht weit.“

Bevor Angehörige das Haus am Nordberg in Bergkamen betreten, wird bei ihnen Fieber gemessen.

Bevor Angehörige das Haus am Nordberg betreten, wird bei ihnen Fieber gemessen. © Borys Sarad

Auch in Bergkamen lebten Menschen, die sich bei Tönnies mit Corona infiziert hätten. Wäre es nach Schmidt gegangen, würde das Besuchsverbot im Haus Lessing noch gelten. Aber wegen der Minister-Anordnung sieht sie keinerlei Ermessensspielraum.

Besuche verursachen großen Aufwand

Ohnehin hätte das Haus Lessing damit einen Sonderweg unter den Bergkamener Seniorenheimen eingeschlagen. Die anderen ermöglichen schon länger Besuche und haben ab Mittwoch von vorneherein wieder Besucher in die Zimmer gelassen.

Allerdings ist das mit einem großen Aufwand verbunden. Die Besucher müssen sich vorher anmelden, werden in dem Heim in Empfang genommen, über die Hygiene-Richtlinie informiert. Außerdem wird bei ihnen Fieber gemessen.

Das Hermann-Görlitz-Zentrum der Awo hat für dieses Prozedere eigens eine externe Firma engagiert, wie Hausleiter Ludger Moor berichtete. Bernward Bisplinghoff, der das „Haus am Nordberg“ leitet, stellt Mitarbeiter vom Betreuungsdienst ab. Das Pflegepersonal könne er mit diesen Aufgaben nicht auch noch belasten, meinte er.

Im Haus am Nordberg in Bergkamen wurden schon vor dem 1. Juli Besuche von Angehörigen ermöglicht, es gibt Besucherzentren im Garten und im großen Saal, wo die Corona-Regeln eingehalten werden konnten. Ab dem 1. Juli können die Angehörigen ihren Verwandten aber noch näher kommen – unter strengen Auflagen.

Im Haus am Nordberg wurden schon vor dem 1. Juli Besuche von Angehörigen ermöglicht, es gibt Besucherzentren im Garten und im großen Saal, wo die Corona-Regeln eingehalten werden konnten. Ab dem 1. Juli können die Angehörigen ihren Verwandten aber noch näher kommen – unter strengen Auflagen. © Borys Sarad

Besuche im Garten, im Zelt und am Fenster

Moor und Bisplinghof haben aber auch schon zuvor Treffen zwischen Bewohnern und ihren Angehörigen ermöglicht. Vor dem Hermann-Görlitz-Zentrum hatte die Awo dafür Zelte aufgebaut. Im Haus am Nordberg gibt es Besucherzentren im Garten und im großen Saal, wo die Corona-Regeln eingehalten werden konnten.

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Allerdings betonte auch Hanna Schmidt, dass die Bewohner des „Hauses Lessing“ keineswegs völlig isoliert waren. Ihr Angehörigen konnten zum Beispiel von außen durch so genannte „Besucherfenster“ Kontakt aufnehmen. Dort trennte sie nur ein Plexiglasschutz voneinander. Außerdem nutze das Heim sämtliche technischen Möglichkeiten, sodass die Senioren und ihre Verwandten zum Beispiel Videotelefonate führen konnten.

Noch am 20. Juni hat das Haus Lessing in Bergkamen ein Sommerfest unter Corona-Bedingungen gefeiert. Danach galt ein Besuchsverbot, das das Heim jetzt aufheben muss.

Noch am 20. Juni hat das Haus Lessing ein Sommerfest unter Corona-Bedingungen gefeiert. Danach galt ein Besuchsverbot, das das Heim jetzt aufheben muss. © Haus Lessing

Auch Schmidt hatte zwischenzeitlich Lockerungen zugelassen. Das „Haus Lessing“ organisierte am 20. Juni ein Sommerfest, bei dem sich Angehörige und Bewohner im Freien und unter strengen Hygiene-Richtlinien trafen, berichtete sie: „Zwei Tage später kam Tönnies“.

Das Besuchsverbot habe auch in anderer Hinsicht Wirkung gezeigt, sagte Schmidt: „Es mussten seltener Bewohner ins Krankenhaus und es gab allgemein weniger Erkrankungen.“

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